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Hitzewelle
Wenn die Sonne gnaden­los erscheintBild: Pixabay

Die nächste Hitze­welle kommt bestimmt. Die Fürsor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers hat im Laufe der Pande­mie in der öffent­li­chen Diskus­sion enorm an Bedeu­tung gewon­nen. Sie soll im Rahmen des bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­ses das Leben und die Gesund­heit der beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer schüt­zen. Das Arbeits­schutz­ge­setz definiert wesent­li­che öffent­lich-recht­li­che Fürsor­ge­pflich­ten. Und diese greifen auch bei Hitze.

Auch wenn kein unmit­tel­ba­rer Anspruch auf „hitze­frei“ besteht, sehen die Techni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten für Raumtem­pe­ra­tur (ASR A3.5) spätes­tens bei einer Überschrei­tung von 30 Grad Celsius in den Arbeits­räu­men vor, dass der Arbeit­ge­ber entspre­chend wirksame Hitze­schutz-Maßnah­men ergrei­fen muss.

Diese sind zum Beispiel:

  • effek­tive Steue­rung des Sonnenschutzes
  • effek­tive Steue­rung der Lüftungseinrichtungen
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden
  • Reduzie­rung der inneren thermi­schen Lasten
  • Nutzung von Gleit­zeit­re­ge­lun­gen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Locke­rung der Bekleidungsregelungen
  • Festle­gung zusätz­li­cher Entwärmungsphasen
  • Nutzung von Ventilatoren

Ambulante Pflege und Inten­siv­sta­tio­nen beson­ders von Hitze belastet

Die Mitar­bei­ter von ambulan­ten Pflege­diens­ten empfin­den im Hinblick auf unange­nehme Tempe­ra­tu­ren beson­ders starke Belas­tun­gen. Neben den Raumluftin­nen­tem­pe­ra­tu­ren in den Wohnun­gen der Pflege­be­dürf­ti­gen sind sie der Witte­rung, und damit der Hitze, zusätz­lich beim Weg von Patient zu Patient ausge­setzt. Rund die Hälfte der ambulant Tätigen fühlten sich bereits in den noch kühle­ren 2000er Jahren ziemlich bis sehr belas­tet. In der Skala der Inter­na­tio­na­len Next-Studie folgten gleich danach die Inten­siv­kräfte, die mit rund 40 Prozent die Hitze oder Kälte als starke Belas­tung wahrnahmen.

Hitze­welle-Präven­tion in Nachbar­län­dern teilweise schon weiter

Im Bereich der Hitze-Präven­tion bei Pflege­kräf­ten hinkt Deutsch­land im europäi­schen Vergleich hinter­her. Moderne Produkte, wie z. B. innova­tive Kühlfunk­ti­ons­be­klei­dun­gen, finden weitge­hend keine Verwen­dung. In den Nieder­lan­den und in der Schweiz werden seit drei Jahren in großem Umfang sog. Kühlwes­ten, nicht nur für hitze-sensi­ble Patien­ten-Gruppen, sondern auch für das Pflege­per­so­nal getes­tet. In Deutsch­land sind diese Kühlwes­ten oder auch Kühl-T-Shirts, die nach dem Verduns­tungs­prin­zip mit Wasser funktio­nie­ren, derzeit noch kaum im Einsatz. Belegt ist, dass die Kühlwes­ten bei Hitze die Konzen­tra­tion und die Leistungs­fä­hig­keit der Pflege­kräfte verbesserten.

Problem­be­wusst­sein für Klima­wan­del vorhan­den, Lösun­gen fehlen noch

In Deutsch­land ist das Problem­be­wusst­sein in Bezug auf die höheren Sommer­tem­pe­ra­tu­ren zwar in den letzten Jahren ein wenig gewach­sen. Die allge­mei­nen Tipps für die Gesund­heits­be­rufe, die sogar mit Förde­rung des Bundes­mi­nis­te­rium für Umwelt, Natur­schutz, nukleare Sicher­heit und Verbrau­cher­schutz (BMUV) u.a. in Broschü­ren im Gesund­heits­dienst verbrei­tet werden, klingen jedoch weiter­hin eher sehr allge­mein. Feuchte Umschläge für Nacken, Arme oder Beine zur Abküh­lung, Verdun­ke­lung der Räume, wenn Jalou­sien vorhan­den, oder leichte Sommer­kost sind keine wirklich neuen Ideen.

Bauli­che Verän­de­run­gen bei Neu- oder Umbau­ten von Gebäu­den, die z.B. Himmels­rich­tung und den Verlauf der Sonnen­ein­strah­lung berück­sich­ti­gen, oder gar Klima­an­la­gen als Standard für die Statio­nen und nicht nur für die OP-Räume, sind derzeit noch eher selten.

Die aktuelle DKG-Studie „Klima­schutz in deutschen Kranken­häu­sern“ hat dies offen gelegt und regt zur Verbes­se­rung der Klima­bi­lanz an.

Uta Kannen­gie­ßer, avanti GmbH