Fakt #1

Made­lei­ne Lei­nin­ger wur­de am 13. Juli 1925 in Nebras­ka gebo­ren und ver­starb im Jah­re 2012. Sie war Pro­fes­so­rin für Kran­ken­pfle­ge und hat maß­geb­li­che Theo­rien zur trans­kul­tu­rel­len her­vor­ge­bracht. Nach­dem Lei­nin­ger als Kran­ken­pfle­ge­rin an der St. Antho­nys School of Nur­sing in Den­ver ihre pfle­ge­ri­sche Kar­rie­re begann, absol­vier­te sie zunächst ein Stu­di­um der Bio­lo­gie. Einer Tätig­keit als Sta­ti­ons­lei­tung folg­te der Magis­ter in psych­ia­tri­scher Kran­ken­pfle­ge sowie eine Pro­mo­ti­on mit dem Schwer­punkt auf kul­tu­rel­le und psy­cho­lo­gi­sche Ant­r­ho­po­lo­gie. Damit ist sie die ers­te Pfle­ge­theo­re­ti­ke­rin gewe­sen, die zugleich auch Anthro­po­lo­gin war.

Fakt #2

In den 1940er Jah­ren wur­de sich Lei­nin­ger der Bedeu­tung trans­kul­tu­rel­ler bewusst, wes­halb sie den Ent­schluss fass­te, das Kul­tur­spe­zi­fi­sche jeder zu erfas­sen und frucht­bar für ihre Theo­rien zu machen. Auf Grund­la­ge eth­nopfle­ge­ri­scher Stu­di­en in Neu Gui­nea begann sie ihre maß­geb­li­chen Pfle­ge­theo­rien zu ent­wi­ckeln. Die Unter­su­chun­gen von min­des­tens 12 Kul­tu­ren sind in ihre Arbei­ten ein­ge­flos­sen. Die ers­te Vor­le­sung über trans­kul­tu­rel­le Kran­ken­pfle­ge hielt sie im Jah­re 1966.

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Madeleine Leiniger
Made­lei­ne Lei­nin­ger, auf­ge­nom­men wäh­rend ihrer Gast­pro­fes­sur an der Lund Uni­ver­si­ty in Schwe­den im Jah­re 1987.Syds­vens­ka Medi­cin­his­to­ris­ka Sälls­ka­pet (SMHS) [CC BY-NC-SA 2.5 SE]

Fakt #3

Ein zen­tra­ler Begriff in den Theo­rien von Lei­nin­ger ist die mensch­li­che Für­sor­ge. Sie hebt die Für­sor­ge als einen eben­so wich­ti­gen Fak­tor für den Hei­lungs­pro­zess von Pati­en­ten her­vor wie etwa die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Unter Für­sor­ge ver­steht die Pfle­ge­theo­re­ti­kern dabei, dass man sich ein­fühl­sam mit dem Pati­en­ten aus­ein­an­der­setzt, auch etwa im Hin­blick auf sein sozia­les Umfeld, und die pfle­ge­ri­schen Pro­zes­se an die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se anpasst. Ent­schei­dend ist: Für­sor­ge gibt es laut Lei­nin­ger in jeder , wie sie aber kon­kret in Erschei­nung tritt kann in jeder anders sein.

Fakt #4

Für die Ent­wick­lung ihrer Theo­rien und die wei­te­re Erfor­schung von kul­tur­spe­zi­fi­schen Für­sor­ge­phä­no­me­nen hat Lei­nin­ger eine Rei­he von Grund­an­nah­men auf­ge­stellt, hier eine Aus­wahl:

  • For­men der Pfle­ge sind je nach Kul­tur unter­schied­lich, wenn­gleich Pfle­ge als uni­ver­sel­les Phä­no­men zu ver­ste­hen ist.
  • Die Für­sor­ge bil­det das zen­tra­le Ele­ment in der pro­fes­sio­nel­len Pfle­ge und ist wesent­lich für den Gene­sungs­pro­zess.
  • Es gibt kei­ne Hei­lung ohne Pfle­ge aber Pfle­ge ohne Hei­lung.

Fakt #5

Her­vor­ge­gan­gen aus Lei­nin­gers For­schungs­ar­beit ist das zen­tra­le „Sun­ri­se-Modell“, das sie inner­halb von 30 Jah­ren ent­wi­ckelt und stets erwei­tert bzw. aktua­li­siert hat. Es dient einem Gesamt­über­blick der ver­schie­de­nen – aber zusam­men­hän­gen­den – Dimen­sio­nen, die rele­vant für die kul­tu­rel­le Pfle­ge sind. Abge­bil­det sind die ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Fak­to­ren, die sowohl für die Pfle­gen­den als auch die Pati­en­ten Ein­fluss gebend sind und sich auf den Pfle­ge- und Hei­lungs­pro­zess aus­wir­ken. Dar­un­ter sind unter ande­rem sozia­le und fami­liä­re, reli­giö­se, tech­ni­sche und erzie­he­ri­sche Ein­fluss­fak­to­ren gefasst. Pfle­gen­de sol­len mit dem Modell schnell und über­blicks­ar­tig Wis­sen dar­über bekom­men, wel­che kul­tur­spe­zi­fi­schen Vor­stel­lun­gen der Für­sor­ge die Pati­en­ten haben kön­nen. Es ist zugleich krea­tiv und dyna­misch ein­setz­bar und kann somit indi­vi­du­ell am Pati­en­ten aus­ge­rich­tet wer­den.

Die Model­le von Lei­nin­ger haben bis heu­te Gül­tig­keit und sind von gro­ßer Bedeu­tung für die Aus­ein­an­der­set­zung mit kul­tur­spe­zi­fi­schen Phä­no­me­nen in der pfle­ge­ri­schen Arbeit.