Ein 61-jähriger Altenpfleger muss sich einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz stellen.
Ein 61-jäh­ri­ger Alten­pfle­ger muss sich einem Ver­fah­ren wegen Ver­sto­ßes gegen das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz stel­len.© Cher­nets­ka­ya | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Trotz eines posi­ti­ves Coro­na-Tests und einer amt­lich ange­ord­ne­ten häus­li­chen Qua­ran­tä­ne ging ein 61-jäh­ri­ger Alten­pfle­ger aus Hes­sen wei­ter arbei­ten. Damit hat er mög­li­cher­wei­se Bewoh­ner und Kol­le­gen in Gefahr gebracht. Nun droht ihm emp­find­li­ches Unge­mach. Die Staats­an­walt­schaft Frankfurt/Main hat Ankla­ge gegen den Pfle­ger erho­ben. Der Tat­vor­wurf gegen den Mann lau­tet, gegen das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz ver­sto­ßen zu haben. Dies ist eine Straf­tat, die bis zu zwei Jah­re Haft zur Fol­ge haben kann.

Der Mann arbei­tet in einem Pfle­ge­heim im Main-Tau­nus-Kreis, im wohl­ha­ben­den Frank­fur­ter Umland gele­gen. Im April war es in der Ein­rich­tung zu meh­re­ren Infek­tio­nen mit Sars-Cov‑2 gekom­men. Wie sei­ne Kol­le­gen, wur­de auch der 61-Jäh­ri­ge auf Coro­na getes­tet und muss­te sich zunächst bis zum Ergeb­nis des Tests in häus­li­che Qua­ran­tä­ne bege­ben. Sein Test lie­fer­te schließ­lich ein posi­ti­ves Ergeb­nis. Den­noch soll der Mann drei Mal zur Arbeit im Pfle­ge­heim erschie­nen sein, und habe auch sei­ne Toch­ter per Auto zur Schu­le gebracht.

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Wei­te­re Hin­ter­grün­de waren zunächst nicht bekannt – ins­be­son­de­re, ob und inwie­weit sei­ne Ein­rich­tung Druck auf den Alten­pfle­ger auf­bau­te, trotz Coro­na zur Arbeit zu erschei­nen, oder ob er die Ent­schei­dung aus frei­en Stü­cken traf. Dies zu ergrün­den, dürf­te eine span­nen­de Fra­ge des Ver­fah­rens sein.

Wenn in Kran­ken­häu­sern oder Pfle­ge­hei­men wegen Coro­na-Ver­dachts Mit­ar­bei­ter aus­fal­len, kann dies die vie­ler­orts ange­spann­te Per­so­nal­si­tua­ti­on noch ver­schär­fen. In der von Coro­na beson­ders hart getrof­fe­nen bel­gi­schen Regi­on Lüt­tich (Liè­ge) arbei­ten der­zeit Covid-posi­ti­ve Ärz­te und Pfle­ger not­ge­drun­gen wei­ter. Von mehr als 100 Coro­na-infi­zier­ten Pfle­gen­den im Dienst berich­te­te die dpa. Der simp­le Grund: Sonst wäre die Pati­en­ten­ver­sor­gung über­haupt nicht mehr zu gewähr­leis­ten. Lüt­tich ver­zeich­net der­zeit bin­nen 14 Tagen mehr als 2.600 Covid-Infek­tio­nen pro 100.000 Einwohner.

Das Robert-Koch-Insti­tut hat des­halb im Früh­jahr einen Leit­fa­den ent­wor­fen, inwie­weit und in wel­chen Berei­chen Per­so­nen, die bestä­tig­ten Kon­takt zu Coro­na-Infi­zier­ten hat­ten, den­noch wei­ter arbei­ten kön­nen. Die­se haben wir in die­sem Arti­kel beschrie­ben. Klar ist jedoch: Eine amt­lich ange­ord­ne­te Qua­ran­tä­ne ist auf jeden Fall ein­zu­hal­ten. Ansons­ten hat man juris­ti­sche Fol­gen zu befürch­ten, wie der aktu­el­le Fall zeigt.