In einer kürz­lich ver­öf­fent­li­chen Stel­lung­nah­me hat sich der Deut­sche Ethik­rat mit der Kran­ken­haus­ver­sor­gung in Deutsch­land aus­ein­an­der­ge­setzt. Dar­in bemän­gel­te der Ethik­rat, dass die deut­schen Kli­ni­ken zu wenig am Pati­en­ten­wohl aus­ge­rich­tet seien.

So fal­le es auf, dass in der Debat­te über die künf­ti­ge Aus­rich­tung der Kli­ni­ken das Pati­en­ten­wohl als maß­geb­li­ches Leit­prin­zip der Ver­sor­gung nicht expli­zit im Vor­der­grund ste­he, heißt es in der Stel­lung­nah­me. Im Zusam­men­hang damit stün­den besorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lun­gen in der Kran­ken­haus­me­di­zin, so etwa Men­gen­aus­wei­tun­gen und redu­zier­te Behand­lungs­leis­tun­gen, die Kon­zen­tra­ti­on auf gewinn­brin­gen­de Behand­lun­gen zulas­ten not­wen­di­ger Behandlungsangebote. 

Pflegepersonalschlüsseln und ‑mindestquoten gefordert

Auch die pro­ble­ma­ti­schen Arbeits­be­din­gun­gen für das Kli­nik­per­so­nal sei­en hier zu nen­nen. So for­dert der Ethik­rat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um dazu auf, für eine „nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung der Pfle­ge­si­tua­ti­on im Kran­ken­haus“ zu sor­gen. Dazu gehö­re die Ent­wick­lung von Pfle­ge­per­so­nal­schlüs­seln in Abhän­gig­keit von Sta­ti­ons- und Bereichs­grö­ßen. Zudem soll­ten Min­dest­quo­ten für Pfle­ge­kräf­te, dif­fe­ren­ziert nach Fach­ab­tei­lun­gen, fest­ge­legt wer­den. Ange­sichts des Man­gels an Pfle­ge­kräf­ten könn­ten Qua­li­fi­zie­rungs­mo­del­le geför­dert wer­den, mit denen zum Bei­spiel Arzt­hel­fer berufs­be­glei­tend zu Pfle­ge­kräf­ten wei­ter­ge­bil­det werden.

Vergütungsmodelle müssen überarbeitet werden

Was die Ver­gü­tung durch Fall­pau­scha­len angeht, plä­dier­te der Ethik­rat eben­falls für eine am Pati­en­ten­wohl ori­en­tier­te Umge­stal­tung. Denk­bar wäre etwa eine auf den indi­vi­du­el­len Fall bezo­ge­ne „Paket­lö­sung“. Um unnö­ti­ge Ein­grif­fe und Pro­ze­du­ren zu ver­mei­den, soll­ten zudem Ver­gü­tungs­mo­del­le ent­wi­ckelt wer­den, die Anrei­ze bie­ten für eine „begrün­de­te Unter­las­sung“. Für die Kran­ken­haus­be­hand­lung von Kin­dern und Jugend­li­chen sowie Behin­der­ten müss­ten spe­zi­fi­sche Fall­pau­scha­len erar­bei­tet werden.

Bundeseinheitliche Standards für die Krankenhausplanung

Nach Ansicht des Ethik­ra­tes soll­ten trans­pa­ren­te Kri­te­ri­en für eine pri­mär am Pati­en­ten­wohl ori­en­tier­te Kran­ken­haus­pla­nung ent­wi­ckelt wer­den. Fer­ner soll­ten Bund und Län­der bun­des­ein­heit­li­che Stan­dards für die Kran­ken­haus­pla­nung ent­wi­ckeln, um Unter­schie­de und Dop­pel­struk­tu­ren zu ver­rin­gern. Das schlie­ße gege­be­nen­falls eine Redu­zie­rung der Anzahl der Kran­ken­häu­ser nicht aus.