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OP infolge einer Magenanomalie und damit verbundenen Magenbeschwerden
Die Magen­ope­ra­ti­on einer Pati­en­tin ver­lief in je zwei ver­schie­de­nen Kran­ken­häu­sern feh­ler­haft.deborabalves/Pixabay.com [CC0 1.0]

Sachverhalt

Eine mitt­ler­wei­le 54-jäh­ri­ge Pati­en­tin, die an einer Magen­ano­ma­lie litt, ließ sich 2009 wegen der anhal­ten­den Magen­be­schwer­den in einem Reck­ling­hau­se­ner Kran­ken­haus ope­rie­ren. Bei die­ser Ope­ra­ti­on wur­den aller­dings die Näh­te der­art feh­ler­haft gesetzt, als dass es erneut zum Abkip­pen sowie zu einer Ver­dre­hung des Magens kam. Daher war eine erneu­te Ope­ra­ti­on von Nöten, die in einer Kli­nik in Her­ne durch­ge­führt wur­de. Bei die­sem Ein­griff hat der Ope­ra­teur die Näh­te gelöst, bedau­er­li­cher­wei­se jedoch erneut falsch gesetzt, sodass der Magen der Klä­ge­rin nach wie vor falsch befes­tigt war. Die des­halb erfor­der­li­che Magen­teil­re­sek­ti­on (teil­wei­se Ent­fer­nung des Magens) hat­te eine Magen­trans­port­schä­di­gung sowie Wund­hei­lungs­stö­run­gen zur Fol­ge. Bis zum Jahr 2013 muss­te sich die Klä­ge­rin daher mehr­fach sta­tio­när behan­deln und ope­rie­ren lassen.

Die Pati­en­tin for­der­te von dem zuerst behan­deln­den Kran­ken­haus 70.000 Schmer­zens­geld sowie einen Haus­halts­füh­rungs­scha­den in Höhe von 2.600 Euro pro Monat ab dem Zeit­punkt der ers­ten Operation.

Entscheidung

Das Land­ge­richt Bochum hat ent­schie­den, der Klä­ge­rin Schmer­zens­geld in Höhe von 8.000 Euro sowie einen drei­mo­na­ti­gen Haus­halts­füh­rungs­scha­den von je 4.680 Euro zuzu­spre­chen. Das Land­ge­richt begrün­de­te die Ent­schei­dung damit, dass die zwei­te feh­ler­haf­te Ope­ra­ti­on den Kau­sal­zu­sam­men­hang unter­bro­chen hät­te, sodass das ers­te Kran­ken­haus nicht für die Fol­gen ein­ste­hen kön­ne, die auf­grund der zwei­ten feh­ler­haf­ten Ope­ra­ti­on ein­ge­tre­ten sind.

Die Klä­ge­rin leg­te Beru­fung ein und war in ihrer Sache erfolg­reich. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat am 15.11.2016 ent­schie­den (Az: 26 U 37/14), der Pati­en­tin die gefor­der­ten 70.000 Euro Schmer­zens­geld zuzu­spre­chen, eben­so wie einen Haus­halts­füh­rungs­scha­den von 30.160 Euro und Haus­halts­füh­rungs­kos­ten von monat­lich 156 Euro ab dem Jahr 2013.

Die feh­ler­haf­te Fixie­rung des Magens wäh­rend der zwei­ten Ope­ra­ti­on wur­de als ein­fa­cher Behand­lungs­feh­ler ein­ge­stuft. Den­noch haf­tet das Reck­ling­hau­se­ner Kran­ken­haus auch für die wei­te­ren Scha­dens­fol­gen, die auf auf­grund die­ses Behand­lungs­feh­lers ein­ge­tre­ten sind – der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen dem ers­ten Behand­lungs­feh­ler und den wei­te­ren Fol­gen ist laut des OLG Hamm also nicht unter­bro­chen wor­den. Wenn­gleich bei der zwei­ten OP grob feh­ler­haft behan­delt wur­de, so war die­se nur auf­grund der ers­ten feh­ler­haf­ten Ope­ra­ti­on not­wen­dig. Daher hat der erst­be­han­deln­de Arzt für den wei­te­ren Ein­griff und die damit ver­bun­de­nen Fol­gen zu haf­ten.

Eine Aus­nah­me sei nur dann zu machen, wenn die Schä­di­gun­gen nach der zwei­ten Ope­ra­ti­on zustan­de gekom­men wären, weil der behan­deln­de Arzt in hohem Maße das gewis­sen­haf­te ärzt­li­che Ver­hal­ten außer Acht gelas­sen hät­te und ent­ge­gen aller ärzt­li­chen Regeln und Erfah­run­gen gehan­delt hät­te. Ein der­art gro­ber Behand­lungs­feh­ler ist dem Arzt in dem vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht unter­lau­fen, sodass er nicht haf­tungs­recht­lich für den ent­stan­de­nen Scha­den ein­ste­hen muss.

Die Pati­en­tin muss­te sich im Zeit­raum zwi­schen 2009 und 2013 meh­re­ren Ope­ra­tio­nen sowie sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­ten unter­zie­hen und ist nach wie vor erheb­lich beein­träch­tigt. Ihr gan­zes Leben wird sie unter Belas­tungs­schmer­zen lei­den müs­sen. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de wur­de daher das hohe Schmer­zens­geld von 70.000 Euro angesetzt.