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Kunstherz
Röntgen­bild nach Kunst­herz­im­plan­ta­tionBild: 7asmin/Wikimedia Commons

Um Kompli­ka­tio­nen, wie etwa Schlag­an­fälle, vorzu­beu­gen und akut zu behan­deln, sollten Kunst­herz-Patien­ten jedoch immer auch von einem Neuro­lo­gen nachbe­treut werden, fordert die Deutsche Gesell­schaft für Klini­sche Neuro­phy­sio­lo­gie und Funktio­nelle Bildge­bung (DGKN). Insbe­son­dere liefere eine Ultra­schall­un­ter­su­chung des Gehirns wichtige Infor­ma­tio­nen über das Funktio­nie­ren des Implan­tats und das Schlag­an­fall­ri­siko, so die Experten.

Etwa jeder zehnte Kunst­herz-Patient erlei­det einen Schlag­an­fall. „Um diese Zahl zu senken, sollten Neuro­lo­gen in die Nachbe­hand­lung der Patien­ten frühzei­tig einbe­zo­gen werden“, sagt Profes­sor Dr. med. Mario Siebler, Chefarzt der Fachkli­nik für Neuro­lo­gie an der MediClin Fachkli­nik Rhein/Ruhr in Essen, der sich in einer kürzlich publi­zier­ten Studie in der „Klini­schen Neuro­phy­sio­lo­gie“ (Georg Thieme Verlag, Stutt­gart) mit dem Thema befasst hat. Insbe­son­dere der Hirn-Ultra­schall sei ein wichti­ges Instru­ment, um Risiken recht­zei­tig zu erken­nen. „Bisher findet die Nachbe­treu­ung von Kunst­herz-Patien­ten noch ausschließ­lich beim Kardio­lo­gen statt, der eine solche Unter­su­chung nicht durch­füh­ren kann“, so Siebler.

Denn die Unter­su­chung erfor­dert spezi­el­les Wissen: „Herzun­ter­stüt­zungs­sys­teme verän­dern Sonogra­fie­be­funde und erschwe­ren die Diagnose zum Beispiel von Gefäß­ver­en­gun­gen nach üblichen Krite­rien“, erklärt der DGKN-Experte. Vielen Neuro­lo­gen, die bisher wenig mit Kunst­herz-Patien­ten zu tun hatten, fehlen die Kennt­nisse, um die verän­der­ten Befunde auszu­wer­ten. Sie könnten jedoch entschei­dende Hinweise geben, ob die Blutzir­ku­la­tion im Gehirn durch die Pumpe die optimale Leistung bringt. Ultra­schall­in­for­ma­tio­nen bei Betrof­fe­nen sind auch deshalb von beson­de­rer Bedeu­tung, da für sie eine Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT) nicht in Frage kommt: Die starken Magnete könnten einen Ausfall der künst­li­chen Pumpe verursachen.

Kunst­her­zen hatten ursprüng­lich nur die Funktion, die Zeit bis zu einer Trans­plan­ta­tion zu überbrü­cken. Aller­dings reichen die zur Verfü­gung stehen­den Spender­or­gane bei weitem nicht mehr aus. Zudem bietet der Markt inzwi­schen immer kleinere und robuste Herzun­ter­stüt­zungs­sys­teme an. Daher nimmt ihre Bedeu­tung als dauer­hafte Lösung zu: Gab es 1996 insge­samt gut 1500 Menschen mit einem Kunst­herz, sind es jetzt pro Jahr knapp 1000 neue Patien­ten. Beson­ders häufig einge­setzt werden links­ven­tri­ku­läre Unter­stüt­zungs­sys­teme (LVAD); sie pumpen das Blut von der linken Herzkam­mer in die Aorta. Ein VAD-System besteht im Wesent­li­chen aus einer implan­tier­ten Pumpe, sowie einer Steuer­ein­heit und einem Akku.

Die DGKN bietet in Zusam­men­ar­beit mit der Deutschen Gesell­schaft für Ultra­schall in der Medizin (DEGUM) eine Ausbil­dung für die neuro­lo­gi­sche Ultra­schall­dia­gnos­tik an. „Um das Risiko für neuro­lo­gi­sche Kompli­ka­tio­nen wie einen Schlag­an­fall bei Kunst­herz-Patien­ten zu erken­nen und den Insult zu behan­deln, ist ein Neuro­loge mit diesen Ultra­schall­kennt­nis­sen unver­zicht­bar“, betont Siebler.