Textil
Über 85 Prozent der täglich anfal­len­den Texti­lien aus dem Gesund­heits- und Sozial­we­sen werden durch profes­sio­nelle externe Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men aufbe­rei­tetBild: DTV

Die Hygie­ne­stan­dards für die Aufbe­rei­tung von Wäsche aus dem Gesund­heits­we­sen werden seit dem Jahr 1986 durch das RAL-Hygie­ne­zeug­nis nach RAL-GZ 992/2 definiert und dienen den Klinik-Verant­wort­li­chen als Nachweis für die Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des Robert Koch-Insti­tuts bei der Vergabe von Wäsche an externe Wäschereien.

Diese Aspekte des Hygie­nema­nage­ments und der Prozess­va­li­die­rung können Textil­ser­vice­be­triebe zudem über die Zerti­fi­zie­rung gemäß der Europäi­schen Norm EN 14065 „RABC – Risiko­ana­lyse Biokon­ta­mi­na­tion“ darle­gen. In den tägli­chen Leistun­gen des Textil­ser­vice geht es um mehr als nur um Beschaf­fung und Bewirt­schaf­tung, oft wird auch ein großer Teil der klinik­in­ter­nen Leistungs­pro­zesse bis hin zur Bereit­stel­lung am Bett oder an der OP-Tür vom Dienst­leis­ter übernommen.

Bedarfs­ge­rechte Wäsche­ver­sor­gung im Vordergrund

Die neue RFID-Techno­lo­gie (Radio Frequency Identi­fi­ca­tion) hat das preis­sen­si­ble Geschäft des Textil­ser­vice revolu­tio­niert. Die hierdurch geschaf­fene Trans­pa­renz des texti­len Waren­stroms ist ein Schlüs­sel­fak­tor für die kunden­sei­tige Akzep­tanz von neuen Logis­tik- und Rechnungsmodellen.

Durch die Lebens­dau­er­kenn­zeich­nung von texti­len Artikeln mit RFID-Trans­pon­dern wird die Einzel­teil-Identi­fi­ka­tion von texti­len Artikeln an allen Finish-Statio­nen des Wäsche­rei­be­triebs und den Liefer- und Verbrauchs­stel­len der Kunden ermöglicht.

Seither sind Anzahl und Art der gelie­fer­ten Texti­lien automa­tisch, berüh­rungs­los und exakt identi­fi­ziert und das zu jedem Zeitpunkt. Inven­tur­er­geb­nisse, varia­ble Mietpreis­ge­stal­tun­gen, Schwund-Monito­ring und Restwert­be­rech­nung können nunmehr in die Wirtschaft­lich­keits­be­rech­nung mitein­be­zo­gen werden. Das hat erheb­li­chen Einfluss auf die Vertrags­ge­stal­tung von Dauer­lie­fer­ver­trä­gen, die nun ohne Sicher­heits­klau­seln auskom­men können.

Mehrweg auf dem Vormarsch

COVID-19 hat gezeigt, wie verletz­lich auch sicher geglaubte Versor­gungs­pro­zesse sind: Die rein wirtschaft­li­che Betrach­tung der Ausla­ge­rung von Herstel­lungs- und Trans­port­pro­zes­sen aus den angeb­lich lohnkos­ten­in­ten­si­ven Ländern greift im Krisen­fall zu kurz. Die Einkaufs­ab­tei­lun­gen der Kranken­häu­ser haben pande­mie­be­dingt vermehrt auf die regio­na­len Anbie­ter von Mehrweg-OP-Texti­lien zurückgegriffen.

Man hat erkannt, dass Mehrweg-Texti­lien im Gesund­heits­dienst hygie­ni­sche Sicher­heit auf nachhal­ti­gem Wege gewähr­leis­ten und durch die Müllver­mei­dung regio­nale Kreis­lauf­wirt­schaft fördern.

Für die Bedarfs­de­ckung einer Einrich­tung mit Mehrweg-OP-Texti­lien ist es dabei nicht unbedingt erfor­der­lich, dass jeder Dienst­leis­ter das komplette Textil­ser­vice-Portfo­lio im eigenen Betrieb erbringt.

Um der erhöh­ten Nachfrage nach Mehrweg-OP-Texti­lien überall gerecht werden zu können, haben sich quali­fi­zierte Partner zusam­men getan, um die spezi­el­len Infra­struk­tu­ren zur Aufbe­rei­tung von Medizin­pro­duk­ten bestmög­lich zu nutzen. Auf diesem Wege entste­hen intel­li­gente Kreislauf-Versorgungsmodelle.

Der Textil­ser­vice als quali­fi­zier­ter Ansprechpartner

Textil­ser­vice­un­ter­neh­men wissen aufgrund ihrer Einbin­dung und Güte- und Quali­täts­ma­nage­ment­sys­teme sehr viel über hygie­ni­sche Aspekte und Prozesse auch im Kundenumfeld.

Die offen­sive Kommu­ni­ka­tion dieser Exper­tise und das Koope­ra­ti­ons­an­ge­bot z.B. mit der Kranken­haus­hy­giene können zu einer engere Kunden­bin­dung auf Augen­höhe führen und ein guter Anknüpf­punkt für Anbie­ter von quali­fi­zier­ten Textil­ser­vice­leis­tun­gen sein.

Die wichtigs­ten Punkte der Diskussion:

  • Hygie­ne­ge­si­cher­tes Handling von Texti­lien bis zur Verbrauchsstelle
  • Lager­dauer von Texti­lien auf den Verbrauchsstellen
  • bedarfs­weise Aktua­li­sie­rung der Entsorgungspläne
  • Analyse von statis­tisch verdich­te­ten Realda­ten zum Berufs­klei­dungs-Wechsel­ver­hal­ten verschie­de­ner Berufs­grup­pen in versorg­ten Einrich­tun­gen zu Schulungs­an­ge­bo­ten zur Textil­hy­giene für KH-interne Lehrgänge für „Hygie­ne­be­auf­tragte“
  • Angebote für Betriebsbesichtigungen

Es gibt viele Möglich­kei­ten, die Quali­fi­ka­tio­nen in der Textil­ver­sor­gung in der tägli­chen Versor­gung sicht- und nutzbar werden zu lassen.

Nachhal­tig­keit und Klimaschutz

Die Textil­ser­vice-Betriebe nehmen ihre ökolo­gi­sche Verant­wor­tung seit vielen Jahren sehr ernst und gelten unter Exper­ten als nachhal­tig, weil sie in Kreis­läu­fen angelegt sind. Zum einen sorgen viele Abwas­ser­be­hand­lungs- und Einlei­tungs­vor­ga­ben heute schon für ein technisch sehr hohes Schutz­ni­veau, zum anderen werden in regio­na­len Wirtschafts­kreis­läu­fen moderne Gewebe­kon­struk­tio­nen aufbe­rei­tet, wie z.B. bei persön­li­cher Schutzausrüstung.

Durch den Fokus auf die Langle­big­keit der Texti­lien können die Aufbe­rei­tungs­pro­zesse als Leucht­turm­pro­jekte der Nachhal­tig­keit und Kreis­lauf­wirt­schaft gelten. Einzig in der öffent­li­chen Darstel­lung muss dies noch selbst­be­wuss­ter heraus­ge­stellt werden.

Gute Zukunfts­aus­sich­ten

Die bundes­weite Nachfrage nach statio­nä­ren Behand­lungs- und Pflege­leis­tun­gen wird in Kranken­häu­sern und Pflege­hei­men in den kommen­den Jahren weiter steigen. Ebenso dynamisch wachsen werden die ambulan­ten und häusli­chen Berei­che. Der Textil­ser­vice wird in all diesen Sekto­ren eine zentrale Bedeu­tung einnehmen.

Während die statio­nä­ren Berei­che zuneh­mend mit intel­li­gen­ten Ergän­zun­gen klassi­scher Dienst­leis­tungs­ele­mente versorgt werden, bieten die notwen­di­gen Leistungs­an­pas­sun­gen und logis­ti­schen Struk­tu­ren für die ambulan­ten und häusli­chen Berei­che ein weites Betäti­gungs­feld für innova­tive Dienst­leis­ter und ihre Geschäfts­mo­delle. Der Branchen­ver­band DTV berei­tet zusam­men mit der Hochschule Rhein-Waal die Studie „Health and Care textile 2035“ vor. Sie wird die hierfür markt­be­stim­men­den Fakto­ren identifizieren.

Sven Schöppe