Das für Bremen geplante Wohn-und Betreuungsgesetz ist umstritten
Ein ers­ter Vor­schlag zur Novel­lie­rung des Wohn-und Betreu­ungs­ge­set­zes wur­de wegen inhalt­li­cher Män­gel erst vor Kur­zem zurück­ge­zo­gen. Jetzt soll ein neu­er Anlauf fol­gen.Mar­co Di Bel­la

In Bre­men soll­te der Ent­wurf zur geplan­ten Novel­lie­rung des Wohn-und Betreu­ungs­ge­set­zes (Brem­Wo­BeG) eigent­lich Ende Febru­ar auf der Sozi­al­de­pu­ta­ti­on vor­ge­legt wer­den. Der Ent­wurf wur­de aller­dings wie­der von der Tages­ord­nung gestri­chen, da sei­tens der Frak­tio­nen Beden­ken zum Inhalt des Ent­wur­fes auf­ka­men.

Rein­hard Leo­pold, Regio­nal­be­auf­trag­ter der Bun­des­in­ter­es­sen­ver­tre­tung für alte und pfle­ge­be­trof­fe­ne Men­schen (BIVA), sieht die bis­he­ri­gen Rege­lun­gen in dem Gesetz kri­tisch. Bei­spiel­wei­se sei es pro­ble­ma­tisch, dass Sank­tio­nen für Ein­rich­tun­gen mit erheb­li­chen Män­geln erst recht spät erfol­gen kön­nen und bis dahin Bewoh­ner zu Scha­den kom­men könn­ten.

Um die­sem Anlie­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, wur­de ein offe­ner Brief von 18 nam­haf­ten Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen ver­fasst, wel­che die For­de­run­gen der BIVA unter­stüt­zen. Unter den Betei­lig­ten sind u.a. der Bre­mer Pfle­gerat, der Deut­sche Pfle­gerat, der Sozi­al­ver­band VdK, die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bre­men und der Betreu­ungs­ver­ein Bre­mer­ha­ven sowie drei Rechts­an­wäl­te.

Die Forderungen im Einzelnen

In dem Brief wird gefor­dert, die Men­schen­wür­de und Rech­te der pfle­ge­be­trof­fe­nen Men­schen stär­ker in Geset­zen und Durch­füh­rungs­ver­ord­nun­gen zu berück­sich­ti­gen. Fol­gen­de Punk­te wer­den dazu ange­führt:

  • Min­dest-Fach­kräf­te­schlüs­sel für den Nacht­dienst: Der Min­dest-Fach­kräf­te­schlüs­sel in Gas­t­ein­rich­tun­gen und in Pfle­ge- und Betreuungs­einrichtungen für den Nacht­dienst soll­te min­des­tens bei 1:30, in spe­zi­el­len Demenz-Abtei­lun­gen bei 1:20 lie­gen (betrifft § 7 Abs. 3 PersV Brem­Wo­BeG).
  • Ersatz­lo­se Strei­chung der kos­ten­lo­sen Bera­tung für Leis­tungs­er­brin­ger: Ins­be­son­de­re die Bera­tung für nega­tiv auf­fäl­li­ge Leis­tungs­an­bie­ter durch die Auf­sicht- und Kontroll­behörde bei fest­ge­stell­ten Män­geln ist nach Ansicht der BIVA inak­zep­ta­bel. Bei einer Nicht- oder Schlecht­leis­tung sol­len viel­mehr die besei­ti­gen­den Män­gel mit ange­mes­se­nen Frist­set­zun­gen benannt bzw. zuvor ange­droh­ter Sank­tio­nen durch­ge­setzt wer­den (betrifft § 11 Abs. 1 Pkt. 4 und § 30 Brem­Wo­BeG).
  • Mit­be­stim­mung statt Mit­wir­kung: Die Rech­te der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer von Pfle­ge- und Betreu­ungs­leis­tun­gen sol­len nicht nur auf Anhö­rung und Mit­wir­kung beschränkt blei­ben. Dies sei nicht im Sin­ne des Ver­brau­cher­rechts, so die Unter­stüt­zer (betrifft § 13 Brem­Wo­BeG).
  • Ver­öf­fent­li­chung voll­stän­di­ger Prüf­be­rich­te: Aus Sicht der Unter­stüt­zer kann Mit­be­stim­mung aber nur gelin­gen, wenn auch das Infor­ma­ti­ons­recht gewahrt bleibt. Aus die­sem Grund wird gefor­dert, dass Prüf­be­rich­te in voll­stän­di­ger Form – und nicht nur als  „Ergeb­nis­be­rich­te“ – ver­öf­fent­licht wer­den (betrifft § 11 Abs. 2 Brem­Wo­BeG).
  • Eva­lua­ti­on und Befris­tung des Brem­Wo­BeG und der PersV: Auf­grund der inten­si­ven Über­arbeitung des bestehen­den Geset­zes und der Berück­sich­ti­gung neu­er Wohn­for­men wird eine Erpro­bung inner­halb ange­mes­se­ner Frist für unab­ding­bar gehal­ten.

Die nächs­te Sozi­al­de­pu­ta­ti­on soll am 30.03.2017 statt­fin­den. Nach Mit­tei­lung der BIVA ist die Zahl der Unter­stüt­zer wei­ter gewach­sen: Zuletzt soll sich u.a. Prof. Dr. Micha­el Isfort, Vor­stands­mit­glied des Deut­schen Insti­tuts für ange­wand­te Pfle­ge (dip) den For­de­run­gen der BIVA ange­schlos­se­nen haben.