Ende Juli ist das Urteil des Sozi­al­ge­richts Spey­er gefal­len: Für Men­schen mit Rücken­marks­ver­let­zung sei das soge­nann­te ReWalk Exo­ske­lett­Sys­tem medi­zi­nisch not­wen­dig und die Kos­ten müs­sen dem­entspre­chend von der Kran­ken­kas­se erstat­tet wer­den. Es han­delt sich dabei um ein am Kör­per trag­ba­res robo­ter­ge­steu­er­tes Exo­ske­lett, das es Men­schen mit einer Rücken­marks­ver­let­zung ermög­li­chen soll, durch moto­ri­sier­te Bewe­gun­gen im Hüft-und Knie­be­reich auf­recht zu ste­hen und auch zu gehen.

Der Kläger ist ab dem T6-Brustwirbel abwärts gelähmt

Bei dem Klä­ger han­delt es sich um Phil­ip Hol­lin­ger, ein 44-jäh­ri­ger Vater von zwei Kin­dern. Durch einen Auto­un­fall im Jahr 2006 erlitt er eine Rücken­marks­ver­let­zung, wodurch er ab dem T6-Brust­wir­bel abwärts gelähmt wur­de. Seit­dem ist er auf einen ange­wie­sen. 2014 reich­te Hol­lin­ger bei sei­ner gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se einen Antrag auf Kos­ten­über­nah­me für ein ReWalk Exo­ske­lett­Sys­tem ein, die­ser wur­de jedoch abge­lehnt. Ken­nen­ge­lernt hat­te er die zuvor auf der Reha­ca­re­Mes­se in Düs­sel­dorf und absol­vier­te im Anschluss den Erpro­bungs-und Trai­nings­pro­zess in der Askle­pi­os Kli­nik in Fal­ken­stein.

Anzei­ge
avanti

Nach­dem die Kran­ken­kas­se den Antrag ablehn­te, klag­te Phil­ip Hol­lin­ger beim Sozi­al­ge­richt Spey­er – mit Erfolg. Für den zwei­fa­chen Vater ist das Urteil lebens­ver­än­dernd: „Nur ein Mensch mit einer Rücken­marks­ver­let­zung wird wirk­lich nach­voll­zie­hen kön­nen, was die­ser ein­zig­ar­ti­ge Glücks­mo­ment bedeu­tet, wenn man wie­der auf­ste­hen und gehen kann“, so Hol­lin­ger. „Die­se gibt mir vie­le der Din­ge zurück, die ich durch mei­ne Behin­de­rung ver­lo­ren habe. Jetzt bin ich in der Lage, wie­der unab­hän­gig zu ste­hen und zu gehen und der Welt auf Augen­hö­he zu begeg­nen.“

Für weitere betroffene Menschen ein Zeichen der Hoffnung

Nicht nur für Phil­ip Hol­lin­ger ist die Ent­schei­dung von Bedeu­tung, son­dern für vie­le wei­te­re Men­schen mit einer Rücken­marks­ver­let­zung ist dies ein Hoff­nungs­schim­mer. Schließ­lich umfasst das Urteil wich­ti­ge Aus­sa­gen, die für zukünf­ti­ge Fäl­le als Prä­ze­denz­fall die­nen könn­ten. So beinhal­te­te es unter ande­rem die Aus­sa­ge, dass die ReWalk Tech­no­lo­gie mit Roll­stüh­len nicht ver­gleich­bar sei, da nur ers­te­re die Betrof­fe­nen in die Lage ver­set­ze, wie­der gehen zu kön­nen. Auch das Argu­ment, dass ein aus­rei­chend sei, wur­de nicht akzep­tiert, da ein die aus­ge­fal­le­ne Kör­per­funk­ti­on nicht voll­stän­dig kom­pen­sie­re.

Die Fir­ma ReWalk Robo­tics Ltd. wur­de 2001 mit dem Ziel gegrün­det, Men­schen mit Behin­de­run­gen der unte­ren Glied­ma­ßen mit­tels Robo­ter­tech­no­lo­gien zu hel­fen und somit ihre Lebens­qua­li­tät zu ver­bes­sern. Auch für die Fir­ma ist das Urteil bedeut­sam: „Die­se Ent­schei­dung ist ein Mei­len­stein für die Ver­si­cher­ten­ab­de­ckung der Exo­ske­lett-Tech­no­lo­gie – sowohl in Deutsch­land als auch im Rest der Welt“, so Lar­ry Jasin­ski von ReWalk Robo­tics.