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Grund­la­gen und aktuelle Entwick­lun­gen in der Kompres­si­ons­the­ra­pie waren Inhalt eines praxis­na­hen Workshops, der im Rahmen des 14. Gesund­heits­pflege-Kongres­ses in Hamburg statt­fand.Bild: MDI

Die Mitglie­der der Exper­ten­gruppe des Starn­ber­ger Medical Data Insti­tute (MDI) gaben zunächst eine Einfüh­rung in die theore­ti­schen Grund­la­gen der Kompres­si­ons­the­ra­pie. Anschlie­ßend hatten die Teilneh­mer, darun­ter sowohl erfah­rene Pflege­fach­kräfte, als auch Kranken­pfle­ge­schü­ler, die Gelegen­heit in einem praxis­na­hen Workshop den Umgang mit Kurzzug­bin­den einzu­üben und sich mit aktuel­len Versor­gungs­mög­lich­kei­ten vertraut zu machen.

Vorweg: Die recht­li­chen Entwick­lun­gen in der Pflege

Profes­sor Dr. Volker Großkopf, der den Workshop moderierte, erläu­terte die aktuel­len recht­li­chen Entwick­lun­gen, die das Berufs­feld der Pflege in beson­de­rer Weise berüh­ren. Er wies darauf hin, dass Pflege­fach­kräfte seit dem 1. Juli 2016 zu den durch das neue Anti-Korrup­ti­ons­ge­setz betrof­fe­nen Berufen gehören.

Der Kölner Jurist sieht zudem die Pflege im Spannungs­feld zwischen der Akade­mi­sie­rung dieses Berufs­bil­des, mit der neue Verant­wort­lich­kei­ten einher­ge­hen und der gesetz­li­chen Entwick­lung, insbe­son­dere hinsicht­lich der haftungs­recht­li­chen Situa­tion. „Das Risiko steckt im Detail“, so mahnte Großkopf. Rechts­si­cher­heit bieten evidenz­ba­sierte Leitli­nien und Standards, die auf dem aktuel­len Stand der Wissen­schaft gründen und von denen nur mit guter Begrün­dung abgewi­chen werden sollte.

In der Antike ging es los

Die heuti­gen etablier­ten Kennt­nisse zur Kompres­si­ons­the­ra­pie bauen auf antiken Erkennt­nis­sen auf, so Prof. Dr. Joachim Disse­mond. Der römische Arzt Galen definierte bereits Prinzi­pien der Verband­wick­lung. Dass ein Verband Schmer­zen vermei­den, richtig sitzen und gefäl­lig ausse­hen, dabei aber schnell anzule­gen sein sollte, gilt im Wesent­li­chen auch heute noch, so der Essener Derma­to­loge. Mit der Entwick­lung elasti­scher Binden machte die Kompres­si­ons­the­ra­pie fast zwei Jahrtau­sende nach Galen den Schritt in die Moderne. Die Namen der Pioniere, wie Heinrich Fischer, Gustav Pütter oder Karl Sigg, sind auch heute noch als Namens­ge­ber bestimm­ter Banda­gie­rungs­tech­ni­ken in der Kompres­si­ons­the­ra­pie vertraut.

Welche Anlage­tech­nik zur Erstel­lung eines phlebo­lo­gi­schen Kompres­si­ons­ver­bands verwen­det wird, ist nicht entschei­dend, so Kerstin Protz, Projekt­ma­na­ge­rin Wundfor­schung am Univer­si­täts­kli­ni­kum Hamburg-Eppen­dorf (UKE). Entschei­dend für den Erfolg der Thera­pie ist, dass der Anwen­der die gewählte Technik sicher beherrscht und die Entstau­ungs­si­tua­tion regel­mä­ßig überprüft. „Unsach­ge­mäße Kompres­si­ons­ban­da­gie­run­gen gefähr­den nicht nur den Thera­pie­er­folg, sie mindern auch die Akzep­tanz des Patien­ten“, mahnte Protz an: „Sie gefähr­den also die Therapieadhärenz.“

Praxis­nahe Übungen zur Kompressionstherapie

Im nun folgen­den Praxis­teil des Workshops, stellte Protz zunächst die Prinzi­pien und die Materia­lien der Kompres­si­ons­the­ra­pie vor. Die Teilneh­mer sortier­ten sich dann paarweise und legten sich gegen­sei­tig gemäß der erläu­ter­ten Grund­sätze Banda­gie­run­gen mit Kurzzug­bin­den und Unter­pols­te­rung an.

Evidenz­ba­sierte Leitli­nien und Standards definie­ren einen thera­piere­le­van­ten Druck von etwa 40–60 mmHg zur Kompres­si­ons­the­ra­pie bei Ulcus cruris venosum. Der Kompres­si­ons­druck sollte bei Anlage mit Kurzzug­bin­den zwischen 50 und 60 mmHg liegen, denn eine Kompres­si­ons­ban­da­gie­rung gibt bei Bewegung rasch nach.

Während der prakti­schen Übung wurde der erzeugte Druck unter­halb der Kompres­si­ons­an­lage durch ein Messge­rät ermit­telt. Zudem bewer­te­ten die Teilneh­mer die Erfül­lung der „galeni­schen Prinzi­pien“, also Ausse­hen und Trage­kom­fort der ferti­gen Kompres­si­ons­ban­da­gie­run­gen. Ergän­zend bestand Gelegen­heit, sich über die neuar­tige Versor­gungs­op­tion der adapti­ven Kompres­si­ons­ban­dage zu infor­mie­ren. Hierbei handelt es sich um Manschet­ten, die mit Klett­ver­schlüs­sen am Bein befes­tigt werden und es ermög­li­chen, den Kompres­si­ons­druck mit Hilfe einer Messscha­blone indivi­du­ell einzustellen.

Fortset­zung der Reihe geplant

„Theorie und Praxis der Kompres­si­ons­the­ra­pie“ setzte die erfolg­rei­che Workshopreihe des Medical Data Insti­tute auf dem 14. Gesund­heits­pflege-Kongress in Hamburg fort. Die zahlrei­chen Teilneh­mer bekamen Einblick in die medizi­ni­sche, die pflege­ri­sche und die recht­li­che Perspek­tive und setzten ihre Kennt­nisse unmit­tel­bar in einer prakti­schen Übung um. Die Workshopreihe des MDI, die im Jahr 2017 auf den großen natio­na­len Kongres­sen und Fachta­gun­gen fortge­setzt wird, fokus­siert somit auf praxis­be­zo­ge­ner Vermitt­lung aktuel­ler Kennt­nisse und Fertigkeiten.

Quelle: Jan Hinnerk Timm/MDI