Kein Verbot für Versandhandel von verschreibungpflichtigen Medikamenten.
Im Oktober 2016 hat der Europäi­sche Gerichts­hof (EuGH) die Arznei­mit­tel­preis­bin­dung für verschrei­bungs­pflichte Medika­mente des Versand­han­dels für rechts­wid­rig erklärt.Bild: frolicsomepl/Pixabay.com

„Wir bedau­ern, dass unser Koali­ti­ons­part­ner auf Bundes­ebene das Verbot des Versand­han­dels mit rezept­pflich­ti­gen Arznei­mit­teln nicht mitträgt. Das Verbot wäre im Inter­esse aller Patien­ten und Patien­ten­in­nen, denn nur so können wir eine flächen­de­ckende, wohnort­nahe Arznei­mit­tel­ver­sor­gung durch die Apothe­ken vor Ort sicher­stel­len. Die CDU/CSU-Fraktion wird sich weiter­hin für das Verbot einset­zen“, so der stell­ver­tre­tende Vorsit­zende der CDU/CSU-Bundes­tags­frak­tion, Georg Nüsslein, und die gesund­heits­po­li­ti­sche Spreche­rin Maria Michalk.

Ein klarer Wettbe­werbs­vor­teil für Versandapotheken?

Es solle für alle die gleichen Spiel­re­geln geben, ganz gleich, ob Stand­ortapo­the­ken im Inland oder Versand­apo­the­ken im Ausland. Nur so könne eine gut funktio­nie­rende Arznei­mit­tel­ver­sor­gung sicher­ge­stellt werden, erklä­ren Nüsslein und Michalk weiter. „Diese bewähr­ten Rahmen­be­din­gun­gen hat der Europäi­sche Gerichts­hof mit einem Urteil im Herbst letzten Jahres geändert. Auslän­di­sche Versand­apo­the­ken haben dadurch einen klaren Wettbe­werbs­vor­teil bekom­men. Dieser gefähr­det auf Dauer das Überle­ben inhaber­ge­führ­ter Apothe­ken – beson­ders im ländli­chen Raum. Auf diese Apothe­ken in Wohnort­nähe sind die Menschen aber angewie­sen. Nur sie können mit Medika­men­ten und mit fachmän­ni­schem Rat helfen, wenn nachts oder am Wochen­ende Notfälle auftreten.“

Nur drei Prozent nutzen den Service

Laut einer bundes­wei­ten reprä­sen­ta­ti­ven forsa-Umfrage des vdek sei die Versor­gung durch wohnort­nahe Apothe­ken nicht durch den Versand­han­del gefähr­det. Demnach hat zwar jeder Vierte (24 %) bereits mindes­tens einmal Medika­mente in einer Inter­netapo­theke bestellt – rezept­pflich­tige Arznei­mit­tel werden aber kaum über den Versand­han­del gekauft. Gerade mal 3 % der Befrag­ten gaben an, bereits rezept­pflich­tige Medika­mente über den Versand­weg bestellt zu haben. Die übergroße Mehrheit von 97 % hat diese Möglich­keit noch nicht genutzt. Auch das Inter­esse, in Zukunft rezept­pflich­tige Arznei­mit­tel über das Inter­net zu bestel­len, ist verhal­ten: Nur elf Prozent der Befrag­ten gaben an, dass sie diesen Vertriebs­weg grund­sätz­lich in Betracht ziehen.

„Die Umfrage zeigt klar und deutlich, dass von einer Existenz­be­dro­hung der Apotheke um die Ecke durch Versand­apo­the­ken keine Rede sein kann. Solche Sorgen sind nicht gerecht­fer­tigt – das Drohsze­na­rio eines Apothe­kenster­bens ist an den Haaren herbei­ge­zo­gen“, findet Ulrike Elsner, Vorstands­vor­sit­zende des vdek.

Bei der telefo­ni­schen Umfrage wurden reprä­sen­ta­tiv bundes­weit 1.021 Perso­nen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt. Erhebungs­zeit­raum der Studie war vom 20. bis 22. März 2017.

Quelle: vdek, presseportal.de