Elfrie­de Zieg­ler fragt: In unse­rem Pfle­ge­heim lei­det ein Bewoh­ner an einem bös­ar­ti­gem Tumor; sei­ne Pro­gno­se ist schlecht. Auf­grund der zum Teil dras­ti­schen Erfah­run­gen mit Che­mo­the­ra­peu­ti­ka möch­te er sich in sei­ner ver­blei­ben­den Lebens­pha­se nach eige­ner Aus­sa­ge „nicht mehr ver­gif­ten las­sen“. Gibt es die Mög­lich­keit ihm statt­des­sen die Ver­ord­nung homöo­pa­thi­scher Mit­tel anzu­bie­ten?

Ant­wort der Redak­ti­on: Die Beant­wor­tung die­ser Fra­ge­stel­lung ist vor­ran­gig medi­zi­ni­scher Natur, denn die Wahl der geeig­ne­ten The­ra­pie­form obliegt dem ärzt­li­chen Sach­ver­stand. Der Arzt muss – mit dem Ein­ver­ständ­nis des Pati­en­ten – die Ein­hal­tung der gewähl­ten Medi­ka­tio­nen garan­tie­ren.

Grund­sätz­lich ist zur Anwend­bar­keit von homöo­pa­thi­schen Mit­teln in der Pal­lia­tiv­me­di­zin fol­gen­des zu sagen: Homöo­pa­thi­sche Arz­nei­mit­tel wer­den in Deutsch­land kei­nem arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Zulas­sungs­ver­fah­ren unter­zo­gen, son­dern nur bei dem Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) regis­triert (§§ 38, 39 AMG). Das heißt, für die­se Mit­tel muss kein Wirk­sam­keits­nach­weis erbracht wer­den. Sie kön­nen ohne Anga­be von Wir­kun­gen und Anwen­dungs­ge­bie­ten in den Ver­kehr gebracht wer­den.

Hin­sicht­lich der Ver­ord­nungs- und Abrech­nungs­fä­hig­keit von Homöo­pa­thi­ka ist auf § 34 SGB V zu ver­wei­sen. Hier hat der Gesetz­ge­ber schon seit län­ge­rem die Mög­lich­keit eröff­net, dass Arz­nei­mit­tel aus The­ra­pie­rich­tun­gen abseits der Schul­me­di­zin gege­be­nen­falls zur Behand­lung in Betracht gezo­gen wer­den kön­nen. Zu die­sen beson­de­ren The­ra­pie­for­men wer­den die Phy­to­the­ra­pie, Antro­po­so­phie und auch die Homöo­pa­thie gezählt.

In den „Arz­nei­mit­tel-Richt­li­ni­en“ (AMR) des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) ist dem­zu­fol­ge die Ver­ord­nungs­fä­hig­keit der­ar­ti­ger Arz­nei­mit­tel nicht aus­ge­schlos­sen. Ins­be­son­de­re für schwer­wie­gen­de Erkran­kun­gen, das heißt wenn sie lebens­be­droh­lich sind oder wenn sie auf­grund der Schwe­re der durch sie ver­ur­sach­ten Gesund­heits­stö­rung die Lebens­qua­li­tät auf Dau­er nach­hal­tig beein­träch­tig­ten, ermög­licht die Richt­li­nie die Ver­ord­nung von homöo­pa­thi­schen Mit­teln. Dabei ist zum einen zu berück­sich­ti­gen, dass das Arz­nei­mit­tel dem aner­kann­ten The­ra­pie­stan­dard der Homöo­pa­thie für die­se Erkran­kung zu ent­spre­chen hat, und zum ande­ren der ver­ord­nen­de Arzt die zugrun­de lie­gen­de Dia­gno­se in der Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on als Begrün­dung fest­hält (vgl. Nr. 16.5 AMR).

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