Kongresspräsident Prof. Dr. Volker Großkopf.
Kon­gressprä­si­dent Prof. Dr. Vol­ker Großkopf.

„Vol­les Haus“ beim IWC – wenn auch in vir­tu­el­ler Form vor den hei­mi­schen Bild­schir­men der Teil­neh­mer und Teil­neh­me­rin­nen: Mit gro­ßem Erfolg und rund 600 zuge­schal­te­ten Kon­gress­gäs­ten ist am Don­ners­tag, 26. Novem­ber, die 13. Auf­la­ge des Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress (IWC) über die Büh­ne gegan­gen. Aus Grün­den der Pan­de­mie-Ein­schrän­kun­gen war es zugleich die Online-Pre­mie­re des IWC – nach der eben­falls in vir­tu­el­ler Form ver­an­stal­te­ten, etwas klei­ne­ren „Pfle­ge­fort­bil­dung des Wes­tens“ (JHC) am 17. Sep­tem­ber. „Wund­ver­sor­gung neu gedacht“ war das Mot­to des Kon­gres­ses, den das Team von PWG-Semi­na­re und G&S‑Verlag ab Punkt 9 Uhr vom Köl­ner Stand­ort der Katho­li­schen Hoch­schu­le (KatHO) NRW in die Repu­blik hin­aus sen­de­te. Und das Kon­zept ging auf: Weit­ge­hend stö­rungs­frei, und mit tech­ni­schem Teil­neh­mer-Sup­port für alle Fäl­le im Hin­ter­grund, gelang­ten das ganz­tä­gi­ge Haupt­pro­gramm und die vier Begleit­ver­an­stal­tun­gen der Berufs­ge­nos­sen­schaft BGW, der Paul Hart­mann AG, der Loh­mann & Rau­scher GmbH sowie der Sig­va­ris Group via Kon­fe­renz­tool zu den zuge­schal­te­ten Gäs­ten. „Dabei sein, ohne vor Ort per­sön­lich dabei zu sein“: Das Ver­an­stal­tungs­team hat­te sich vor­ge­nom­men, ein Kon­gres­s­er­leb­nis zu bie­ten, das dem klas­si­schen IWC-Erleb­nis in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen mög­lichst nahe­kommt – inklu­si­ve (digi­ta­ler) Kon­gress­map­pe, vir­tu­el­lem Besuch der Indus­trie­aus­stel­lung und, selbst­ver­ständ­lich, den vol­len Fort­bil­dungs­punk­ten aus den Vor­jah­ren.

Wissenstransfer und Branchentreff auf virtueller Ebene

„Neben dem rei­nen Wis­sens­trans­fer sind das Zusam­men­tref­fen und der Aus­tausch so emi­nent wich­tig“, bedau­er­te Kon­gressprä­si­dent Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf in sei­ner Begrü­ßungs­re­de, dass ein Kon­gress in tra­di­tio­nel­ler Form dies­mal nicht mög­lich war. „Es sind vie­le Trä­nen geflos­sen, und wir haben uns über­legt, was wir machen.“ Es habe gegol­ten, das Bes­te aus der Situa­ti­on her­aus­zu­ho­len, und das sei gelun­gen. „Wis­sens­trans­fer ist unser Auf­trag. Mein aus­drück­li­cher Dank gilt nicht nur Refe­ren­ten und Hel­fern, son­dern geht auch an Sie“, adres­sier­te er die Kon­gress­gäs­te vor den Bild­schir­men. „Schau­en Sie, wer heu­te dabei ist. Das ist rich­tig gutes Kar­ma. Man kann die Kri­se nur meis­tern, wenn man zusam­men­hält.“ Auch Co-Gast­ge­be­rin Mari­na Fili­po­vic, Pfle­ge­di­rek­to­rin und Mit­glied im Vor­stand der Uni­kli­nik Köln (UKK), nahm den Gedan­ken auf und skiz­zier­te zugleich den mensch­li­chen Aspekt von Coro­na. „Wenn wir die­se Kri­se bewäl­tigt haben, wird die Ein­sam­keit in der Gesell­schaft zu einem gro­ßen Pro­blem gewor­den sein. Und wir Pfle­gen­de kön­nen dazu bei­tra­gen, die Ein­sam­keit ein gro­ßes Stück abzu­bau­en. Ich hof­fe, Sie neh­men heu­te Impul­se mit und hel­fen, die neu­en Tech­no­lo­gien weiterzutragen.“

Die Vorträge in den Räumlichkeiten der Katholischen Hochschule NRW Köln wurden unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts abgehalten und für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen online und live übertragen.
Die Vor­trä­ge in den Räum­lich­kei­ten der Katho­li­schen Hoch­schu­le NRW Köln wur­den unter Ein­hal­tung eines stren­gen Hygie­nekon­zepts abge­hal­ten und für die Teil­neh­mer und Teil­neh­me­rin­nen online und live übertragen.

Bunter Themenstrauß im Hauptprogramm

PD Dr. Nils Lah­mann, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der For­schungs­grup­pe Ger­ia­trie und Lei­ter der AG Pfle­ge­for­schung an der Kli­nik für Ger­ia­trie und Alters­me­di­zin der Cha­ri­té-Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ber­lin, nahm die Kon­gress­gäs­te bei sei­nem Vor­trag „Smar­te digi­ta­le Lösun­gen in der Wund­ver­sor­gung“ mit auf eine Rei­se in die tech­ni­sche Zukunft der Pfle­ge, die schon weit gedie­hen ist. Die heu­te ver­füg­ba­ren tech­ni­schen Hel­fer­lein – wie das Pfle­ge-Cock­pit der Tho­ma­shil­fen oder aus Japan stam­men­de Moni­to­ring-Sys­te­me – mach­ten das Leben des Pfle­ge­per­so­nals enorm leich­ter. „Und es gibt die 5G- und KI-Tech­no­lo­gie, die Quan­ten­for­schung beschleu­nigt den Ent­wick­lungs­pro­zess. Es gibt einen gro­ßen Markt und einen gro­ßen Wett­kampf. Vie­les ist in der Ent­wick­lung; da sind Sachen dabei, die wir uns momen­tan noch nicht vor­stel­len können.“

Ger­hard Schrö­der, Direk­tor der Göt­tin­ger Aka­de­mie für Wund­ver­sor­gung und Mit­glied im Bei­rat der Initia­ti­ve Chro­ni­sche Wun­den (ICW), wid­me­te sich in „The­ra­peu­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on kann Wun­den hei­len?“ den schwie­ri­gen Fäl­len unter den Wund­pa­ti­en­ten – Nörg­ler, Bes­ser­wis­ser, Aggres­si­ve, Skep­ti­ker, Pro­vo­zie­ren­de & Co. Empa­thie und das Hin­ein­ver­set­zen in die Lage der Pati­en­ten, sowie das Erör­tern ihrer Beweg­grün­de, sei­en die Schlüs­sel zum The­ra­pie­er­folg. „Es gibt aber auch Gren­zen: Wenn Pati­en­ten sexu­ell aktiv wer­den, ist kein Akzep­tie­ren ange­bracht, eben­so bei Aggres­si­on. Da soll­ten Sie deut­li­che Gren­zen zei­gen. Blei­ben Sie ansons­ten bewusst höf­lich“, riet er.

Mit­un­ter star­ke Ner­ven der Zuschau­er waren gefragt beim Vor­trag „Künst­li­che Wun­den hei­len nicht“ von Nick Krütz­feld, Inha­ber von Medi­cal Effects Ger­ma­ny – denn die von der Fir­ma zu Lehr­zwe­cken pro­du­zier­ten Kör­per­tei­le mit Ope­ra­ti­ons­wun­den sind täu­schend echt und nichts für Zartbesaitete.

Dank der professionellen technischen Ausstattung und Vorbereitung konnte der Kongress für die Zuschauer und Zuschauerinnen virtuell stattfinden.
Dank der pro­fes­sio­nel­len tech­ni­schen Aus­stat­tung und Vor­be­rei­tung konn­te der Kon­gress für die Zuschau­er und Zuschaue­rin­nen vir­tu­ell stattfinden.

Nach der Pau­se refe­rier­te der chir­ur­gi­sche Fach­arzt Dr. Wal­ter Wet­zel-Roth in „Die Rache der Pla­ce­bos“ über die Gren­zen der Evi­denz in der Wund­be­hand­lung. Der Pla­ce­bo­ef­fekt sei näm­lich nicht zu unter­schät­zen: „27 Pro­zent der Pati­en­ten, die frü­her Neben­wir­kun­gen auf ein Medi­ka­ment hat­ten, ver­spür­ten die­se Effek­te auch bei der Ver­ab­rei­chung des Pla­ce­bos.“ Es gel­te, den Pla­ce­bo­ef­fekt pro­ak­tiv zu nut­zen und Noce­bo-Effek­te – also das Gegen­teil, die ver­mu­te­te Scha­dens­wir­kung einer Behand­lung – zu ver­mei­den. „Wir den­ken oft gar nicht dar­über nach, was wir unse­ren Pati­en­ten antun“ mein­te er am Bei­spiel sei­ner eige­nen Schwie­ger­mut­ter, die von ärzt­li­cher Sei­te mit der kal­ten Aus­sa­ge „Ich kann nichts mehr für Sie tun, Sie kön­nen jetzt heim­ge­hen“ kon­fron­tiert wurde.

Hei­ke Sen­ge, Geschäfts­füh­re­rin der Pfle­ge­aka­de­mie Nie­der­rhein und ICW-Bei­rats­mit­glied, zeig­te in „Hat die Wun­de eine Psy­che?“ ganz ande­re Gren­zen der Wund­be­hand­lung auf. „Es gibt Men­schen, die haben die Wun­de ein­fach auch als Erhalt ihrer sozia­len Situa­ti­on. Sie haben Kon­takt zu einem ande­ren Men­schen, weil er mich regel­mä­ßig besucht und betreut. Die­se Wun­de ist Aus­druck des Bedürf­nis­ses nach Kon­takt.“ Dar­an eng anknüp­fend der Schluss­vor­trag von Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf, „Habe ich das Recht auf eine Wun­de?“. Ent­schei­dend sei das Span­nungs­feld zwi­schen der Selbst­be­stim­mung und der vom Wund­be­hand­ler gefor­der­ten kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit des Pati­en­ten. „Wenn Sie einen Pati­en­ten gegen ihren Wil­len mobi­li­sie­ren, bege­hen Sie eine Nöti­gung, unter Umstän­den auch eine Kör­per­ver­let­zung, denn die Mobi­li­sie­rung kann ja auch schmerz­haft sein.“ Pati­en­ten hät­ten grund­sätz­lich das Recht, sich selbst zu gefähr­den; die­ses Recht ende spä­tes­tens dort, wo Drit­te beein­träch­tigt sind. Ein aktu­el­les Bei­spiel war der schlag­zei­len­träch­ti­ge „Aus­bruch“ einer 101-jäh­ri­gen Frau aus dem Pfle­ge­heim, die trotz Lock­downs zum Geburts­tag ihrer eben­falls schon 80-jäh­ri­gen Toch­ter woll­te, und von der Poli­zei zurück­ge­bracht wur­de. „Mei­nes Erach­tens ist es ein ganz kla­rer Fall von Frei­heits­be­rau­bung, denn Sie kön­nen die Senio­ren nicht mit aller Gewalt im Heim fest­set­zen“, so Groß­kopf „Wenn sie aber zurück­kommt, könn­te das Recht bestehen, sie zu iso­lie­ren – denn sie könn­te sich drau­ßen infi­ziert haben und des­we­gen gefähr­dend für Drit­te sein.“

Anmer­kung: In einer frü­he­ren Ver­si­on des Bei­trags wur­de behaup­tet, Frau Sen­ge sei Mit­glied im Vor­stad der ICW. Dies wur­de kor­ri­giert. Tat­säch­lich ist Frau Sen­ge Mit­glied im wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat der ICW.

IWC 2021: „Wundversorgung nach der Pandemie“

Unter dem Titel „Wund­ver­sor­gung nach der Pan­de­mie“ ist die 14. Auf­la­ge des IWC am Don­ners­tag, 25. Novem­ber 2021, in den Köl­ner Sar­to­ry-Sälen geplant – sofern sich das Land dann tat­säch­lich nach der Pan­de­mie befin­det. Auch eine vir­tu­el­le Form der Teil­nah­me ist ange­dacht. Soll­te – wider Erwar­ten – eine Prä­senz­ver­an­stal­tung nicht mög­lich sein, wür­de der IWC erneut zum Online-For­mat. Anmel­den kann man sich ab sofort unter www.wundcongress.de oder bequem via XING-Events:

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