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Eine nie­der­ge­las­se­ne Der­ma­to­lo­gin und All­er­go­lo­gin hat­te dage­gen geklagt, dass sie gegen ihren Wil­len in dem Arzt­su­che- und Arzt­be­wer­tungs­por­tal www.jameda.de ein­ge­tra­gen ist, da sie sich ande­ren Pro­fi­len gegen­über benach­tei­ligt sah. Nach­dem das Land­ge­richt Köln die Kla­ge abge­wie­sen und die Beru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt Köln erfolg­los blieb, wur­de kürz­lich mit­ge­teilt, dass die Revi­si­on gegen­über dem Bun­des­ge­richts­hof (BGH) zuge­las­sen wur­de. Seit­her wur­de gespannt auf die Ent­schei­dung aus Karls­ru­he gewartet.

Der Sachverhalt

Auf dem Inter­net­por­tal jame­da kön­nen Infor­ma­tio­nen über Ärz­te und eine ent­spre­chen­de Bewer­tung abge­ru­fen wer­den. Nut­zern soll es bei der Suche nach einem Arzt in ihrer Umge­bung hel­fen. Ärz­te wer­den dabei ent­we­der mit einem kos­ten­frei­en Basis­pro­fil oder aber mit einem bezahl­ten Pre­mi­um-Pro­fil prä­sen­tiert. Zu den Basis­da­ten zäh­len Name, der aka­de­mi­sche Grad, die Fach­rich­tung und die Pra­xis­an­schrift sowie wei­te­re Kon­takt­da­ten und Sprech­zei­ten. Bei einem bezahl­ten Account hin­ge­gen wird das Pro­fil zusätz­lich mit einem Foto sowie mit wei­te­ren rele­van­ten Infor­ma­tio­nen ver­se­hen. Außer­dem wer­den bezahl­te Pro­fi­le als Alter­na­tiv­vor­schlä­ge ange­zeigt, wenn sich ein Nut­zer auf einem Basis­pro­fil befin­det. Umge­kehrt wer­den aller­dings auf Pre­mi­um-Pro­fi­len kei­ne Basis­pro­fi­le als Alter­na­ti­ve ein­ge­blen­det – was letzt­lich ent­schei­dend für das BGH-Urteil war.

Die Klä­ge­rin ver­lang­te, dass ihr Basis­pro­fil, das gegen ihren Wil­len auf jame­da abge­legt war, voll­stän­dig gelöscht wird und hat­te nun in drit­ter Instanz Erfolg mit ihrem gericht­li­chen Vorgehen.

Dem Urteil (Az.: VI ZR 30/17) des BGH zufol­ge, sind nach § 35 Absatz 2 Satz 2 Nr. 1 BDSG „per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zu löschen, wenn ihre Spei­che­rung unzu­läs­sig ist“ – was hier offen­bar der Fall gewe­sen ist. Dadurch, dass der jame­da-Trä­ger die Sei­te so aus­rich­tet, dass umge­kehrt auf den bezahl­ten Pro­fi­len kei­ne Alter­na­tiv­vor­schlä­ge der ört­li­chen Kon­kur­ren­ten gemacht wer­den, han­delt es sich bei dem Por­tal um kei­nen „neu­tra­len Infor­ma­ti­ons­mit­t­ler“ mehr, erklär­te der BGH in der Pres­se­mit­tei­lung. In die­sem Fall stan­den sich das Grund­recht der Mei­nungs- und Medi­en­frei­heit des jame­da-Trä­gers und das Recht der Klä­ge­rin auf Schutz ihrer per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten bezie­hungs­wei­se ihr Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gegen­über. Wegen man­geln­der Neu­tra­li­tät des jame­da-Por­tals konn­te sich der Trä­ger auch nur bedingt auf sein Recht der Mei­nungs- und Medi­en­frei­heit beru­fen. Aus die­sem Grund hat der BGH ent­schie­den, dass das Pro­fil der Ärz­tin auf ihr Ver­lan­gen hin gelöscht wer­den muss. Grund­sätz­lich sind Por­ta­le, bei denen Ärz­te von Pati­en­ten bewer­tet wer­den, jedoch wei­ter­hin zulässig.

jameda listet nach wie vor alle Ärzte Deutschlands

Dar­auf hat­te auch jame­da nach Abschluss der Ver­hand­lun­gen in einer Pres­se­mit­tei­lung noch­mals aus­drück­lich hin­ge­wie­sen und erklärt, dass das Wer­ben bezahl­ter Pro­fi­le auf Basis­pro­fi­len nach dem BGH-Urteil ein­ge­stellt wor­den ist: „Wir begrü­ßen, dass die Bun­des­rich­ter noch­mals bestä­tig­ten, dass eine Spei­che­rung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten mit einer Bewer­tung der Ärz­te durch Pati­en­ten grund­sätz­lich zuläs­sig ist und dem Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis der All­ge­mein­heit damit ein hoher Stel­len­wert ein­ge­räumt wird. Aus dem­sel­ben Grund setzt sich jame­da für voll­stän­di­ge Arzt­lis­ten ein und hat die Anzei­gen auf Arzt­pro­fi­len, die Grund für das Urteil waren, nach Vor­ga­ben der Bun­des­rich­ter mit sofor­ti­ger Wir­kung ent­fernt.“ Ärz­te müs­sen sich ein sol­ches Wer­ben also grund­sätz­lich nicht gefal­len las­sen, lis­ten und durch Nut­zer bewer­ten las­sen darf man sie aller­dings nach wie vor.

Quel­le: BGH