Medikamente
Medika­men­ten­knapp­heit bekämp­fen – so das Credo des Minis­tersBild: © Karin59 | Dreamstime.com

Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD) plant als Reaktion auf Liefer­eng­pässe deutli­che Änderun­gen bei den Preis­re­geln für Kinder­arz­nei­mit­tel. Das geht aus einem Eckpunk­te­pa­pier für ein Arznei­mit­tel­ge­setz hervor, das Lauter­bach vorlegt hat.

Dass man in Deutsch­land derzeit nur schwer einen Fieber­saft für ein Kind bekomme, der aber im Ausland noch erhält­lich ist, sei inakzep­ta­bel, sagte Lauter­bach. Er warb aber auch um Geduld: „Die Discoun­ter­po­li­tik hat die Arznei­mit­tel­ver­sor­gung konti­nu­ier­lich über Jahrzehnte verschlech­tert. Das zurück­zu­dre­hen, geht nicht über Nacht.“

Medika­mente: Patien­ten sollen nicht draufzahlen

Länger­fris­tig will der SPD-Politi­ker dafür sorgen, dass die Preis­vor­schrif­ten für Kinder­arz­neien gelockert werden, wieder Medika­mente von europäi­schen Herstel­lern ins Spiel kommen und Vorräte der preis­güns­tigs­ten Arzneien angelegt werden.

Auch Medika­mente für die Krebs­ver­sor­gung von Erwach­se­nen und Antibio­tika sollen durch finan­zi­elle Anreize besser verfüg­bar werden.

Nach dem Eckpunk­te­pa­pier sollen gesetz­li­che Kranken­kas­sen bei Engpäs­sen einma­lig künftig bis zum 1,5‑Fachen des bishe­ri­gen maxima­len Betrags für benötigte Arznei­mit­tel überneh­men können. Die Zuzah­lung für die Patien­tin­nen und Patien­ten auf die Arznei­mit­tel soll begrenzt werden.

Nicht jeder Liefer­eng­pass von bestimm­ten Medika­men­ten führe zu einem Versor­gungs­eng­pass, teilte das Minis­te­rium mit, „da häufig geeig­nete Alter­na­ti­ven zur Verfü­gung stehen“. Diese so genann­ten Generika hätten aber einen gerin­ge­ren Anteil an den Ausga­ben der gesetz­li­chen Kranken­kas­sen im Vergleich zu den paten­tier­ten Arzneimitteln.

Produk­tion der Medika­mente in der EU

Neben Kinder­arz­nei­mit­teln wie Fieber- und Husten­säf­ten sind auch einige Krebs­me­di­ka­mente und Antibio­tika derzeit knapp. Ein Grund ist, dass die Kranken­kas­sen mit den günstigs­ten Herstel­lern Verträge schlie­ßen müssen und die Apothe­ken dann nur diese Arznei­mit­tel abgeben dürfen.

Die Produk­tion wurde in Billig­lohn­län­dern konzen­triert, und die Zahl der Anbie­ter ist gesunken.

Bei künfti­gen Ausschrei­bun­gen sollen den Plänen zufolge deshalb auch wieder Herstel­ler berück­sich­tigt werden, die Krebs­me­di­ka­mente und Antibio­tika in Europa produ­zie­ren. Das solle dazu führen, dass die Produk­tion dort wieder hochge­fah­ren werde, sagte Lauter­bach im Morgen­ma­ga­zin von ARD und ZDF.

Um künfti­gen Versor­gungs­eng­päs­sen von benötig­ten Arznei­mit­teln vorzu­beu­gen, sollen nach dem Plan des Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums Krite­rien entwi­ckelt werden, die die Probleme frühzei­tig erken­nen helfen. Bis Ende 2025 sollen die getrof­fe­nen Maßnah­men ausge­wer­tet werden.

Mehr Aufwand für Apotheken

Laut Bundes­in­sti­tut für Arznei­mit­tel und Medizin­pro­dukte gibt es derzeit gut 330 Meldun­gen zu Liefer­eng­päs­sen von Präpa­ra­ten.

Das Minis­te­rium weist darauf hin, dass nicht alle Liefer­eng­pässe auch Versor­gungs­eng­pässe bedeu­ten. Es können also Alter­na­ti­ven beschafft oder herge­stellt werden, was aber mehr Aufwand für Apothe­ken bringt.

Derzeit sorgen neben Corona auch die Grippe sowie bei Kindern RS-Viren in ganz Deutsch­land für viele Erkran­kun­gen. Ärzte­ver­tre­ter befürch­ten eine Verschär­fung der Engpässe in der Kinder­me­di­zin über Weihnach­ten und Silvester.

„Im Moment beobach­ten wir, dass Infek­tio­nen mit dem RS-Virus zurück­ge­hen, dafür kommen jetzt immer mehr Kinder mit Grippe und anderen Atemwegs­er­kran­kun­gen“, sagte der Präsi­dent der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­me­di­zin, Jörg Dötsch, den Zeitun­gen der Funke Medien­gruppe. „Durch die Perso­nal­lage an den Feier­ta­gen wird die Lage in Klini­ken und Praxen gleich­zei­tig noch einmal angespann­ter sein als jetzt.“

Auch der Vorsit­zende des Weltärz­te­bun­des, Frank Ulrich Montgo­mery, sagte: „Ich gehe davon aus, dass diese akute Krise in der Kinder­me­di­zin noch bis Februar andau­ert.“ Die Zahl der Infek­ti­ons­fälle werde nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwach­se­nen voraus­sicht­lich in den kommen­den Wochen noch weiter steigen.

Montgo­mery: „Gleich­zei­tig geraten die Kinder­kli­ni­ken über die Feier­tage durch ausge­dünnte Dienst­pläne zusätz­lich unter Druck – zumal dann, wenn viele nieder­ge­las­sene Kinder­ärzte ihre Praxen in dieser Zeit schlie­ßen oder die Sprech­stun­den reduzieren.“

Quellen: ARD/ZDF/BMG/Funke Mediengruppe