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Depression
Das Festhal­ten an unerreich­ba­ren Lebens­zie­len kann Depres­sio­nen auslö­sen. Doch die Depres­sion bietet für die Betrof­fe­nen auch Chancen, wie Psycho­lo­gen der Uni Jena jetzt mit einer Studie belegen.Bild: Jan-Peter Kasper/FSU

„Das mag für viele Lebens­be­rei­che stimmen, ob im Beruf, im Sport oder der Familie“, sagt Prof. Dr. Klaus Rother­mund von der Fried­rich-Schil­ler-Univer­si­tät Jena. Doch ein allzu ehrgei­zi­ger Lebens­plan könne auch zur Falle werden, so der Inhaber des Lehrstuhls für Allge­meine Psycho­lo­gie. Dann nämlich, wenn die verfolg­ten Ziele gar nicht erreich­bar sind.

Wer aufgibt – gewinnt

„Manche Menschen entwi­ckeln aus einem solch vergeb­li­chen Bemühen heraus eine Depres­sion“, weiß Rother­mund. Dass das Ziel in weiter Ferne bleibt, egal wie sehr man sich müht, mache hilflos und gebe das Gefühl von Kontroll­ver­lust. Doch das muss nicht zwangs­läu­fig eine psychi­sche Sackgasse sein: Die Depres­sion bietet für die Betrof­fe­nen vielmehr auch Chancen, wie die Psycho­lo­gie­stu­den­tin Katha­rina Koppe und Prof. Rother­mund jetzt mit einer Studie belegen.

Und das ist, psycho­lo­gisch betrach­tet, ein großer Vorteil. „Wer aufgibt, gewinnt“, sagt Katha­rina Koppe, „auch wenn das zunächst paradox klingt“, unter­streicht die Erstau­torin der Studie. In der Fähig­keit loszu­las­sen, so die Jenaer Psycho­lo­gen, liege eine wichtige adaptive Funktion der Depres­sion. Verein­facht ausge­drückt: Ist die Diskre­panz zwischen meinem persön­li­chen Ziel und meinen gegen­wär­ti­gen Möglich­kei­ten zu groß, sollte ich mir besser ein realis­ti­sche­res Ziel suchen und mich von dem alten verabschieden.

Proban­den sollten Anagramme lösen

Für ihre Unter­su­chung haben die Psycho­lo­gen der Uni Jena Patien­ten mit Depres­sion und gesun­den Proban­den eine einfa­che Aufgabe gestellt: Sie mussten Anagramme – Buchsta­ben­rät­sel – lösen. Dabei handelt es sich um Wörter, deren Buchsta­ben in falscher Reihen­folge angege­ben sind. Zum Beispiel muss das Anagramm SESWIN zu WISSEN oder SIEGOT zu EGOIST sortiert werden. In einer bestimm­ten Zeit galt es für die Proban­den so viele Anagramme wie möglich zu lösen. Was die Proban­den nicht wussten: Manche der Anagramme waren gar nicht lösbar, das heißt, sie ließen sich nicht zu einem sinnvol­len Wort umstellen.

„Diese unlös­ba­ren Aufga­ben reprä­sen­tier­ten quasi unerreich­bare Ziele, von denen es galt, sich möglichst frühzei­tig zu lösen, um die Zeit effek­tiv zu nutzen“, erläu­tert Katha­rina Koppe. Wie sich in den Testrei­hen heraus­stellte, wandten die depres­si­ven Patien­ten insge­samt signi­fi­kant weniger Zeit für die unlös­ba­ren Anagramme auf als die Kontroll­gruppe, während sich die Bearbei­tungs­zei­ten für die lösba­ren Aufga­ben zwischen beiden Gruppen nicht unterschieden.

Krise als Chance zur persön­li­chen Weiterentwicklung

Auch wenn es sich bei diesem Test um einen sehr einfa­chen Aufga­ben­be­reich handelt, der sich sicher­lich nicht 1:1 auf andere Heraus­for­de­run­gen des alltäg­li­chen Lebens übertra­gen lässt, sehen die Jenaer Psycho­lo­gen darin doch wichtige Anhalts­punkte für einen verän­der­ten Blick auf die Depres­sion. „Aus dem generel­len Motiva­ti­ons­de­fi­zit, das für viele depres­sive Patien­ten typisch ist, resul­tiert offen­bar eine höhere Zielab­lö­se­fä­hig­keit und das könnte man sich in der Thera­pie zunutze machen“, überlegt Prof. Rothermund.

So könne eine Strate­gie sein, die unerreich­ba­ren Ziele, die Patien­ten in die Depres­sion geführt haben, zu identi­fi­zie­ren und die Ablösung davon gezielt zu unter­stüt­zen. „Wenn wir aufhö­ren, Depres­sion allein als ein psycho­lo­gi­sches Hinder­nis zu sehen, das einfach wegthe­ra­piert werden muss, können wir die Krise des Patien­ten vielleicht auch als Chance zur persön­li­chen Weiter­ent­wick­lung nutzen“, ist auch Katha­rina Koppe überzeugt. Aller­dings bedürfe es dazu zunächst noch deutlich mehr Forschung zu dieser Thematik.

Quelle: idw