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Proteste
Leo­nie Kai­ser (24)Bild: Alex­an­der Meyer-Köring
  • Leo­nie Kai­ser (24), Pfle­ge­fach­kraft in der Ausbildung

„Ich bin im letz­ten Aus­bil­dungs­jahr zur Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin und habe jetzt schon ein paar Jah­re Pfle­ge mit­ge­macht. Ich bin hier, weil ich gehört wer­den möchte!

Ich fin­de mei­nen Beruf unglaub­lich wich­tig und glau­be dass das hier ohne uns nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Die Pan­de­mie hat gezeigt, wie wich­tig wir sind. Seit Jahr­zehn­ten wer­den wir nicht gehört, aber brau­chen tut uns jeder. Ich möch­te wert­ge­schätzt wer­den für das was ich tue, weil ich ihn mit Lei­den­schaft mache, ich lie­be die­sen Beruf und blei­be da auch drin. Aber dafür muss sich was ändern.

Alle müs­sen wis­sen, was wir für die Gesell­schaft wirk­lich bedeu­ten. Ich möch­te ernst genom­men wer­den. Das heisst auch, mehr Geld ver­die­nen. Ich arbei­te im Schicht­dienst, 12 Tage durch und dann habe ich drei Tage frei. Wenn ich sehe, dass ein Assis­tenz­arzt 60.000 Euro im Jahr ver­dient, dann erhal­ten wir ein­deu­tig zu wenig für das, was wir da alles leisten.

Und auch die Umstän­de pas­sen nicht. Wenn ich allei­ne nachts 30 Pati­en­ten ver­sor­gen muss – das kann ich als ein­zel­ne Per­son gar nicht leis­ten – dann ist das ein­fach nur kri­mi­nell! Ich fin­de es nicht in Ord­nung, dass wir mit Leben spie­len. Ich möch­te gehört wer­den, ich will so nicht arbeiten.“

Proteste
Ste­phan Neu­mai­er (51)Bild: Alex­an­der Meyer-Köring
  • Ste­phan Neu­mai­er (51), Pflegepädagoge:

„Ich sehe die­se Initia­ti­ve als das genau rich­ti­ge an zu die­sem Zeit­punkt, so wie der Bochu­mer Bund auch. Alle drei Säu­len sind wich­tig: eine Gewerk­schaft, eine Pfle­ge­kam­mer und auch Berufs­ver­bän­de. Alles wird benö­tigt, um aus dem Schla­mas­sel, den wir ja in der Pfle­ge haben, her­aus zu kom­men. Die Pro­ble­ma­tik ist ein Mix aus vie­len Din­gen, jedoch ist die Fremd­be­stim­mung ein ganz, ganz wich­ti­ger Punkt.

Es ist ja – Stand heu­te – bewie­sen, dass die Poli­tik immer ver­sagt hat, wenn es dar­um ging, Pfle­ge­po­li­tik zu gestal­ten. Und das muss sich ändern, Stich­wort Fremd­be­stim­mung! Dazu muss man die Pfle­gen­den sel­ber fra­gen und die Exper­ti­se nut­zen, die da ist. Und die ist ja groß. Aber sie wird nicht gehört.“

Proteste
Vera Ubben (34), links, Kin­der­kran­ken­schwes­terBild: Alex­an­der Meyer-Köring
  • Vera Ubben (34), Kinderkrankenschwester

„Es muss in der Kin­der­kran­ken­pfle­ge etwas pas­sie­ren, die geht regel­recht unter. Seit 15 Jah­ren arbei­te ich bei ‚Wir für Pänz‘ in Köln und es wird immer mehr Per­so­nal abge­baut. Wir kön­nen nicht alle bedürf­ti­gen Fami­li­en unter­stüt­zen, weil schlicht kei­ne Pfle­ge­kräf­te da sind. Unser Büro muss regel­mäs­sig Absa­gen ertei­len, weil kein Per­so­nal da ist.

Ich fin­de auch, man soll­te die Pfle­ge­krä­fe nicht mehr zur Covid-Imp­fung zwin­gen, das trägt auch zur Mise­re bei. Ich bin geimpft, aber man­che Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen emp­fin­den das als Schlag ins Gesicht, das man sie dazu drängt nach allem, was in der Pan­de­mie pas­siert ist.

Ich lie­be mei­nen Beruf, unter­stüt­ze so ger­ne mei­ne Fami­li­en, damit auch die Zeit für­ein­an­der haben. Mehr Gehalt wäre toll. Für die Ver­ant­wor­tung sind wir deut­lich unter­be­zahlt. Denn wir arbei­ten mit Menschenleben.“

Proteste
Leo­nard Wenz (27)Bild: Alex­an­der Meyer-Köring
  • Leo­nard Wenz (27), Krankenpfleger

„Ich bin in der Kran­ken­pfle­ge, weil ich den Beruf ganz toll fin­de. Mei­ne Eltern sind auch bei­de Kran­ken­pfle­ger. Jetzt könn­te man den­ken: der Jun­ge macht das nur, weil die Eltern den Beruf ergrif­fen haben – aber dem ist nicht so! Mit den ein­fachs­ten Din­gen Men­schen hel­fen zu kön­nen, ist für mich sehr ergrei­fend. Das jeden Tag machen zu können.

Ich bin ein­fach auch ein sehr kom­mu­ni­ka­ti­ver Mensch und die­se Mischung aus erns­ten, bera­ten­den Gesprä­chen und locke­ren Gesprä­chen zwi­schen­durch – ich fin­de das einen klas­se Mix. Ich habe ein­fach gemerkt, dass es mei­ne Beru­fung ist. Den­noch: unter den der­zei­ti­gen Bedin­gun­gen fällt es manch­mal schwer.“