Die Anträ­ge stamm­ten noch aus dem Jahr 2014, als sich die Lage für die Heb­am­men wegen sprung­haft stei­gen­der Prä­mi­en für die Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung dra­ma­tisch ver­schärf­te. Der Bun­des­tag folg­te damit einer Beschluss­emp­feh­lung des Gesund­heits­aus­schus­ses.

Haftungsfonds gefordert

In den Anträ­gen wur­de unter ande­rem ein Haf­tungs­fonds gefor­dert, der Schä­den ober­halb einer bestimm­ten Sum­me tra­gen soll­te. Nach Ansicht der Grü­nen soll­te auch geprüft wer­den, ob die Prin­zi­pi­en der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auf die Haft­pflicht für alle Gesund­heits­be­ru­fe über­tra­gen wer­den könn­te. Zwi­schen­zeit­lich sind jedoch meh­re­re gesetz­li­che Ände­run­gen in Kraft getre­ten, mit denen die Geburts­hel­fe­rin­nen deut­lich ent­las­tet wer­den. Des­we­gen sehen die Koali­ti­ons­frak­tio­nen der­zeit kei­nen zwin­gen­den Hand­lungs­be­darf mehr.

So wur­den die Kran­ken­kas­sen dazu ver­pflich­tet, zusätz­li­che Mit­tel bereit­zu­stel­len für jene Heb­am­men, die nur weni­ge Gebur­ten im Jahr betreu­en und daher von den hohen Haft­pflicht­prä­mi­en beson­ders belas­tet sind. Außer­dem müs­sen Kran­ken­kas­sen stei­gen­de Haft­pflicht­prä­mi­en bei der Ver­gü­tung der Heb­am­men berück­sich­ti­gen. Seit Juli 2015 wer­den Heb­am­men in der Geburts­hil­fe durch einen Sicher­stel­lungs­zu­schlag dau­er­haft finan­zi­ell ent­las­tet. Dies soll die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit Geburts­hel­fe­rin­nen sicher­stel­len.

Regressverzicht der Kranken- und Pflegekassen

Da sich die Habam­men­ver­bän­de mit dem Spit­zen­ver­band der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) zunächst nicht auf die Höhe des Zuschlags eini­gen konn­ten, wur­de das gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Schieds­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Nach einem Schieds­spruch vom Herbst 2015 wer­den die Zuschlä­ge zum Aus­gleich der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en nach Anga­ben des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums inzwi­schen aus­ge­zahlt. Der Deut­sche Heb­am­men­ver­band (DHV) hält die Prä­mi­en aller­dings nach wie vor für zu nied­rig, um die Kos­ten zu decken.

Im Ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­setz ist gere­gelt, dass Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen dar­auf ver­zich­ten sol­len, Regress­for­de­run­gen gegen­über frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men zu erhe­ben. Das soll dazu bei­tra­gen, die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en für die Heb­am­men zu sta­bi­li­sie­ren und die Zahl der zuletzt kaum noch ver­füg­ba­ren Ver­si­che­rungs­an­bie­ter zu erhö­hen.

Bestmögliche Versorgung des Kleinkinds

Zugleich soll sicher­ge­stellt wer­den, dass bei einem Behand­lungs­feh­ler das geschä­dig­te Klein­kind best­mög­lich ver­sorgt wird. Zwar ist die Zahl der von Heb­am­men ver­schul­de­ten Geburts­schä­den aus­ge­spro­chen gering, dafür sind die Kos­ten für die anschlie­ßen­de lang­fris­ti­ge Behand­lung der geschä­dig­ten Kin­der exor­bi­tant gestie­gen.

Nach Anga­ben des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums wird der Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag des DHV wei­ter ange­bo­ten. Im Novem­ber 2015 habe ein Ver­si­che­rungs­kon­sor­ti­um dem DHV ein Ange­bot vor­ge­legt, den Grup­pen­ver­trag bis Mit­te 2018 zu ver­län­gern. Nach Aus­sa­ge des DHV stei­gen die Prä­mi­en jedoch wei­ter. Für die frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men in der Geburts­hil­fe steigt die Prä­mie für die Berufs­haft­pflicht laut DHV ab Juli 2016 auf 6.842 Euro.