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Expertengruppe Lymphtherapie
Die neuge­grün­dete „Exper­ten­gruppe Lymph­the­ra­pie“ des Medical Data Insti­tu­tes.Bild: Jan Hinnerk Timm/MDI

In ihrem einlei­ten­den Vortrag berich­tete Dr. Anya Miller über die Bedeu­tung einer indivi­du­el­len Versor­gung in der Behand­lung lympho­lo­gi­scher Patien­ten. Anders als der Arzt in der herkömm­li­chen Thera­pie, der sich beim Auftre­ten eines Effekts fragt: Wo kommt das her?, inter­es­siere den Lymph­the­ra­peu­ten bei der Behand­lung: Wo geht es hin?, so erläu­terte die Berli­ner Ärztin. Die „hohe Wissen­schaft der Lympho­lo­gie“ widme sich unter dieser Frage­stel­lung einem Krank­heits­bild, das wissen­schaft­lich nicht zu bewei­sen sei. Das bekannte Stemmer-Zeichen, beim Versuch die Haut am Gelenk des zweiten Zehs anzuhe­ben, biete einen Anhalts­punkt. Aber im Wesent­li­chen läge die Diagnose sprich­wört­lich in den Händen des Thera­peu­ten, so Miller. Ein Großteil der Lymph­pro­bleme werde durch einfa­ches Hinfas­sen offen­bar. Die zugrun­de­lie­gende Frage­stel­lung laute hierbei: „Wird es dick? Wann wird es dick? Wie dick wird es?“

Ergän­zende Versorgung

Oft werden Lymph­pro­bleme von Hautschä­di­gun­gen beglei­tet, weshalb eine adäquate und indivi­du­elle Hautpflege Bestand­teil der Thera­pie sein sollte. Nicht entspre­chend versorgte Hautpro­bleme können durch eine Kompres­si­ons­the­ra­pie zusätz­lich verstärkt werden, die immer mit einer Lymph­the­ra­pie einher­ge­hen sollte. Insge­samt findet eine die Lymph­the­ra­pie beglei­tende Kompres­si­ons­ver­sor­gung mit Banda­gen oder medizi­ni­schen Kompres­si­ons­strümp­fen aber zu selten statt, so Miller. Manche Patien­ten, die sich beispiels­weise in der Apotheke beraten lassen, verfü­gen zum Teil über Präpa­rate. Zur Thera­pie des Lymphö­dems gebe es, Miller zu Folge, jedoch keine Medika­mente. Ebenso wenig steht eine „Standard-Opera­tion“ zur Verfügung.

Unklare Evidenz­lage

Die Evidenz­lage für die Lymph­the­ra­pie ist unklar. Das macht es wiederum schwie­rig, gegen­über den Kosten­trä­gern zu argumen­tie­ren, denn die Kranken­kas­sen bevor­zu­gen abbild­bare und beschreib­bare wirtschafts­öko­no­mi­sche Größen. Es handelt sich generell um eine teure und länger­fris­tige Maßnahme, die sich oft wieder­ho­lende Anwen­dun­gen beinhal­tet. Bei den Betrof­fe­nen wird in diesem Zusam­men­hang beobach­tet, dass die entstau­en­den Maßnah­men des Lymph­the­ra­peu­ten als Massage mit Wellness-Benefit angese­hen werden und sehr beliebt sind. Auch die manch­mal beglei­tend angewen­dete Inter­mit­tie­rende pneuma­ti­sche Kompres­si­ons­the­ra­pie (IPK, früher: Appara­tive inter­mit­tie­rende Kompres­si­ons­the­ra­pie – AIK) wird gut toleriert. Das notwen­dige beglei­tende Tragen der Medizi­ni­schen Kompres­si­ons­strümpfe (MKS) ist hinge­gen sehr unbeliebt. Es wäre nach Ansicht der Exper­ten­gruppe wünschens­wert, wenn der Patient sich aus seinem „Massage-Rhyth­mus“ löst und das Tragen der MKS so selbst­ver­ständ­lich empfin­det, wie das Tragen einer Brille.

Eine klare Evidenz­lage, wie bei Arznei­mit­teln, gibt es bei medizi­ni­schen Kompres­si­ons­strümp­fen nicht. Das liegt nach Ansicht der Exper­ten­gruppe im Verant­wor­tungs­be­reich der herstel­len­den Indus­trie. Diese zeigt kein unmit­tel­ba­res Inter­esse an der Ausge­stal­tung und Durch­füh­rung aufwän­di­ger Studien, die zum einen kostspie­lig, zum anderen unnötig wären. Umfang­rei­che Wirksam­keits­nach­weise, wie etwa bei Pharma­zeu­tika, sind bei MKS nicht notwen­dig. Ohne belast­bare Studien lässt sich wiederum eine Evidenz nicht beschrei­ben. Doch zur Abschät­zung der aktuel­len Versor­gungs­lage fehlt es leider an konkre­ten Zahlen. Generell lässt sich aber feststel­len, dass viele Materia­lien inadäquat verwen­det werden. Manche Betrof­fene bekom­men mehr als sie benöti­gen, viele erhal­ten wenig oder keine angemes­sene Versor­gung. In manchen Fällen ist das zumin­dest initial kein Versäum­nis der Versor­ger, so Miller. „Das mit den Strümp­fen geht bei mir nicht“, fasst ihrer Erfah­rung nach eine oft erlebte Einstel­lung der Patien­ten gut zusam­men. Die Exper­ten­gruppe schätzt, dass ein Materi­al­wert von 80 Millio­nen Euro an MKS daher ungenützt in deutschen Schrän­ken gelagert wird.

Kompres­si­ons­the­ra­pie im Blick behalten

Meistens kommen in der beglei­ten­den Kompres­si­ons­the­ra­pie bei Lymph­pa­ti­en­ten MKS der Kompres­si­ons­klas­sen (KKL) I und II zum Einsatz, selte­ner Modelle der KKL III. Die Exper­ten­gruppe ist sich einig, dass höhere Klassen schwe­rer anzuzie­hen und unkom­for­ta­bler zu tragen sind. Höhere Kompres­si­ons­klas­sen werden schlech­ter von den Betrof­fe­nen toleriert. Der Trend entwi­ckelt sich nach Ansicht der Exper­ten­gruppe daher hin zu den niedri­ge­ren KKL. Verschie­dene Modelle haben zudem unter­schied­li­che Effekte auf den Kompres­si­ons­druck, der entsteht, wenn das Bein in Bewegung ist: den sogenann­ten Arbeits­druck. Es wurde festge­stellt, dass Flach­strick­strümpfe der KKL I vom Arbeits­druck hier genauso effizi­ent sind, wie Rundstrick­strümpfe der KKL III. In der Lymph­the­ra­pie kommen größten­teils flach­ge­strickte Kompres­si­ons­strümpfe zum Einsatz, die optimal an außer­ge­wöhn­li­che Niveau-Unter­schiede der behan­del­ten Extre­mi­tät anzupas­sen sind. Im Rundstrick­ver­fah­ren bleibt die Anzahl der Maschen bei der Herstel­lung eines Strump­fes gleich. Daher ist dieser nur sehr einge­schränkt an variie­rende Beinum­fänge anpass­bar. Der Vorteil des Rundstrick­ver­fah­rens ist, dass diese Strümpfe keine Nähte haben, die sich insbe­son­dere bei MKS höherer KKL schmerz­haft abdrü­cken, die angespannte Lebens­si­tua­tion des Patien­ten weiter belas­ten und sogar Schädi­gun­gen auslö­sen können. „Nähte zu vermei­den ist derzeit die Prämisse der herstel­len­den Indus­trie“, betonte Miller.

Erst entstauen, dann erhalten

Die Kompres­sion der betrof­fe­nen Extre­mi­tä­ten ist ein wesent­li­cher Bestand­teil der Lymph­the­ra­pie, sie schließt im Ideal­fall immer zeitnah an die Entstau­ung an. Die Exper­ten­gruppe ist sich in diesem Zusam­men­hang einig, dass die Materia­lien der Kompres­si­ons­the­ra­pie nicht präven­tiv einge­setzt werden können. Ein Kompres­si­ons­strumpf ist verschlis­sen, wenn er ein Jahr lang konse­quent getra­gen wird. Eine Neuver­ord­nung erfolgt halbjähr­lich. Die Exper­ten­gruppe sieht es aller­dings als lebens­fern an, anzuneh­men, dass ein Mensch sich mit zwei Paar Strümp­fen adäquat kleiden kann und benennt die Möglich­keit zur häufi­ge­ren Verord­nung als notwen­dige struk­tu­relle Verän­de­rung bei der Versor­gung von Menschen mit lympha­ti­schen Erkran­kun­gen. Bei der Betrach­tung weite­rer bekann­ter oder bereits vorhan­de­ner Struk­tu­ren kam die Exper­ten­gruppe zu dem Schluss, dass es derzeit an Netzwer­ken, sowie an spezia­li­sier­ten Klini­ken oder Kompe­tenz­zen­tren mangelt. Solche Netzwerke sollten sich an typischen Frage­stel­lun­gen von Patien­ten und Versor­gern orien­tie­ren: „Wo gibt es Hilfe?“ und „Wo sendet man den Patien­ten hin?“ und diese kompe­tent, zeit- und ortsnah beant­wor­ten können.

Exper­ten­gruppe Lymph­the­ra­pie nimmt den Faden auf

Die Exper­ten­gruppe bewer­tet das inner­halb der Ärzte­schaft eerkenn­bare Problem­be­wusst­sein hinsicht­lich der Lymph­the­ra­pie als positiv. Auf Seiten der Patien­ten sei ein Problem­be­wusst­sein jedoch noch nicht voraus zu setzen. Beide Seiten, Patien­ten und Ärzte sollten zu „einem Blick auf das Bein“ im Rahmen von Routi­ne­un­ter­su­chun­gen angeregt werden, um die Versor­gungs­lage von Menschen mit lympha­ti­schen Erkran­kun­gen zu verbes­sern. Die Thera­pie dieser Patien­ten ist eine multi­dis­zi­pli­näre Versor­gungs­form, an der verschie­dene Behand­ler betei­ligt sind. Grund­lage der erfolg­rei­chen Thera­pie von Menschen mit lympha­ti­schen Erkran­kun­gen ist der zeitnahe und profes­sio­nelle Austausch aller Betei­lig­ten in barrie­re­freier Kommu­ni­ka­tion auf Augen­höhe. Das Starn­ber­ger Medical Data Insti­tute (MDI) wird mit der neuen „Exper­ten­gruppe Lymph­the­ra­pie“ die aktuelle Versor­gungs­si­tua­tion erfas­sen, Struk­tu­ren benen­nen und Möglich­kei­ten aufzeigen.

Quelle: Jan Hinnerk Timm/MDI