Schichtplanung für den Nachtdienst.
Schicht­pla­nung.© Nut­ha­wut Som­suk | Dreamstime.com

Müdig­keit, Ner­vo­si­tät und Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen sind all­seits bekann­te Neben­wir­kun­gen des Schicht­diens­tes. Kann eine Pfle­ge­kraft ihren Ein­satz im ver­wei­gern, wenn sie auf­grund ihres schicht­dienst­li­chen Ein­sat­zes an gesund­heit­li­chen Stö­run­gen lei­det?

schädlich, aber notwendig

In der Tat gibt es zahl­rei­che epi­de­mio­lo­gi­sche Stu­di­en, die hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te für eine ursächliche Betei­li­gung von Schicht­ar­beit an Kreis­lauf­erkran­kun­gen und psy­chi­sche Erkran­kun­gen geben. Die Inter­na­tio­na­le Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) hat im Jahr 2007 Schicht­ar­beit mit zir­ka­dia­ner Dis­rup­ti­on bezie­hungs­wei­se Chro­nodi­s­rup­ti­on sogar als wahr­schein­li­ches Human­kar­zi­no­gen eingestuft.[1]
Eini­ge Jah­re zuvor hat auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt: „Nacht­ar­beit ist grundsätzlich für jeden Men­schen schädlich. Sie führt zu Schlaf­lo­sig­keit, Appetitstörungen, Störungen des Magen-Darm-Trak­tes, erhöhter Nervosität und Reiz­bar­keit sowie zur Her­ab­set­zung der Leistungsfähigkeit“ (Az.: 1 BvR 1025/82).

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Den­noch ist und bleibt der Nacht- und im Gesund­heits­dienst unver­zicht­bar, da die­se spe­zi­el­len Dienst­leis­tun­gen rund um die Uhr abruf­bar sein müssen. Die Nacht­dienst­tä­tig­keit ist nach ein­hel­li­ger Mei­nung aus den pfle­ge­ri­schen Berufs­bil­dern nicht weg­zu­den­ken, ohne sie ist die gefor­der­te Rund-um-die-Uhr-Betreu­ung der Pati­en­ten nicht sicher­zu­stel­len. Ein pau­schal-indi­vi­du­el­les Recht der wird daher dem ein­zel­nen Arbeit­neh­mer nicht zuge­bil­ligt. Der Gesetz­ge­ber hat aller­dings die Balan­ce zwi­schen der Not­wen­dig­keit der Pati­en­ten­ver­sor­gung und dem Schutz der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer auch für den Gesund­heits­dienst im Arbeits­zeit­ge­setz zu regu­lie­ren ver­sucht.

Wann ist eine Umsetzung in den Tagdienst begründet?

Gemäß § 6 Abs. 1 ArbZG ist der Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, die Arbei­ten in der Nacht­zeit­span­ne zwi­schen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr nach den gesi­cher­ten arbeits­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen über die men­schen­ge­rech­te Gestal­tung der Arbeit fest­zu­le­gen. In die­sem Sin­ne sind Nacht­arbeit­neh­mer gemäß § 6 Abs. 3 ArbZG berech­tigt, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Abständen von nicht weni­ger als drei Jah­ren arbeits­me­di­zi­nisch auf ihre Nach­dienst­taug­lich­keit unter­su­chen zu las­sen. Ob dem betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer dann ein soge­nann­ter „Umset­zungs­an­spruch“ auf einen geeig­ne­ten Tages­ar­beits­platz zusteht, rich­tet sich an § 6 Abs. 4 ArbZG aus.

Die­se Vor­schrift zählt drei Fall­ge­stal­tun­gen auf, nach denen eine Umset­zung in den Tag­dienst begründet sein kann. In Betracht kommt die Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers, wenn die wei­te­re Ver­rich­tung der Nacht­ar­beit den Arbeit­neh­mer kon­kret in sei­ner Gesund­heit gefährdet. Dane­ben kann ein Nacht­arbeit­neh­mer einen Tages­ar­beits­platz ver­lan­gen, wenn in sei­nem Haus­halt ein Kind von unter zwölf Jah­ren lebt, das nicht von einer ande­ren im Haus­halt leben­den Per­son betreut wer­den kann. Schließ­lich kann ein Umset­zungs­ver­lan­gen auch dar­auf gestützt wer­den, wenn ein schwer-pflegebedürftiger Angehöriger im Haus­halt ver­sorgt wer­den muss.

Die Pflicht des Arbeit­ge­bers kann aller­dings dann ent­fal­len, wenn aus drin­gen­den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­sen kein geeig­ne­ter Tages­ar­beits­platz zur Verfügung gestellt wer­den kann. Mit dem Blick auf das Kri­te­ri­um der Gesundheitsbeeinträchtigung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in einer Ent­schei­dung aus dem Jahr 2014 einer nacht­dienst­un­taug­li­chen Kran­ken­schwes­ter den Beschäftigungsanspruch im Tag­dienst zuer­kannt (Az.: 10 AZR 637/13). Das Kran­ken­haus konn­te sich nicht dar­auf beru­fen, dass sei­ne übrigen Arbeit­neh­mer alle­samt im Schicht­dienst tätig sind, wes­halb auch grundsätzlich von den Pflegekräften Schichtdienst‑, ins­be­son­de­re Nacht­dienst­taug­lich­keit abver­langt wer­den würde. Viel­mehr muss­te das Kran­ken­haus sein Wei­sungs­recht so ausüben, dass für die betref­fen­de Kran­ken­schwes­ter kei­ne Nacht­diens­te anfal­len.

Redak­ti­ons­tipp: Müde im Nacht­dienst? Wir haben eini­ge inter­es­san­te Tipps und Tricks her­aus­ge­ar­bei­tet, mit denen man fit und aus­ge­ruht durch die Nacht­schich­ten kom­men kann.

[1] Erren T, Fala­tu­ri P, Mor­feld P, Knauth P, Rei­ter RJ, Pie­kar­ski C (2010): „Schicht­ar­beit und Krebs – Hintergründe und Her­aus­for­de­run­gen.“ In: Dtsch Arz­tebl Int 107(38), S. 657–662.