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Sepsisforschung
Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen am Universitätsklinikum Jena erhält weitere 24 Millionen Euro Förderung vom BMBF.M. Szabo/UKJ

Wegen der Sepsisforschung ist Sina Coldewey ans Universitätsklinikum Jena gekommen: Die Anästhesistin führt neben dem medizinischen einen naturwissenschaftlichen Doktortitel, sie arbeitet als Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und leitet zusammen mit weiteren Wissenschaftlern ein Projekt im CSCC. „Mich haben die Forschungsmöglichkeiten zu Sepsis und Organversagen gereizt und die gute Vereinbarkeit von ärztlicher und wissenschaftlicher Tätigkeit“, begründet Sina Coldewey ihren Wechsel nach Jena.

Ein starkes Netzwerk im Bereich Sepsisforschung

„Das CSCC hat sich zu einem leistungsfähigen und international sichtbaren Forschungszentrum entwickelt, das wichtige Impulse für die Nachwuchsförderung in der klinischen Forschung und für neue Organisationsformen in der Hochschulmedizin setzt“, betont Prof. Dr. Michael Bauer. Der Sprecher des CSCC kann auf eindrucksvolle Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre verweisen. Von Abschlussarbeiten bis hin zu multizentrischen klinischen Studien realisierten die knapp 200 CSCC-Mitglieder rund 100 wissenschaftliche Projekte, deren Ergebnisse in 400 Fachartikeln veröffentlicht wurden und sogar zu zwei Ausgründungen führten.

Die Grundlage für diese Erfolge bildete das starke Forschungsnetzwerk im Bereich der Infektionsmedizin und klinischen Sepsisforschung an Universität, Klinikum und den Leibniz-Instituten in Jena, das um die Expertise auf den Gebieten Infektionsbiologie, Biophotonik und Nanomedizin erweitert wurde. Michael Bauer: „Das CSCC wird als interdisziplinäre Heimat für Sepsisforschung anerkannt.“ Neben der BMBF-Förderung der ersten Runde unterstützten die Medizinische Fakultät und der Freistaat das CSCC mit Infrastrukturmaßnahmen.

Beobachtungsstudie mit 3.000 Patienten

Die Professur für Klinische Epidemiologie hat seit knapp zwei Jahren André Scherag inne. Mit seiner Arbeitsgruppe bietet er methodische Unterstützung für die Projekte der im August gestarteten zweiten Förderphase, für die das BMBF erneut 24 Millionen Euro bereitstellt. „Als Core Unit sind wir beteiligt an Planung und Design von Studien und Experimenten, sowie an der statistischen Auswertung mit Methoden, die so oft nicht in Standardsoftwarelösungen enthalten sind“, beschreibt André Scherag den Beitrag der Epidemiologie.

Dazu kommt als eigenständiges Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Konrad Reinhart im CSCC der Aufbau einer Mitteldeutschen Sepsiskohorte als langfristig angelegte Beobachtungsstudie, die von der Klinik Bavaria Kreischa finanziell unterstützt wird. „Geplant ist, 3.000 Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock von der Intensivstation ausgehend über Jahre zu begleiten und systematisch nachzuuntersuchen. Diese Daten über die post-akute Phase sollen bessere Langfristprognosen und damit individualisierte Therapie und Rehabilitation ermöglichen.“

Durchlässige Gefäßwände behindern Versorgung der Organe

Das jetzt in Angriff genommene Forschungsprogramm des CSCC 2.0 gliedert sich in vier Bereiche: schwer behandelbare Infektionen, neue Strategien für antimikrobielle Therapien, gezieltes Vorgehen gegen Organversagen und Spätfolgen der Sepsis. Unter den 21 Kernprojekten sind allein acht klinische Studien. In einem der klinisch-experimentellen Projekte untersucht Sina Coldewey in einem Team von Wissenschaftlern und Ärzten die Schädigung der Blutgefäßwände, die durch die systemische Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion verursacht wird.

„Durch die geschädigten Gefäßwände kommt es zu einer erhöhten Durchlässigkeit und einer Flüssigkeitseinlagerung ins Gewebe. Dieser Prozess trägt maßgeblich dazu bei, dass die Organe beim septischen Schock nicht mehr ausreichend versorgt werden“, erklärt die Ärztin die Störung der Gefäßbarriere. „Wenn es uns gelingt, diese Gefäßschäden frühzeitig festzustellen und ihre Entstehung weiter aufzuklären, können wir Strategien entwickeln, welche die Barrierefunktion der Gefäßwände und damit auch die Organfunktion unserer Patienten verbessern könnten“, so Sina Coldewey.