Die Pflegepetition des "Stern" stößt auf große Resonanz.
Die Pflege­pe­ti­tion des „Stern“ stößt auf große Resonanz.Bild: © Fabri­zio Grassi | Dreamstime.com

Mehr Zeit für Patien­tin­nen und Patien­ten, eine Aufwer­tung des Berufs­bil­des sowie die konse­quente Abkehr von Profit­den­ken und ökono­mi­schen Fehlan­rei­zen. Dies sind die zentra­len drei Forde­run­gen der Pflege­pe­ti­tion an den Bundes­tag, die das Nachrich­ten­ma­ga­zin „Stern“ aufge­setzt hat. Das Echo ist gewal­tig. Der Aufruf verbrei­tet sich rasant in den übrigen Medien und sozia­len Netzwer­ken. Zur Stunde (Stand 19. Januar, 17 Uhr) haben seit dem Start bereits mehr als 148.000 Perso­nen die Petition online unter­zeich­net.

Quorum von 50.000 bereits bei weitem überschritten

Es könnten jedoch noch erheb­lich mehr werden. Denn zum einen läuft die Mitzeich­nungs­frist noch bis zum 11. Februar. Zum anderen ist es alter­na­tiv zur direk­ten Online-Unter­zeich­nung auch möglich, per klassi­scher Unter­schrif­ten­liste Mitzeich­ner zu sammeln und diese anschlie­ßend ausge­füllt an den Verlag zu mailen. Das Quorum von 50.000 Unter­schrif­ten hatte die Petition bereits wenige Tage nach ihrem Start erreicht. Damit muss sich der Petiti­ons­aus­schuss nun mit der Eingabe des Hambur­ger Magazins befas­sen. In seiner Beschluss­fas­sung ist er aber natür­lich frei.

Um die drei genann­ten Forde­run­gen errei­chen zu können, fordert die Petition unter anderem verläss­li­che Arbeits­zei­ten und Entlas­tung des Pflege­per­so­nals von Bürokra­tie. Höhere Gehäl­ter, bessere Weiter­bil­dungs- und Karrie­re­chan­cen sowie erwei­terte Kompe­ten­zen sollen das Berufs­bild attrak­ti­ver machen. Das Magazin verweist auf die im inter­na­tio­na­len Vergleich schlechte Perso­nal­be­set­zung, die maue Bezah­lung, zahlrei­che offene Stellen sowie die verbrei­tete Unzufrie­den­heit und Erschöp­fung unter Pflegekräften.

Von Wickert bis Wallraff: Zahlrei­che Verbände und Promi­nente mit an Bord

„In Deutsch­land wird die Pflege kaputt­ge­spart“, klagt Stern-Redak­ti­ons­mit­glied Bernhard Albrecht in seinem Aufruf an. Denn mindes­tens 50.000 Stellen in der Pflege seien in den vergan­ge­nen 25 Jahren allein in den Kranken­häu­sern wegra­tio­na­li­siert worden. „Der Exodus der Pflege aus den Kran­kenhäusern ist die Folge einer seit Jahrzehn­ten verfehl­ten Gesund­heits­po­li­tik“, folgern die Initia­to­ren. Derzeit werde viel Geld für Überthe­ra­pien, Folgen von Behand­lungs­feh­lern sowie für überbor­dende Bürokra­tie und infolge von Korrup­tion ausge­ge­ben. Diese Gelder sollten besser direkt den Pflegen­den zugute kommen.

Die Pflege­pe­ti­tion stützt sich auch auf eine enorme Zahl von Unter­stüt­zern. Unter anderem der Deutsche Berufs­ver­band für Pflege­be­rufe (DBfK), der Deutsche Pflegerat, die Deutsche Gesell­schaft für Innere Medizin und die Pflege­ge­werk­schaft Bochu­mer Bund stehen hinter der Eingabe. Als Promi­nente sind unter anderem der Medizi­ner und Comedian Eckart von Hirsch­hau­sen, der Inves­ti­ga­tiv-Journa­list Günter Wallraff, der Autor und Kolum­nist Micky Beisen­herz, der Modera­tor und Modede­si­gner Guido Maria Kretschmer, Ex-„Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert sowie der Alten­pfle­ger und Social-Media-Star Jim Bøy in der Kampa­gne vertre­ten. Sie haben sich im Rahmen der Kampa­gne mit Video-Kurzstate­ments zu Wort gemel­det. Ob der Allein­gang des „Stern“ Erfolg haben wird – nach so vielen Online-Petitio­nen zur Pflege, die es bereits gegeben hat – dürfte indes mit Spannung zu verfol­gen sein. Genug Öffent­lich­keit und mediale Beglei­tung ist dieses Mal freilich gegeben.