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Laut dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) ist die Lipo­suk­ti­on (Fett­ab­sau­gung) bei einem Lipö­dem durch­aus als erfor­der­li­che Behand­lungs­al­ter­na­ti­ve geeig­net. Eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung dar­über, ob die­se Ope­ra­ti­on künf­tig zulas­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) erbracht wer­den kann, ist auf Basis der vor­lie­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se jedoch noch nicht mög­lich. Der G‑BA hat am Don­ners­tag in Ber­lin wegen der pro­ble­ma­ti­schen Stu­di­en­la­ge beschlos­sen, die lau­fen­de Bewer­tung der Metho­de aus­zu­set­zen und eine Stu­die zur Ver­bes­se­rung der Erkennt­nis­la­ge auf den Weg zu brin­gen. Mit Hil­fe die­ser Erpro­bungs­stu­die sol­len die offe­nen Fra­gen beant­wor­tet werden.

Das Lipö­dem ist eine chro­ni­sche fort­schrei­ten­de, schwer zu dia­gnos­ti­zie­ren­de Krank­heit, von der fast aus­schließ­lich Frau­en betrof­fen sind. Gekenn­zeich­net ist das Lipö­dem, das umgangs­sprach­lich auch als Rei­ter­ho­sen­syn­drom bezeich­net wird, durch eine mas­si­ve Fett­ver­tei­lungs­stö­rung. Dabei kommt es zu einer sym­me­tri­schen Unter­haut­fett­ver­meh­rung und der Bil­dung von Öde­men (Schwel­lung des Gewe­bes auf­grund von Flüssigkeitseinlagerung).

Mangelnde Erkenntnislage

„Wir wis­sen um den Lei­dens­druck der Pati­en­tin­nen und die gro­ßen Erwar­tun­gen, die mit der Anwen­dung der Lipo­suk­ti­on ver­bun­den sind. Bei der Auf­nah­me des Bera­tungs­ver­fah­rens hat­ten wir die Hoff­nung, gute wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en zum medi­zi­ni­schen Nut­zen des Ein­griffs für die Pati­en­tin­nen zu fin­den. Schließ­lich han­delt es sich um einen Ein­griff, der bereits seit den 1990er Jah­ren ange­wen­det wird. Lei­der hat sich die­se berech­tig­te Erwar­tung nicht erfüllt, wir hät­ten uns hier ein ande­res Ergeb­nis der Stu­di­en­re­cher­che und ‑aus­wer­tung gewünscht. Statt­des­sen müs­sen wir fest­stel­len, dass die vor­han­de­nen Stu­di­en ent­schei­den­de Fra­gen – bei­spiels­wei­se zur Not­wen­dig­keit von Wie­der­ho­lungs­ein­grif­fen oder zur Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Lymph­bah­nen nach der Ope­ra­ti­on – offen­las­sen“, sag­te Dr. Harald Deis­ler, unpar­tei­isches Mit­glied im G‑BA und Vor­sit­zen­der des Unter­aus­schus­ses Metho­den­be­wer­tung, am Don­ners­tag in Ber­lin. Da es auch kei­ne lau­fen­den Stu­di­en gibt, will der G‑BA nun selbst tätig wer­den und die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­la­ge ver­bes­sern. Geplant ist eine ent­spre­chen­de Erpro­bungs­richt­li­nie im Janu­ar 2018 zu beschließen.

Bewertung des Nutzens und der Risiken

Die Beschlüs­se zur Aus­set­zung des Metho­den­be­wer­tungs­ver­fah­rens wer­den dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit (BMG) zur Prü­fung vor­ge­legt und tre­ten nach Nicht­be­an­stan­dung und Ver­öf­fent­li­chung im Bun­des­an­zei­ger in Kraft.

Anschlie­ßend wird der G‑BA die Eck­punk­te des Stu­di­en­de­signs bera­ten und in einer Erpro­bungs-Richt­li­nie fest­le­gen. Die Erpro­bungs­stu­die muss so ange­legt sein, dass sie eine Bewer­tung des Nut­zens und der Risi­ken der Lipo­suk­ti­on auf einem aus­rei­chend siche­ren Erkennt­nis­ni­veau ermög­licht. Zu unter­su­chen­de Aspek­te sind ins­be­son­de­re der Nut­zen der Lipo­suk­ti­on in Bezug auf Sym­ptom­re­duk­ti­on, die Lebens­qua­li­tät und Erfor­der­nis (wei­te­rer) kon­ser­va­ti­ver Behand­lung im Ver­gleich zu nicht­in­va­si­ven Maß­nah­men, die Not­wen­dig­keit von Fol­ge- bezie­hungs­wei­se Wie­der­ho­lungs­ein­grif­fen sowie Risi­ken der Ope­ra­tio­nen und die lang­fris­ti­ge Sicher­heit der Methode.

Quel­le: G‑BA