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Textile Atemschutzmaske
Tex­ti­le Atem­schutz­mas­ke: Zukunft oder Vergangenheit?

Die COVID-19-Pan­de­mie hat schlag­ar­tig und welt­weit ein The­ma in den Fokus gerückt, mit dem sich bis­lang haupt­säch­lich Exper­ten beschäf­tigt haben: Gesichts­mas­ken zur Unter­bre­chung von Infek­ti­ons­ket­ten.

Die „eine“ Gesichts­mas­ke gibt es aber nicht, son­dern ver­schie­de­ne Pro­duk­te, die unter­schied­li­chen Regu­la­ri­en unter­lie­gen und somit auch unter­schied­li­chen tech­ni­schen Anfor­de­run­gen. Prin­zi­pi­ell gibt es in der EU drei unter­schied­li­che Pro­dukt­grup­pen von Masken.

FFP-Atem­schutz­mas­ken (FFP = Fil­te­ring Face Pie­ce) unter­lie­gen der Ver­ord­nung (EU) 2016/425 für Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung und müs­sen die Vor­ga­ben der DIN EN 149 ein­hal­ten sowie mit einem CE-Kenn­zei­chen ver­se­hen sein. Der eigent­li­che Ver­wen­dungs­zweck besteht dar­in, den Trä­ger vor fei­nen Par­ti­keln zu schüt­zen, zum Bei­spiel im Rah­men von Arbei­ten, bei denen viel Staub ent­steht. Im medi­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Bereich schüt­zen FFP-Mas­ken das Per­so­nal vor der Anste­ckung mit luft­ge­tra­ge­nen Erre­gern, die von den Pati­en­ten und Pfle­ge­be­dürf­ti­gen aus­ge­hen. Für Atem­schutz­mas­ken gibt es ver­schie­de­ne Schutz­stu­fen (FFP 1–3), abhän­gig davon, wie gut sie Stäu­be, Krank­heits­er­re­ger und flüs­si­ge bezie­hungs­wei­se fes­te Par­ti­kel zurück­hal­ten. Wäh­rend die­se Mas­ken in Euro­pa die Vor­ga­ben der Norm DIN EN 149 erfül­len müs­sen, gel­ten im nicht-euro­päi­schen Aus­land ande­re Vorgaben.

Medi­zi­ni­sche Gesichts­mas­ken bede­cken Mund und Nase, und wer­den übli­cher­wei­se von Ärz­ten und Pfle­ge­kräf­ten getra­gen, um Pati­en­ten oder Bewoh­ner von Pfle­ge­hei­men vor Infek­ti­ons­er­re­gern durch das behan­deln­de Per­so­nal zu schüt­zen. Die­se auch als „OP-Mas­ken“ oder „Mund-Nasen-Schutz“ bekann­ten Gesichts­mas­ken schüt­zen medi­zi­ni­sches Per­so­nal je nach Pro­dukt­ka­te­go­rie zusätz­lich vor Sprit­zern poten­zi­ell kon­ta­mi­nier­ter Flüs­sig­kei­ten, bei­spiels­wei­se im Rah­men von OPs. Medi­zi­ni­sche Mas­ken unter­lie­gen auf­grund ihres vor­wie­gen­den Ein­satz­be­reichs der Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung 2017/745 und müs­sen die Anfor­de­run­gen für Medi­zin­pro­duk­te der Klas­se I sowie die tech­ni­schen Vor­ga­ben der euro­päi­schen Norm EN 14683 erfül­len; auch gel­ten im nicht-euro­päi­schen Aus­land ande­re nor­ma­ti­ve Vorgaben.

All­tags­mas­ken­/­Com­mu­ni­ty-Mas­ken: Bei Gesichts­mas­ken, die weder die Anfor­de­run­gen der Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung erfül­len, noch mit dem CE-Zei­chen als per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung gekenn­zeich­net sind, han­delt es sich um simp­le Beklei­dungs­ge­gen­stän­de ohne nach­ge­wie­se­ne Schutz­funk­ti­on. Je nach dem, aus wel­chem Mate­ri­al sie bestehen und ob sie kor­rekt getra­gen wer­den, haben sol­che All­tags­mas­ken („Com­mu­ni­ty Mas­ken“) auch eine gewis­se Bar­rie­re­wir­kung. Sie kön­nen in beschränk­tem Maße also zum Bei­spiel vor grö­ße­ren Tröpf­chen hustender/niesender Per­so­nen oder vor einer Anste­ckung durch unwill­kür­li­che Berüh­run­gen mit poten­zi­ell kon­ta­mi­nier­ten Hän­den im Gesicht schüt­zen. Seit 2020 gibt es in Euro­pa die Vor­stu­fe einer Prüf­norm (CWA 17553), mit der Her­stel­ler von All­tags­mas­ken (frei­wil­lig) die Funk­ti­on und Sicher­heit die­ser Mas­ken nach­wei­sen können.

Die medi­zi­ni­sche Gesichts­mas­ke als tex­ti­les Mehrweg-Produkt

Seit­dem der Gesetz­ge­ber in vie­len Berei­chen das Tra­gen einer FFP- oder medi­zi­ni­schen Gesichts­mas­ke vor­schreibt, ist der Absatz von Com­mu­ni­ty Mas­ken deut­lich zurück­ge­gan­gen. Zahl­rei­che Tex­til­her­stel­ler gehen aber neue Wege und haben tex­ti­le Mehr­weg­mas­ken ent­wi­ckelt, die die Vor­ga­ben einer medi­zi­ni­schen Gesichts­mas­ke voll­um­fäng­lich erfül­len und als Medi­zin­pro­dukt der Klas­se I im Markt sind.

Dabei han­delt es sich um eine recht neue Pro­dukt­ka­te­go­rie, auf die die nor­ma­ti­ven Regu­la­ri­en noch nicht voll­stän­dig ein­ge­stellt sind. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: Neben der deut­li­chen Ein­spa­rung von Müll, dem gerin­ge­ren Res­sour­cen­ver­brauch und der erneu­ten Ver­füg­bar­keit brin­gen die tex­ti­len Mas­ken einen Mehr­wert an Tra­ge­kom­fort bei glei­cher Sicher­heit und Funk­ti­on. Auch für die pro­fes­sio­nel­le Anwen­dung im Gesund­heits­we­sen, wo der Preis der Pro­duk­te eine sehr gro­ße Rol­le spielt, eig­nen sich die Mehr­weg-Mas­ken, da meh­re­re Stu­di­en bele­gen, dass die Kos­ten über die Gesamt­nut­zungs­dau­er (total cost of owners­hip) für Mehr­weg­pro­duk­te unter den Kos­ten für Ein­weg­pro­duk­te liegen. 

Neue Her­aus­for­de­run­gen – die Wiederaufbereitung

Mit der Mehr­weg-Anwen­dung kom­men auch zulas­sungs­recht­lich neue Fra­gen auf, die der Hersteller/Inverkehrbringer im Rah­men sei­ner durch die euro­päi­sche Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung (MDR) vor­ge­schrie­be­nen Risi­ko­be­trach­tung ana­ly­sie­ren, doku­men­tie­ren und dis­ku­tie­ren muss: die ver­läss­lich des­in­fi­zie­ren­de Wiederaufbereitung.

Hier­bei müs­sen drei Punk­te unbe­dingt gewähr­leis­tet sein:

  • Das Wasch­ver­fah­ren muss Schmutz, Haut­par­ti­kel, etc. voll­stän­dig ent­fer­nen und des­in­fi­zie­rend wirk­sam sein in den Wirk­be­rei­chen A und B, also gegen Bak­te­ri­en, Pil­ze, Myko­bak­te­ri­en und Viren.
  • Die Funk­ti­on und Sicher­heit der Mas­ke dür­fen durch die Auf­be­rei­tung nicht ver­än­dert werden.
  • Der Auf­be­rei­tungs­pro­zess muss doku­men­tiert und die Hygie­ne­vor­ga­ben regel­mä­ßig über­prüft werden.

Der pro­fes­sio­nel­le Tex­til­ser­vice kann dies bie­ten. Gewerb­li­che Wäsche­rei­en, die für das des­in­fi­zie­ren­de Waschen zer­ti­fi­ziert sind, zum Bei­spiel nach RAL-Güte­zei­chen 992/2 bezie­hungs­wei­se EN 14065, haben kon­trol­lier­te und fremd­über­wach­te Hygie­ne­pro­zes­se instal­liert und waschen nach­weis­lich im Wirk­be­reich A und B. Durch die Zer­ti­fi­zie­rung sind die Pro­zes­se doku­men­tiert, wor­auf sich der Anwen­der aus dem Gesund­heits­we­sen und auch der Inver­kehr­brin­ger der Mehr­weg-Mas­ken beru­fen können.

Auch nor­ma­tiv wird der neu­en Pro­dukt­ka­te­go­rie Medi­zi­ni­sche Mehr­weg-Gesichts­mas­ken mehr Auf­merk­sam­keit geschenkt wer­den. Im Zuge der anste­hen­den Über­ar­bei­tung der DIN EN 14683, die bis­lang nur Ein­weg­ar­ti­kel umfasst, sol­len auch Mehr­weg-Mas­ken, die zugleich als auch als per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung die­nen, betrach­tet werden.