Der DBfK bleibt auch nach dem zwei­ten run­den Tisch Pfle­ge­kam­mer dabei: Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve zur Pfle­ge­kam­mer. „Nur mit einer star­ken Inter­es­sens­ver­tre­tung der Pfle­gen­den in Form einer Selbst­ver­wal­tung kön­nen wir den Pfle­ge­be­ruf zukunfts­fä­hig machen“, so Dr. Mar­lie­se Bie­der­beck, Geschäfts­füh­re­rin des DBfK Süd­ost, Bay­ern-Mit­tel­deutsch­land e.V. Und wei­ter: „Die star­ken Zuge­ständ­nis­se des Minis­te­ri­ums an die Trä­ger- und Arbeit­ge­ber­ver­bän­de zei­gen ein­mal mehr, wie wich­tig eine unab­hän­gi­ge Pfle­ge­kam­mer für die Pfle­ge ist. Die Pfle­ge darf nicht län­ger fremd­be­stimmt wer­den. Damit muss jetzt Schluss sein.“

Die Poli­tik hat einen gesell­schaft­li­chen Auf­trag, die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung sicher­zu­stel­len, dies geht nicht mit einer weich­ge­spül­ten Stim­me der Pfle­ge. Der DBfK appel­liert ein­dring­lich, die pfle­ge­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen end­lich kon­struk­tiv anzu­ge­hen. Wenn es um eine star­ke Inter­es­sens­ver­tre­tung der Pfle­ge geht, dann darf es kei­ne Kom­pro­mis­se geben. Dr. Bie­der­beck: „Wenn der Minis­te­rin wirk­lich dar­an liegt etwas für eine star­ke Pfle­ge zu tun, dann muss sie auch ein­mal Ent­schei­dun­gen für die Pfle­ge und gegen die Arbeit­ge­ber ver­tre­ten.“

Zum Hin­ter­grund: Minis­te­rin Huml plant einen Kom­pro­miss in Form einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, in der Ver­bän­de frei­wil­lig Mit­glied wer­den kön­nen. „Es geht nicht ohne Regis­trie­rung aller Pfle­gen­den.“

Der DBfK ver­weist an die­ser Stel­le noch­mals auf die reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge im Auf­trag des Minis­te­ri­ums in Zusam­men­ar­beit mit Infra­test und der Hoch­schu­le Mün­chen aus dem Jahr 2013, wonach sich die Mehr­heit – 50 Pro­zent – der Pfle­gen­den für eine Selbst­ver­wal­tung der Pfle­gen­den in Bay­ern aus­ge­spro­chen haben. Von Sei­ten des Minis­te­ri­ums hieß es damals, man wol­le in die Ent­schei­dung den Wil­len der Pfle­ge­ba­sis ein­flie­ßen las­sen.

Deutscher Pflegerat: „Das Votum der Pflegefachpersonen wird durch den aktuellen bayerischen Vorschlag ignoriert“

Beim Deut­schen Pfle­gerat (DPR) zeigt man sich Ange­sichts der Vor­schlä­ge der bay­ri­schen Gesund­heits­mi­nis­te­rin ent­täuscht: „Die baye­ri­sche Pfle­ge­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml igno­riert und miss­ach­tet die Inter­es­sen und das Votum der Pfle­ge­fach­per­so­nen“, kri­ti­siert DPR-Prä­si­dent Andre­as Wes­ter­fell­haus.

Wes­ter­fell­haus erin­nert dar­an, dass 2011 der dama­li­ge baye­ri­sche Gesund­heits­mi­nis­ter, Mar­kus Söder (CSU), in der Süd­deut­schen Zei­tung deut­lich gemacht habe, dass die „größ­te Grup­pe im Gesund­heits­we­sen unbe­dingt eine eige­ne Stim­me braucht“. Söder: „Mit einer Berufs­kam­mer könn­ten die Pfle­ge­kräf­te ihre Belan­ge selbst in die Hand neh­men. Es ist die größ­te ideel­le Auf­wer­tung, die die Pfle­ge­kräf­te erhal­ten kön­nen“.

„Wenn man sich jetzt den aktu­el­len Vor­schlag aus Bay­ern ansieht, dann ist von die­sem Anspruch nicht viel geblie­ben. Die Ver­wei­ge­rung einer Pfle­ge­kam­mer ist ein Beweis für die Kon­zept­lo­sig­keit und kommt einem Knie­fall vor deren Geg­nern gleich“, zeigt sich Wes­ter­fell­haus ent­täuscht. Den Pfle­gen­den in Bay­ern rief er zu, sich dies „nicht bie­ten zu las­sen“.

„Deut­lich ist, eine Pfle­ge-Inter­es­sens­ver­tre­tung im Rah­men einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts kann die Rech­te der Pfle­ge­fach­per­so­nen nicht im glei­chen Maße ver­tre­ten, wie dies Auf­ga­be und zugleich Ver­pflich­tung einer Pfle­ge­kam­mer ist“, gibt Wes­ter­fell­haus zu beden­ken. Ers­te Opti­on kön­ne nur die Bil­dung einer star­ken Pfle­ge­kam­mer sein. „Nur mit ihr ist tat­säch­lich gewähr­leis­tet, dass es zu kei­ner Ver­wäs­se­rung der Inter­es­sen der Pfle­ge­fach­per­so­nen kommt.“

„Die Pfle­ge­fach­per­so­nen müs­sen das Recht haben, im vol­len Umfang die pfle­ge­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft und ihre dar­in lie­gen­de eige­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung selbst mit­zu­be­stim­men. Dies kann aus Sicht des Deut­schen Pfle­gerats nur über eine eigen­stän­di­ge Pfle­ge­kam­mer erfol­gen“, for­dert Wes­ter­fell­haus.