Frank Ulrich Montgomery, Heiko Maas
Frank Ulrich Mont­go­me­ry (l.) und Hei­ko Maas (r.)Wiki­me­dia Com­mons; Frank Nürn­ber­ger

Anlass ist das von der Bun­des­re­gie­rung geplan­te Gesetz zur wei­te­ren straf­recht­li­chen Regu­lie­rung der Ster­be­hil­fe. Nach der Som­mer­pau­se sol­len hier­zu die par­la­men­ta­ri­schen Debat­ten im Bun­des­tag auf­ge­nom­men wer­den, mit einer Ver­ab­schie­dung des Geset­zes ist jedoch nicht vor 2015 zu rech­nen. Ein bereits vor­lie­gen­der Ent­wurf sieht das Ver­bot einer orga­ni­sier­ten Ster­be­hil­fe vor. Dane­ben wur­den aber auch mög­li­che Aus­nah­me­tat­be­stän­de für Medi­zi­ner in die Dis­kus­si­on gewor­fen.

Wäre die Bei­hil­fe zum Sui­zid eine ärzt­li­che Auf­ga­be, so Mont­go­me­ry, dann müs­se sie nach den Regeln der ärzt­li­chen Kunst erle­digt wer­den. Die damit ver­bun­de­nen Kon­se­quen­zen wol­le er sich gar nicht aus­ma­len, erklär­te der BÄK-Prä­si­dent in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung: „Am Ende gäbe es noch eine Abrech­nungs­zif­fer für Bei­hil­fe zum Selbst­mord. Nein, das ist Tötung auf Ver­lan­gen, und die ist falsch, sie ver­stößt gegen ärzt­li­che Ethik. Und das alles will ich nicht.“

Die orga­ni­sier­te Ster­be­hil­fe lehnt Mont­go­me­ry eben­falls ab. Der Wunsch, aus dem Leben zu schei­den, ent­ste­he meist in einer aku­ten Not­la­ge. Die meis­ten Men­schen wüss­ten zu wenig von den vie­len medi­zi­ni­schen Mög­lich­kei­ten zur Beglei­tung Ster­ben­der. „Da müs­sen wir anset­zen und Hil­fe zum Leben geben, nicht Hil­fe zum Ster­ben. Des­we­gen bin ich grund­sätz­lich gegen sol­che Orga­ni­sa­tio­nen. Wir brau­chen hier, aber auch nur hier eine recht­li­che Prä­zi­sie­rung: das Ver­bot der orga­ni­sier­ten Bei­hil­fe zum Selbst­mord“, so Mont­go­me­ry.

Die aktu­ell dis­ku­tier­te straf­recht­li­che Rege­lung für Ärz­te könn­te nach Ansicht Mont­go­me­rys zulas­ten der Pati­en­ten gehen. „Wür­den wir jetzt über das Berufs­recht hin­aus­ge­hen, bestün­de die Gefahr, dass wir die Pal­lia­tiv­me­di­zin in den Bereich des Straf­rechts rücken. Wir wür­den dann ris­kie­ren, dass der Mut zu einer inten­si­ven Schmerz­the­ra­pie und einer inten­si­ven pal­lia­ti­ven Sedie­rung wie­der sin­ken wür­de. Daher glau­be ich, dass das Stan­des­recht hier aus­reicht. Es gibt kei­nen Grund für eine straf­recht­li­che Regu­lie­rung“, stell­te Mont­go­me­ry klar. Er warn­te vor den mög­li­chen gesell­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen des assis­tier­ten Sui­zids: „Ein­mal auf die schie­fe ethi­sche Ebe­ne gelangt, kann ein ver­meint­lich indi­vi­du­el­les Recht durch gesell­schaft­li­chen Druck zur Pflicht wer­den.“

Justizminister begrüßt breite gesellschaftliche Debatte

Der­weil wird im poli­ti­schen Ber­lin dar­über gestrit­ten, ob im Fal­le einer Geset­zes­ab­stim­mung der Frak­ti­ons­zwang auf­ge­ho­ben wer­den sol­le oder nicht. Für Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD), ist das The­ma Ster­be­hil­fe eine klas­si­sche Gewis­sens­ent­schei­dung. In einem Gespräch mit der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung sprach sich Maas zudem für eine brei­te Debat­te über die Frak­ti­ons­gren­zen hin­weg aus.

Gegen­wind gibt es von Kabi­netts­kol­le­gen Her­mann Grö­he (CDU). Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter setzt sich dafür ein, jede Form geschäfts­mä­ßi­ger Hil­fe zur Selbst­tö­tung zu ver­bie­ten. Unter­stüt­zung erhält Grö­he vom Uni­ons­frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Vol­ker Kau­der (CDU). Dem­ge­gen­über sprach sich CDU-Poli­ti­ker Peter Hint­ze für eine ärzt­li­che Unter­stüt­zung beim Ster­ben in schwers­ten Lei­dens­si­tua­tio­nen aus.