Blen­ded Lear­ning – so nennt sich ein neu­es Lern­kon­zept, bei dem klas­si­sche Prä­senz­se­mi­na­re mit digi­tal auf­be­rei­te­ten Lern­ma­te­ria­li­en ver­knüpft wer­den. Durch die­se Form des inte­grier­ten Ler­nens kön­nen auch schwer­fäl­li­ge The­men und kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te auf inter­es­san­te und mul­ti­me­dia­le Wei­se ver­mit­telt wer­den, sodass Moti­va­ti­on und Lern­er­folg der Stu­die­ren­den gestei­gert wer­den.

Die Katholische Hochschule NRW hat das Konzept ausprobiert

Auch Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf der Katho­li­schen Hoch­schu­le NRW hat das neue Lern­ko­zept in sei­nem Semi­nar „Frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men in der Pfle­ge“ mit Erfolg aus­pro­biert. Dabei geht es um das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen dem Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und dem Recht auf Frei­heit der Per­son. „Ein äußerst wich­ti­ges The­ma, nur als Lern­stoff mit vie­len Bezü­gen zur Geset­zes­la­ge sehr tro­cken“, so Groß­kopf. Frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men sind bei­spiels­wei­se nötig, wenn Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zum eige­nen Schutz vor Ver­let­zun­gen fixiert wer­den müs­sen.

Um den Stu­die­ren­den die­se The­ma­tik näher­zu­brin­gen, bie­tet Groß­kopf den Stu­die­ren­den neben der klas­si­schen Face-to-Face-Kom­mu­ni­ka­ti­on zwei wei­te­re Unter­richts­ein­hei­ten des E‑Learnings an. Sie sind online zugäng­lich und ent­hal­ten Exper­ten­in­ter­views, Doku­men­tar­fil­me, Auf­ga­ben, Power­Point-Prä­sen­ta­tio­nen sowie Lite­ra­tur­lis­ten und Mul­ti­ple-Choice-Tests.

Die Bedeutung freiheitsentziehender Maßnahmen in der Pflege

Die Wich­tig­keit der The­ma­tik steigt vor dem Hin­ter­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels in Deutsch­land: „Die Men­schen wer­den immer älter und müs­sen immer öfter sowohl kör­per­lich als auch geis­tig Hil­fe in Anspruch neh­men. Ins­be­son­de­re die Pfle­ge demen­zi­ell Erkrank­ter birgt Pro­ble­me bei der Wah­rung der Pati­en­ten­rech­te“, so Groß­kopf. Demenz­kran­ke nei­gen oft­mals dazu weg­zu­lau­fen und ver­lie­ren dabei die Ori­en­tie­rung. Um sie vor den dabei ent­ste­hen­den Gefah­ren zu schüt­zen, kön­nen frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men erfor­der­lich sein. Aus juris­ti­scher Per­spek­ti­ve bewegt man sich hier jedoch in einem Zwie­spalt zwi­schen indi­vi­du­el­len Pati­en­ten­rech­ten und dem Recht auf eine ange­mes­se­ne Ver­sor­gung.

Groß­kopf war es ein beson­de­res Anlie­gen das Recht der Demenz­er­krank­ten zu schüt­zen. Um dem Pfle­ge­per­so­nal den recht­li­chen Rah­men die­ser The­ma­tik zu ver­mit­teln, hat er 2015 einen Lehr­film dazu erstellt, in dem Pfle­ge­kräf­te, Ein­rich­tungs­lei­tun­gen und auch Demenz­er­krank­te über die­se Pro­ble­ma­tik berich­ten.

Kein Verzicht auf den persönlichen Austausch

Das Kon­zept des inte­grier­ten Ler­nens ist bei den Stu­die­ren­den gut ange­kom­men. Die Eva­lua­ti­on hat erge­ben, dass vor allem die zeit­li­che und räum­li­che Unab­hän­gig­keit des Ler­nens posi­tiv bewer­tet wur­de, da die Lern­ein­hei­ten jeder­zeit und wie­der­holt ange­schaut wer­den kön­nen.

Nichts­des­to­trotz: Auf den per­sön­li­chen Kon­takt will nicht ver­zich­tet wer­den. Die digi­ta­len Unter­richts­ein­hei­ten wer­den geschätzt als Lern­er­gän­zung und sind dem Lern­er­folg dien­lich, den­noch wol­len die Stu­die­ren­den den zusätz­li­chen Aus­tausch im Semi­nar­raum nicht mis­sen.