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Prof. Dr. Bettina Toth und Prof. Dr. Thomas Strowitzki mit der schwangeren Patientin.
Prof. Dr. Bettina Toth und Prof. Dr. Thomas Strowitzki mit der schwan­ge­ren Patientin.

Das Gewebe wurde im Rahmen einer engen Koope­ra­tion an der Univer­si­täts-Frauen­kli­nik Bonn gelagert. Nach der Rücktrans­plan­ta­tion kann sie nun ohne weitere medizi­ni­sche Unter­stüt­zung Kinder bekom­men. „Die Patien­tin ist momen­tan im fünften Monat schwan­ger und alles läuft gut. Wir haben keinen Grund zur Sorge“, erklärt Prof. Dr. Bettina Toth, die an der Univer­si­täts-Frauen­kli­nik Heidel­berg die Kinder­wun­scham­bu­lanz einschließ­lich dem Programm zum Ferti­li­täts­er­halt bei Chemo- und Strah­len­the­ra­pien leitet. Deutsch­land­weit sind bisher vier Kinder nach einer solchen Behand­lung zur Welt bekom­men. Noch bis vor wenigen Jahren konnten Frauen, die jung an Brust­krebs oder bestimm­ten anderen Krebs­ar­ten erkrank­ten, aufgrund der aggres­si­ven Chemo­the­ra­pie häufig keine Kinder mehr bekom­men. Heute gibt es verschie­dene Möglich­kei­ten, die Chance auf eigenen Nachwuchs zu erhalten.

Bestimmte Chemo­the­ra­pien schädi­gen Eierstö­cke und Hoden

Bestimmte Medika­mente für Chemo­the­ra­pien sowie Bestrah­lun­gen im Bereich des Beckens können – abhän­gig von der notwen­di­gen Dosie­rung – Eierstö­cke und Hoden so stark schädi­gen, dass die Betrof­fe­nen vorüber­ge­hend oder dauer­haft unfrucht­bar werden. Häufig fällt gleich­zei­tig auch die Produk­tion der Geschlechts­hor­mone aus und selbst bei jungen Frauen treten die Wechsel­jahre ein. Krebs­er­kran­kun­gen, deren Thera­pie Eierstö­cke und Hoden angreift, sind u.a. Brust- und Eierstock­krebs, Lymphome und Leukämien, Krebs­er­kran­kun­gen des Verdau­ungs­trak­tes, Knochen­krebs sowie Hoden- und Prostatakrebs.

„Viele junge Patien­ten haben zum Zeitpunkt der Diagnose ihre Famili­en­pla­nung noch nicht abgeschlos­sen“, so Prof. Strowitzki, Leiter der Abtei­lung für Gynäko­lo­gi­sche Endokri­no­lo­gie und Ferti­li­täts­stö­run­gen. „Für sie spielt die Frage, ob sie nach der Behand­lung noch eine Familie gründen und eigene Kinder haben können, eine wichtige Rolle.“ An der Univer­si­täts-Frauen­kli­nik Heidel­berg können sie sich im Rahmen der Kinder­wunsch­sprech­stunde der Abtei­lung diesbe­züg­lich beraten lassen. Dabei werden immer auch die Onkolo­gen, die später die Krebs­be­hand­lung durch­füh­ren, einbe­zo­gen. Zur Verfü­gung stehen sämtli­che moder­nen Techni­ken zur Konser­vie­rung befruch­te­ter sowie unbefruch­te­ter Eizel­len oder Eierstock­ge­webe sowie der künst­li­chen Befruch­tung. Darüber hinaus kommen neue Medika­mente zum Einsatz, die Schäden an Eierstö­cken oder Hoden während einer Chemo­the­ra­pie verringern.

Netzwerk Ferti­PRO­TEKT sichert deutsch­land­weit schnelle Beratung

Damit diese Maßnah­men möglichst vielen Krebs­pa­ti­en­ten mit Kinder­wunsch zugäng­lich sind, wurde 2006 am Univer­si­täts­kli­ni­kum Heidel­berg zudem das Netzwerk Ferti­PRO­TEKT ins Leben gerufen. Dem Netzwerk sind aktuell mehr als 100 univer­si­täre und nicht-univer­si­täre Zentren in ganz Deutsch­land angeschlos­sen, die diese Metho­den anbie­ten, weiter­ent­wi­ckeln und dabei stren­gen Quali­täts­stan­dards folgen. „Ziel ist es, Frauen und Männern vor oder nach einer Krebs­be­hand­lung flächen­de­ckend die Möglich­keit zu geben, sich quali­fi­ziert beraten und gegebe­nen­falls auch behan­deln zu lassen. Nach der Diagnose brauchen die Patien­ten schnell einen Ansprech­part­ner, da die Thera­pie nicht lange aufge­scho­ben werden kann“, so die beiden Experten.

Die Entnahme und Rücktrans­plan­ta­tion von Eierstock­ge­webe ist ein relativ neues Verfah­ren und bietet verschie­dene Vorteile: Anders als bei der Entnahme von Eizel­len ist im Vorfeld keine langwie­rige und belas­tende Hormon­be­hand­lung nötig, die den Start der Krebs­the­ra­pie verzö­gert. Zudem produ­ziert das trans­plan­tierte Gewebe unter guten Voraus­set­zun­gen – wenigs­tens für eine bestimmte Zeit – wieder die weibli­chen Sexual­hor­mone und lässt Eizel­len in einem norma­len Zyklus heranreifen.

Die Eierstö­cke der mittler­weile 36-jähri­gen Frau waren nach der Chemo­the­ra­pie irrepa­ra­bel geschä­digt und nicht mehr funkti­ons­fä­hig. „Unsere schwan­gere Patien­tin hatte vor der Retrans­plan­ta­tion Hormon­werte wie eine Frau um die Wechsel­jahre, welche sich nach Retrans­plan­ta­tion stabi­li­siert haben“, so Prof. Toth. Das körper­ei­gene Gewebe wurde zunächst durch die Leite­rin der Kryobank Bonn, Jana Lieben­thron, vor Ort in Heidel­berg nach einem spezi­fi­schen Verfah­ren aufge­taut. Im Rahmen einer Bauch­spie­ge­lung wurde es dann in eine Buchfell­ta­sche hinter den Eierstock einge­setzt. Entnahme und Trans­plan­ta­tion des Gewebes wurden ambulant vorge­nom­men und dauer­ten jeweils rund 30 Minuten.

Die Entnahme von Eierstock­ge­webe ist somit ein weite­res Verfah­ren für den Erhalt der Frucht­bar­keit und insbe­son­dere für Patien­tin­nen unter Zeitdruck eine Alter­na­tive zur Hormon­be­hand­lung mit anschlie­ßen­der Eizellentnahme.