„Deal: Politik handelt konse­quent und Pflegende fangen an, gut über die Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es begin­nen #gutezei­ten­für­die­pflege.“ Als der CDU-Politi­ker diesen Tweet postete, hatte er womög­lich nicht mit einer derar­ti­gen Kommen­tar­flut gerech­net, wie sie sich inner­halb kürzes­ter Zeit ausbreitete.

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Ja, es wird „gejam­mert“

Ein Blick auf die Kommen­tare der Pflege­kräfte lässt schnell erken­nen, wo der wunde Punkt liegt. Akuter Perso­nal­man­gel bei einer gleich­zei­tig immer größer werden­den Patien­ten­zahl, enormer Zeitdruck, schlechte Arbeits­be­din­gun­gen, die Zeit für das Mensch­li­che bleibt immer mehr auf der Strecke und zuletzt bleiben auch Anerken­nung und Wertschät­zung aus – sowohl finan­zi­ell als auch gesell­schaft­lich. So der Konsens, der sich aus der seit Jahren anklin­gen­den Kritik aus den Pflege­rei­hen und aus den Tweets abzeich­net. Das heißt aber auch, dass man dem CDU-Politi­ker Rüddel in einem Punkt recht geben muss: ja, es wird sich beklagt und dass der Pflege­be­ruf dadurch attrak­ti­ver wird, darf durch­aus angezwei­felt werden.

Die Feststel­lung, dass Pflegende in einem hohen Maß ihre Situa­tion bekla­gen, macht auch Prof. Dr. Angelika Zegelin in ihrem Kommen­tar „Raus aus dem Jammer­tal!“. In ihrer Position als gelernte Kranken­pfle­ge­rin und Wegbe­rei­te­rin der Pflege­wis­sen­schaf­ten in Deutsch­land darf man sich diese Beobach­tung aber auch erlau­ben. In ihren Vorträ­gen und Semina­ren hat sie extra immer Zeit für das gemein­same Klagen einge­plant. Sie weiß, dass die Arbeits­be­din­gun­gen für Pflegende tatsäch­lich unzumut­bar sind, das Einstel­len von Zufrie­den­heit erscheint unter diesen Voraus­set­zun­gen illusorisch.

Auf Worte müssen Taten folgen

Sie weiß aber auch, dass „Jammern“ nicht die Lösung des Problems ist. Für einen Moment tröstet und entlas­tet es den Einzel­nen, auf lange Sicht schlei­chen sich jedoch nur zusätz­lich Wut und Hilflo­sig­keit ein. „Wir sind nicht nur für das verant­wort­lich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, sagte einst Molière. Auf das Klagen müssten also auch Aktio­nen folgen, sowohl intern in den Einrich­tun­gen als auch struk­tu­rell auf politi­scher Ebene. Pflegende in Deutsch­land seien noch nicht gut genug organi­siert, das sei in anderen Ländern besser, sagt Zegelin. Der Beitritt in Berufs­ver­bände wäre zum Beispiel eine wichtige Maßnahme.

Der Appell zum Handeln gilt aber nicht nur für Pflegende, sondern auch – bzw. insbe­son­dere – für dieje­ni­gen, die am länge­ren Hebel sitzen, die in der Handlungs­po­si­tion sind: Gesund­heits­po­li­ti­ker. Und damit kommen wir zurück zu Erwin Rüddel. Abhilfe würde tatsäch­lich eine konse­quente Gesund­heits­po­li­tik schaf­fen, die sich den Proble­men im Pflege­sys­tem annimmt und den Klagen­den den Nährbo­den entzieht. Wie „konse­quent“ in der Gesund­heits­po­li­tik die Belange der Pflegen­den abgehan­delt werden, demons­trierte Erwin Rüddel unlängst in der von ihm maßgeb­lich mitbe­stimm­ten Debatte um das neue Pflege­be­ru­fe­ge­setz: Das Geset­zes­werk, das auch zu einer Attrak­ti­vi­täts­stei­ge­rung in der profes­sio­nel­len Pflege führen soll, wird nun in abgeschwäch­ter Form und deutlich später in Kraft treten.

Rüddel hat geantwortet

Mittler­weile hat der CDU-Politi­ker auf die Twitter-Welle reagiert und sich erklärt. Mit seinem Kommen­tar wollte er keine Anschul­di­gun­gen machen, sondern vielmehr zum gemein­sa­men Handeln aufru­fen, heißt es in seinem Tweet. Entschei­dend wäre nun, dass der Diplom-Betriebs­wirt, ehema­li­ger Geschäfts­füh­rer einer Senio­ren­ein­rich­tung und nun auch Vorsit­zen­der des Gesund­heits­aus­schus­ses sich an seinen Teil des Deals hält, um für #gutezei­ten­für­die­pflege zu sorgen.

Quelle: twitter, RDG, Die Schwes­ter der Pfleger, 2017 S. 40–41