Sachverhalt

Der Klä­ger wur­de am 16.11.1995 zur sta­tio­nä­ren Behand­lung im beklag­ten Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert. Wegen aku­ten Herz­ver­sa­gens muss­te er auf der Inten­siv­sta­ti­on lang­zeit­be­atmet wer­den. Am 23.12.1995 stell­ten sich ers­te Rötun­gen an den Fer­sen des Klä­gers ein, und sei­ne Anal­fal­te war offen; es ent­wi­ckel­te sich ein 1. Gra­des.

Nach­dem der Klä­ger am 2.1.1996 in ein Spe­zi­al­bett umge­la­gert wor­den war, teil­te ein Arzt am 5.1.1996 den Kin­dern des Klä­gers mit, dass die­ser in den nächs­ten Tagen ster­ben wer­de. Das war jedoch nicht der Fall. In der Fol­ge­zeit wei­te­te sich der bis zum 4. Grad aus. Am 18.1.1996 wur­den Nekro­sen im Gesäß­be­reich chir­ur­gisch abge­tra­gen, und es erfolg­te eine fort­lau­fen­de Ver­sor­gung mit Vari­da­se.

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Am 21.1.1996 wur­de der Klä­ger ent­las­sen. Es hat­te sich ein sakra­ler Deku­bi­tus mani­fes­tiert, der sich inzwi­schen auf einen Durch­mes­ser von ca. 17 cm und eine Tie­fe von ca. 6 cm aus­ge­wei­tet hat­te, sodass die Wir­bel­säu­le des Klä­gers erkenn­bar war.

Trotz inten­si­ver häus­li­cher Pfle­ge ver­heil­te die Wun­de nur sehr lang­sam. Noch heu­te ist dem Klä­ger sowohl das Sit­zen als auch das Gehen nur unter Schmer­zen mög­lich.

In der ers­ten Instanz wur­de die Beklag­te zur Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des in Höhe von 25.000 DM ver­ur­teilt ( vom 11.1.1999, Az.: 11 O 280/96). Gegen die­ses Urteil wur­de sei­tens der Beklag­ten Beru­fung ein­ge­legt, mit der Behaup­tung, dass über die in der fest­ge­hal­te­nen Maß­nah­men hin­aus wei­te­re pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men erfolgt sei­en.

Entscheidung

Die Beru­fung vor dem Köl­ner Ober­lan­des­ge­richt blieb erfolg­los (Ent­schei­dung vom 4.8.1999, Az.: 5 U 19/99). Nach Sicht der Rich­ter rei­che der pau­scha­le Vor­trag, der Klä­ger sei häu­fi­ger gepflegt und gewen­det wor­den als in den Pfle­ge­be­rich­ten ver­merkt, nicht aus, um eine Aus­for­schung durch Ver­neh­mung des ein­ge­setz­ten Pfle­ge­per­so­nals als Zeu­gen zu begrün­den.

In die­sem Zusam­men­hang wies selbst die Beklag­ten­sei­te dar­auf hin, dass sich die Zeu­gen heu­te natür­lich nicht mehr an minu­ten­ge­naue Anga­ben erin­nern kön­nen. Zwar erkann­te dies auch das Gericht; sei­ner Auf­fas­sung nach wären jedoch kei­ne minu­ten­ge­nau­en Anga­ben zu ver­lan­gen gewe­sen, wohl aber eine exak­te Anga­be dazu, in wel­chem tur­nus­mä­ßi­gen Zeit­raum Lage­rungs­ver­än­de­run­gen erfolg­ten bzw. wel­che wei­te­ren pfle­ge­ri­schen Maß­nah­men in dem kri­ti­schen Zeit­raum unter­nom­men wur­den.

Im Übri­gen konn­te aber auch kei­ne nur eini­ger­ma­ßen nach­voll­zieh­ba­re Erklä­rung ange­bo­ten wer­den, wes­halb wei­ter­ge­hen­de Pfle­ge­maß­nah­men in den Pfle­ge­be­rich­ten nicht ver­merkt wur­den, obwohl es ange­sichts des Vor­han­den­seins for­mu­lar­mä­ßig vor­ge­fer­tig­ter Pfle­ge­bö­gen bei der Beklag­ten doch zum pfle­ge­ri­schen Stan­dard gehö­ren muss­te, eine aus­rei­chen­de Deku­bi­tus­pro­phy­la­xe durch­zu­füh­ren und auch zu doku­men­tie­ren.

Aus­drück­lich beton­ten die Rich­ter, dass die Höhe des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ange­sichts des Zustands des Klä­gers eher an der unte­ren Gren­ze des Ange­mes­se­nen liegt.