Nach einem Krankenhausaufenthalt bewirbt sich ein Patient als Gesundheits- und Krankenpfleger im selbigen Haus - muss er sich Sorgen wegen seiner Krankenakte machen?
Nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt bewirbt sich ein Pati­ent als Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ger im sel­bi­gen Haus – spricht etwas dage­gen?Pho­to 81749777 © Ocus­fo­cus – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Cars­ten Hei­mann fragt: Ich habe mich kürz­lich in einem Kran­ken­haus um die Stel­le eines Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­gers bewor­ben, in dem ich zuvor als Pati­ent behan­delt wor­den bin. Nun bin ich in Sor­ge, dass die Per­so­nal­ab­tei­lung auf mei­ne Kran­ken­ak­te zugreift. Kann ich mich davor schützen?

Ant­wort der Redak­ti­on: Aus Rechts­grün­den ist die­se Sor­ge unbe­grün­det. Ein­sichts­be­rech­tigt in die Pati­en­ten­ak­te sind nur die Ange­hö­ri­gen des soge­nann­ten the­ra­peu­ti­schen Teams. Pati­en­ten­da­ten dür­fen prin­zi­pi­ell nicht unein­ge­schränkt – das heißt über die unmit­tel­ba­re Zweck­bin­dung hin­aus – aus­ge­tauscht und ver­wen­det wer­den, auch nicht inner­halb des Kran­ken­hau­ses; das Kran­ken­haus ist in die­sem Sin­ne kei­ne infor­ma­tio­nel­le Ein­heit. Das Prin­zip der Erfor­der­lich­keit des Daten­zu­griffs ist hier streng zu beach­ten („need-to-know“). Wegen des infor­mel­len Selbst­be­stim­mungs­rech­tes der Pati­en­ten, des Daten­schut­zes und der ist es sogar ein orga­ni­sa­to­ri­sches Muss, dass Pfle­ge­kräf­te und Ärz­te kei­nen Zugriff auf sämt­li­che elek­tro­nisch gespei­cher­ten Pati­en­ten­da­ten eines Kran­ken­hau­ses haben.

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Selbst­ver­ständ­lich darf auch die Kran­ken­haus­ver­wal­tung und die Per­so­nal­ab­tei­lung nur zu den Daten Zugang haben, die für ihre Zwe­cke erfor­der­lich sind. Soll­te eine zen­tra­le Daten­bank bestehen, ist die­se, eben­so wie ein Archiv, kein Selbst­be­die­nungs­la­den; auch hier gilt die Daten­ho­heit der Fach­ab­tei­lun­gen. Wird ent­ge­gen die­ser Grund­sät­ze trotz­dem auf Pati­en­ten­da­ten zuge­grif­fen, kann es nach § 202a StGB zu straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen wegen Aus­spä­hens von Daten kom­men. Soll­te der „Aus­spä­her“ über­dies die Daten aus­le­sen und der Bewer­ber­ak­te zufüh­ren, kommt zudem ein Ver­stoß gegen die Daten­er­he­bungs­be­stim­mun­gen der Daten­schutz­ge­set­ze in Betracht (z.B. § 28 BDSG). Frei­lich grei­fen die straf- und daten­schutz­recht­li­chen Rechts­fol­gen erst wenn der Ver­stoß dem Geschä­dig­ten oder Daten­schutz­be­auf­trag­ten zur Kennt­nis gelangt. Auf der tat­säch­li­chen Ebe­ne kön­nen daher Ihre Beden­ken nicht zu 100 Pro­zent aus­ge­räumt werden.