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Prof. Dr. Volker Großkopf bei der Verabschiedung der Besucher.
Prof. Dr. Volker Großkopf bei der Verab­schie­dung der Besucher.Bild: Marco Di Bella

Im Zentrum der Veran­stal­tung stand die Einbin­dung des neuen pflege­ri­schen Behand­lungs­stan­dards „Pflege von Menschen mit chroni­schen Wunden“ in das wundthe­ra­peu­ti­sche Umfeld von Medizin und Pharma­zie. Heftig disku­tiert wurden daneben das Spannungs­feld zwischen Kosten und Versor­gungs­qua­li­tät sowie die Vertei­lung der Verant­wor­tungs­be­rei­che zwischen Ärzten und Pflegekräften.

Prof. Dr. Eva-Maria Panfil (Fachhoch­schule Frankfurt/Main) eröff­nete die Vortrags­reihe mit Einbli­cken in die Arbeits­er­geb­nisse der DNQP-Exper­ten­gruppe. In ihrem Vortrag hob sie ausdrück­lich hervor, dass sämtli­che DNQP-Standards als monopro­fes­sio­nelle Instru­mente der Quali­täts­ent­wick­lung nur die spezi­fi­schen Beitrage der Pflege beschrei­ben; dies gelte auch für die Inhalte des neuen Exper­ten­stan­dards. Die pflege­ri­schen Heraus­for­de­run­gen und Handlungs­schwer­punkte erkennt sie vor allem in der Anlei­tung zum Erhalt bzw. zur Förde­rung einer möglichst großen Unabhän­gig­keit und Selbst­stän­dig­keit der Wundpa­ti­en­ten. Daher werden den Pflege­kräf­ten in der Wundver­sor­gung in beson­de­rem Maße kommu­ni­ka­tive Fähig­kei­ten abver­langt. „Eine Pflege­kraft arbei­tet auch, wenn sie spricht“, so die nüchterne Feststel­lung von Prof. Dr. Panfil.

Der Hambur­ger Fachapo­the­ker Werner Sellmer fokus­sierte die konkre­ten Wundver­sor­gungs­maß­nah­men. Positiv bewer­tete er die zuneh­mende Wahrneh­mung des Themas „chroni­sche Wunde“ als ein eigenes Krank­heits­bild. Hieraus resul­tiere schließ­lich, so Sellmer, dass Verzweif­lungs­the­ra­pien mit drasti­schen Wirkstof­fen in den Hinter­grund rücken und feinglied­rige Wundma­nage­ment­sys­teme das Wundhei­lungs­ge­sche­hen beherrschen.

Die Oberärz­tin Dr. Sabine Eming von der Klinik und Polikli­nik für Derma­to­lo­gie und Venero­lo­gie der Univer­si­tät zu Köln erkennt gleich­falls eine positive Entwick­lung in der Versor­gung von Patien­ten mit chroni­schen Wundhei­lungs­stö­run­gen. Anderer­seits entspricht es aber auch ihren Erfah­run­gen als Leite­rin der inter­dis­zi­pli­nä­ren Wundam­bu­lanz, dass die Wirksam­keit der derzeit verfüg­ba­ren Wundthe­ra­peu­tika unzurei­chend seien. Dies sei, so Dr. Eming, darauf zurück­zu­füh­ren, dass der thera­peu­ti­sche Heilungs­an­satz sich bislang haupt­säch­lich auf die Kennt­nisse aus der Versor­gung von akuten Wunden stützt.

Rechts­an­walt Prof. Dr. Volker Großkopf von der Katho­li­schen Hochschule NW lenkte die Aufmerk­sam­keit der Zuhörer auf ein anderes Problem­feld. Er zeigte auf, dass sich die Abstim­mung und Koordi­nie­rung des Thera­pie­kon­zepts einer chroni­schen Wunde zwischen den betei­lig­ten Berufs­grup­pen oftmals schwie­rig gestalte. Dies sei u.a. dadurch begrün­det, dass sich die Wundver­sor­gungs­maß­nah­men regel­mä­ßig in einem Prozess der verti­ka­len Arbeits­tei­lung zwischen dem Arzt und der Pflege­kraft vollzie­hen. In diesem Gesche­hens­ver­lauf verfü­gen Pflege­kräfte nur über eine einge­schränkte Handlungs­au­to­no­mie. Insbe­son­dere in den arztfer­nen statio­nä­ren Pflege­ein­rich­tun­gen und ambulan­ten Diens­ten bestün­den recht­li­che Grauzo­nen, die für beide Berufs­grup­pen haftungs­recht­li­chen Explo­siv­stoff enthal­ten würden. Es gehört nach seiner Auffas­sung zu den dring­li­chen Aufga­ben des Gesetz­ge­bers, diese Lücken zu schließen.

Prakti­sche Probleme und mögli­che Lösungs­an­sätze in der Wundver­sor­gung wurden auch von René Bostelaar, Pflege­di­rek­tor der Univer­si­täts­kli­nik Köln, und Sascha Saßen vom EVK Düssel­dorf angespro­chen. Während Bostelaar die wesent­li­chen Krite­rien eines wirksa­men Case-Manage­ments vorstellte, konzen­trierte sich Saßen auf die Frage­stel­lung, wie ein Exper­ten­stan­dard in die bestehen­den Organi­sa­ti­ons­struk­tu­ren überführt werden kann. Modera­tor Martin von Berswordt-Wallrabe plädierte für eine bessere Koordi­nie­rung der Schnitt­stel­len zwischen Klinik und ambulan­tem Bereich. Dafür sei es wichtig, das Verständ­nis aller Betei­lig­ten fürein­an­der zu verbes­sern. Er appel­lierte an die rund 500 Teilneh­mer aus allen Versor­gungs­be­rei­chen des Gesund­heits­we­sens, das Thema im Sinne des Patien­ten­schut­zes voranzubringen.

Der rege Besucher­an­strom hat die Erwar­tun­gen der Organi­sa­to­ren weit übertrof­fen. Auch die zahlrei­chen anwesen­den Firmen­ver­tre­ter auf der beglei­ten­den Fachaus­stel­lung äußer­ten sich sehr positiv über die rege geführ­ten Fachgespräche.