Honorararzt in der Visite
Eine Tätig­keit als Hono­rarzt scheint für immer mehr Medi­zi­ner eine attrak­ti­ve Alter­na­ti­ve dar­zu­stel­len. Doch es gibt eini­ge Punk­te zu berück­sich­ti­gen.Stokkete/Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die hono­rar­ärzt­li­che Tätig­keit hat in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sowohl im ambu­lan­ten als auch im sta­tio­nä­ren Sek­tor eine rasan­te Ent­wick­lung erfah­ren. Die­ser Trend begann in Groß­bri­tan­ni­en und den USA bereits in den 1960er-Jah­ren.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig

Nicht zuletzt auf­grund der zuneh­men­den „Femi­ni­sie­rung“ des Arzt­be­rufs hat der Bedarf an fle­xi­ble­ren Arbeits­mo­del­len zuge­nom­men: Bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie spie­len mitt­ler­wei­le für Ärz­tin­nen wie Ärz­te eine wich­ti­ge­re Rol­le. Auch die Mög­lich­keit, sich des im Kran­ken­haus obli­ga­to­ri­schen Schicht­diens­tes „zu ent­le­di­gen“, stellt einen zusätz­li­chen Anreiz für eine Tätig­keit als Hono­rar­arzt dar. Die Beschrän­kung auf die rein ärzt­li­che Tätig­keit ohne einen gro­ßen Teil der Büro­kra­tie, wel­che natür­lich bei den Auf­trag­ge­bern ver­bleibt, macht einen zusätz­li­chen Reiz aus.

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Ein Trend, von dem letzt­end­lich bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren: Der Auf­trag­ge­ber kann indi­vi­du­ell nach sei­nen Bedürf­nis­sen ein­set­zen, was die Per­so­nal­pla­nung deut­lich fle­xi­bler gestal­tet. Der ein­ge­setz­te Arzt kann wie­der­um sei­ne Arbeits­zeit deut­lich bes­ser pla­nen und steu­ern.

Durch den Ein­satz von Spe­zia­lis­ten ver­schie­de­ner Fach­ge­bie­te kann in klei­ne­ren Kran­ken­häu­sern sogar die Repu­ta­ti­on des Hau­ses erhöht wer­den, denn die Hono­rar­ärz­te agie­ren im Namen der jewei­li­gen Kli­nik. Eine wei­te­re Mög­lich­keit, die zuneh­mend an Bedeu­tung gewinnt, ist der Ein­satz bei per­so­nel­len Eng­päs­sen bei­spiels­wei­se auf­grund von Krank­heit oder zur Schwan­ger­schafts­ver­tre­tung.

Doch die Hono­rar­arzt­tä­tig­keit hat auch Schat­ten­sei­ten: So wer­den die­se im Krei­se der Kol­le­gen durch­aus kri­tisch gese­hen, nicht zuletzt auf­grund des deut­lich höhe­ren Hono­rars im Ver­gleich zu den ange­stell­ten Kol­le­gen. Dar­über hin­aus ist der Ein­satz von Hono­rar­ärz­ten oft ein Zei­chen dafür, dass eine Fach­ab­tei­lung nicht rich­tig funk­tio­niert oder sogar lan­ge unter­be­setzt ist.

Honorararzt oder Konsiliararzt?

Für Ärz­te, die auf Hono­rar­arzt­ba­sis tätig wer­den, haben sich in der Ver­gan­gen­heit unter­schied­li­che Begriff­lich­kei­ten eta­bliert. Dies macht es mit­un­ter schwie­rig, die tat­säch­li­che Form der Koope­ra­ti­on fest­zu­ma­chen. Viel­fach ver­birgt sich hin­ter einem „Kon­si­liar­arzt­ver­trag“ tat­säch­lich ein Hono­rar­arzt­ver­trag.

Unter einem Hono­rar­arzt ver­steht man einen Arzt, der selbst­stän­dig, d.h. ohne eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Anstel­lung auf Hono­rar­ba­sis für ver­schie­de­ne Auf­trag­ge­ber sei­ne ärzt­li­che Leis­tung anbie­tet.

Die kon­si­li­ar­ärzt­li­che Tätig­keit hin­ge­gen bezieht sich auf eine pati­en­ten­be­zo­ge­ne Bera­tung durch einen Fach­arzt. Oft wird die Zuhil­fe­nah­me von spe­zi­el­lem Know-how durch „Spe­zia­lis­ten“ not­wen­dig, wenn Kli­ni­ken nicht über eige­ne Fach­ärz­te ver­fü­gen. Kon­si­li­ar­ärz­te wer­den – nor­ma­ler­wei­se – ledig­lich rein dia­gnos­tisch tätig, erbrin­gen kei­ner­lei Kern­leis­tun­gen der Kli­ni­ken, wie z.B. etwai­ge Behand­lun­gen.

Pro­ble­ma­tisch sind die unein­heit­lich ver­wen­de­ten Begriff­lich­kei­ten für die hono­rar­ärzt­li­che Beschäf­ti­gung dann, wenn hier etwas ande­res ver­ein­bart wird, als klas­si­scher­wei­se auf­grund der Dekla­ra­ti­on zu erwar­ten wäre. Dies ist z.B. bei einer als „Kon­si­liar­arzt­ver­trag“ beschrie­be­nen Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung der Fall, die Leis­tun­gen beinhal­tet, wel­che mit klas­si­schen Kon­si­li­en nicht ver­gleich­bar sind, son­dern ori­gi­nä­re Auf­ga­ben der Kli­ni­ken dar­stel­len.

Wenn mit der Leistung auch die Haftung verschoben wird

Zudem fin­den sich immer häu­fi­ger Ver­ein­ba­run­gen, die Haf­tungs­ver­schie­bun­gen in Rich­tung der Hono­rar- bzw. Koope­ra­ti­ons­ärz­te vor­se­hen, die von den gesetz­li­chen Rege­lun­gen abwei­chen. Dies ist beson­ders dort der Fall, wo es sich über­schnei­den­de und nicht klar abzu­gren­zen­de Pflich­ten­krei­se zwi­schen Arzt und Kli­nik gibt. Grund­sätz­lich ist es immer rat­sam, sol­che ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen gewis­sen­haft, mög­lichst juris­tisch, prü­fen zu las­sen und hier­bei auch den eige­nen Berufs­haft­pflicht-Ver­si­che­rungs­schutz mit ein­zu­be­zie­hen. Nur so las­sen sich im Scha­den­fall böse Über­ra­schun­gen ver­mei­den.

HDI hält für honorarärztliche/konsiliarärztliche sta­tio­nä­re Tätig­kei­ten eine eige­ne Risi­ko­ana­ly­se vor, wel­che das Tätig­keits­spek­trum im Hin­blick auf den not­wen­di­gen Ver­si­che­rungs­schutz abfragt. Auf die­ser Basis fin­det dann eine indi­vi­du­el­le Prü­fung des not­wen­di­gen Ver­si­che­rungs­um­fangs statt. So ist ein maß­ge­schnei­der­ter Ver­si­che­rungs­schutz gewähr­leis­tet.