Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der KBV, Dr. Andre­as Gas­sen, erklär­te dazu am Diens­tag: „Das The­ma Not­fall­ver­sor­gung ist ein zu wich­ti­ges The­ma als dass es auf die For­de­rung nach mehr Geld für eine bestimm­te Inter­es­sen­grup­pe redu­ziert wer­den soll­te. Ich rufe die DKG und den Mar­bu­g­er Bund (MB) dazu auf, mit uns in den Dia­log zu tre­ten. Gemein­sa­me Lösun­gen fin­den, lau­tet das Gebot der Stunde.“

Gas­sen beton­te, dass die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung im Rah­men ihres Kon­zep­tes „KBV 2020“ Ideen ent­wi­ckelt hat, wie ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Bereich zusam­men­ar­bei­ten kön­nen: „Wir sehen den Pati­en­ten im Mit­tel­punkt, der durch ein umfang­rei­ches Infor­ma­ti­ons- und Medi­en­an­ge­bot den für ihn rich­ti­gen Behand­lungs­pfad leich­ter fin­den kann.“ Auch erläu­ter­te Gas­sen, dass man gemein­sam mit Ver­tre­tern der Kran­ken­häu­ser dar­über spre­chen müs­se, die Pati­en­ten an die rich­ti­gen Stel­len zu lei­ten: „Die­ses Vor­ge­hen dient am ehes­ten den Pati­en­ten und sorgt auch dafür, dass die knap­pen finan­zi­el­len Res­sour­cen opti­mal ein­ge­setzt wer­den. Der simp­le Ruf nach immer mehr Geld ist wie das Schüt­ten von immer mehr Was­ser in einen löch­ri­gen Eimer.“

„Ein Patientensteuerungssystem ist notwendig“

Das Bun­des­vor­stands­mit­glied des MB, Dr. Susan­ne Joh­na, äußer­te sich zur Dis­kus­si­on über die Not­fall­ver­sor­gung und wies geäu­ßer­te Vor­wür­fe der KV Baden-Würt­tem­berg zurück: „Unse­re Vor­schlä­ge zie­len dar­auf ab, die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kran­ken­häu­sern und KV-Bereit­schafts­dienst zu ver­bes­sern – durch eine inte­gra­ti­ve, gemein­sa­me Ver­sor­gung, durch mehr Koor­di­na­ti­on und eine stan­dar­di­sier­te, stets glei­che Erst­ein­schät­zung der Behand­lungs­dring­lich­keit der Pati­en­ten. Der Vor­wurf, wir wür­den einer allei­ni­gen Not­fall­ver­sor­gung durch das Kran­ken­haus das Wort reden, geht völ­lig an der Sache vor­bei.“ Dem Vor­schlag Gas­sens, in den Dia­log zu tre­ten und gemein­sam Lösun­gen zu fin­den, ste­he Dr. Susan­ne Joh­na posi­tiv gegenüber.

Eben­falls am Diens­tag mel­de­te sich der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der DKG, Georg Baum, in Ber­lin zu Wort: „Wir neh­men ger­ne den Ruf nach einer bes­se­ren Abstim­mung und Zusam­men­ar­beit auf. Denn gemein­sam ist in der Tat zu klä­ren, war­um trotz geöff­ne­ter Pra­xen und damit wäh­rend der Sprech­stun­den­zei­ten gemäß einer Umfra­ge in den hes­si­schen Kran­ken­häu­sern ca. ein Drit­tel der Pati­en­ten von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten in die Not­fall­am­bu­lan­zen der Kran­ken­häu­ser ver­wie­sen wer­den. Hier zeigt sich, dass ein funk­tio­nie­ren­des Pati­en­ten­steue­rungs­sys­tem drin­gend erfor­der­lich ist.“

„Kliniken sollen für Notfallversorgung zahlen, um das Kassenbudget zu schonen“

Baum wies den Vor­wurf an die Kran­ken­häu­ser zurück, dass sie undif­fe­ren­ziert und unbe­grün­det nach immer mehr Geld rufen wür­den. Viel­mehr for­der­ten die Kli­ni­ken berech­tigt auf­wands- und kos­ten­ge­rech­te Ver­gü­tungs­sät­ze für die von ihnen erbrach­ten ambu­lan­ten Not­fall­leis­tun­gen. Die seit dem 1. April gel­ten­de Abklä­rungs­pau­scha­le von 4,74 Euro für die ver­wal­tungs­mä­ßi­ge Erfas­sung und ärzt­li­che Abklä­rung von Pati­en­ten in den Not­fall­am­bu­lan­zen sei dies mit Sicher­heit nicht.

„Wür­den die Pati­en­ten, wie es der Sicher­stel­lungs­auf­trag vor­sieht, von den nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten behan­delt wer­den“, so Baum, „wäre die Belas­tung der Gesamt­ver­gü­tung der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te deut­lich höher. Es kommt der Ver­dacht auf, dass den Kli­ni­ken Behand­lungs­kos­ten auf­ge­bür­det wer­den, um die KV-Bud­gets zu scho­nen. Die 4,74 Euro ver­stär­ken die­sen Fehl­an­reiz. Als Zei­chen einer wirk­lich kon­struk­tiv gemein­ten Dia­log­be­reit­schaft for­dern wir die KBV auf, den Beschluss über die 4,74 Euro umge­hend zu korrigieren.“

Quel­le: KBV, DKG