Pflegebonus
Bald auch für Ärzte? Der Pflege­bo­nus.Bild: kalhh/pixabay.com

Die Diskus­sio­nen um den Corona-Bonus für Pflege­kräfte gehen weiter. Anfang Januar hatte Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD) betont, dass der geplante Pflege­bo­nus nur Pflegen­den zukom­men sollte, die in der Pande­mie überdurch­schnitt­lich belas­tet gewesen seien. Seitdem sorgt diese Aussage immer wieder für Diskussionen.

Marbur­ger Bund will Pflege­bo­nus für Ärzte

In einem Inter­view mit dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land hatte Susanne Johna, Vorsit­zende des Marbur­ger Bundes, gefor­dert, den Pflege­bo­nus auch an Ärztin­nen und Ärzte zu zahlen. Diese seien mit der Versor­gung der Patien­ten genauso belas­tet wie das Pflege­per­so­nal. Es gebe keinen Grund, die Auszah­lung auf Pflege­kräfte auf Inten­siv­sta­tio­nen zu beschränken.

Auch die Berli­ner Ärzte­kam­mer hatte die Beschrän­kung des Bonus bemän­gelt. Peter Bobbert, Präsi­dent der Ärzte­kam­mer Berlin, wies darauf hin, dass auch Medizi­ni­sche Fachan­ge­stellte (MFA) sowie Ärztin­nen und Ärzte in der Pande­mie erbrin­gen. Beson­ders die Praxis­mit­ar­bei­ten­den seien hohen Belas­tun­gen ausgesetzt.

Kritik auch vom Deutschen Pflegerat

Aber nicht nur Ärzte­ver­bände kriti­sie­ren den Pflege­bo­nus. Auch vom Deutschen Pflegerat kommt Kritik. Pflegerats­prä­si­den­tin Chris­tine Vogel sieht den Bonus als „Abspei­sung“ der Pflege­kräfte. Außer­dem werde die Begren­zung auf bestimmte Gruppen für Unfrie­den sorgen. Es sei völlig abwegig, heraus­fin­den zu wollen, wer die höchste Belas­tung habe. Statt eines einma­li­gen Bonus benötig­ten Pflegende dauer­hafte Verbesserungen.

Je mehr Empfän­ger, desto gerin­ger der Bonus?

Fest steht: Für den Bonus soll die Summe von einer Milli­arde Euro vom Bund bereit­ge­stellt werden. Bei der Summe von 3.000 Euro, die aktuell im Gespräch ist, können hier sehr viele Pflegende bedacht werden. Trotz­dem: Die Summe ist zwar sehr groß, aber sie ist endlich. Und es ist nicht verwun­der­lich, dass viele Pflegende Angst haben, dass der zugesagte Bonus noch vor der Auszah­lung klein­ge­rech­net wird.

Denn es geht nicht nur um Geld. Es geht wieder einmal um eine Form der Anerken­nung für die Pflege. Um die Anerken­nung der Tatsa­che, dass die Pflege schon vor Corona am Limit war und sich diese Lage weder durch das Klatschen auf Balko­nen noch durch den ersten Pflege­bo­nus geändert hat. Es ist weder Pflegen­den noch Ärzten und Ärztin­nen gegen­über fair, ihre Überlas­tung gegen­ein­an­der auszuspielen.

Besser wäre es gewesen, ein stehen­des Konzept für die Umset­zung des Pflege­bo­nus zu haben, noch bevor er Ende letzten Jahres zugesagt wurde. Denn die Diskus­sio­nen über die Umset­zung der Auszah­lung erzeu­gen im Moment genau die Unzufrie­den­heit, die sie eigent­lich verhin­dern sollen.