Die dramatische Situation der ambulanten Pflegeversorgung in Niedersachsen war besorgniserregend. Erst vor wenigen Wochen drohten Diakonie und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus der ambulanten Pflege auszusteigen. Auch die Landtagsfraktionen FDP und Grüne sowie die Pflegekammer Niedersachsen hatten sich bereits eingeschaltet mit dem Appell an die Landesregierung, tätig zu werden, damit aus dem Pflegenotstand keine Pflegekatastrophe werde.

Nun hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) Niedersachsen in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass Krankenkassen und die Vertretungen von Pflegediensten in Niedersachsen das Schiedsverfahren 2018 zur Häuslichen Krankenpflege beigelegt und sich bezüglich der Vergütung ambulanter Pflegeleistungen geeinigt haben.

Vorgesehen sind deutliche finanzielle Steigerungen der Leistungsvergütungen für die Häusliche Krankenpflege sowie der Wegpauschalen, die jeweils rückwirkend ab Beginn 2018 wirken. Das Ergebnis betrifft rund 200 Pflegedienste von AWO, Caritas, Diakonischem Werk kommunalen Sozialstationen, der sogenannten ACDK-Gruppe.

Sozialministerin Reimann sieht in Einigung ersten Schritt in richtige Richtung

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann bezeichnete die Einigung als „ersten Erfolg auf dem Weg zu gerechter Bezahlung“. Sie lobte vor allem den Schritt der Pflegekassen, die Tariflöhne voll zu refinanzieren. Die vereinbarte Erhöhung der Leistungsvergütungen reiche in ihren Augen zwar noch nicht aus, doch zumindest die augenblickliche Situation würde damit verbessert werden.

Auch die Anhebung der Wegpauschalen sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte sie. In diesem Zuge appellierte sie auch an die Bundesebene, auch dort für eine bessere Vergütung von Wegezeiten zu sorgen. Das Ziel sei, bekräftigte die Ministerin, dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung wohnen bleiben können und der Pflegeberuf so attraktiv ist, dass erfahrene Pflegekräfte ihn nicht verlassen sowie viele motivierte junge Menschen den Beruf ergreifen.