Seit Diens­tag fin­det in Erfurt die Haupt­ver­samm­lung der Bun­des­ärz­te­kam­mer, der 121. Deut­sche Ärz­te­tag, statt. Mit ins­ge­samt 250 Abge­ord­ne­ten der deut­schen Ärz­te­kam­mern wer­den Rege­lun­gen zum Berufs­recht erar­bei­tet sowie über aktu­el­le gesund­heits­po­li­ti­sche The­men dis­ku­tiert. Auch über die der­zei­ti­ge Situa­ti­on von Not­auf­nah­men wur­de gespro­chen und eine umfas­sen­de Neu­aus­rich­tung der vie­ler­orts völ­lig über­las­te­ten Not­fall­auf­nah­men in Deutsch­land gefor­dert. Not­wen­dig sei­en unter ande­rem mehr Per­so­nal, eine bes­se­re Ver­net­zung der Ver­sor­gungs­be­rei­che sowie deren sek­to­ren­über­grei­fen­de und extra­bud­ge­tä­re Finan­zie­rung. Außer­dem müs­se die Bevöl­ke­rung bes­ser über die Ver­sor­gungs­struk­tu­ren in der sowie über deren Nut­zung auf­ge­klärt wer­den.

Ärzteschaft sieht Stufenmodell des G‑BA kritisch

Der Ärz­te­tag warn­te, dass die unge­steu­er­te Inan­spruch­nah­me der Not­fall­am­bu­lan­zen in den Kli­ni­ken die ohne­hin immense Arbeits­be­las­tung der dort täti­gen Ärz­tin­nen und ver­schär­fe. Daher müss­ten ambu­lan­te Not­fall­pa­ti­en­ten in hier­für vor­ge­se­he­nen Por­tal- und Not­fall­pra­xen behan­delt wer­den. Die bereits in Ansät­zen regio­nal prak­ti­zier­te unmit­tel­ba­re und räum­li­che Zusam­men­ar­beit von Ver­trags­ärz­ten in sol­chen Por­tal­pra­xen mit Kli­nik­ärz­ten in Not­fall­zen­tren müs­se wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Die Abge­ord­ne­ten spra­chen sich für die Mög­lich­keit einer ambu­lan­ten auch wäh­rend der ver­trags­ärzt­li­chen Sprech­stun­den­zei­ten durch Not­dienst­pra­xen der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen im Rah­men von Modell­pro­jek­ten aus.

Anzei­ge
PWG-Seminare

Kri­tisch sieht der Ärz­te­tag das kürz­lich beschlos­se­ne Kon­zept des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses für ein gestuf­tes Sys­tem von Not­fall­struk­tu­ren an Kran­ken­häu­sern, das auf Grund­la­ge defi­nier­ter Kri­te­ri­en für die Not­fall­ver­sor­gung Ver­gü­tungs­zu­schlä­ge und ‑abschlä­ge vor­sieht. Weder wür­den in dem Kon­zept regio­na­le Beson­der­hei­ten berück­sich­tigt, noch die kom­ple­xen Wech­sel­wir­kun­gen über Schnitt­stel­len und Sek­to­ren­gren­zen hin­weg. Der Ärz­te­tag for­der­te eine Wie­der­auf­nah­me des Bera­tungs­pro­zes­ses „unter Ein­be­zie­hung der medi­zi­ni­schen Akteu­re“. Bis dahin soll­te der Beschluss des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses aus­ge­setzt wer­den.