Technologie, Sicherheit, Fraunhofer Institut
Die­se fünf For­scher vom Fraun­ho­fer Insti­tut ent­wi­ckel­ten ein neu­es Tech­no­lo­gie­kon­zept, das es ermög­licht, auch im Alter sicher in den eige­nen vier Wän­den zu leben.Pio­tr Banczerowski/Fraunhofer

? Auf jeden Fall – das gilt vor allem auch für älte­re Men­schen, die allei­ne in ihrer Woh­nung leben. Doch Über­wa­chung ist ein ganz ande­res The­ma. Kaum jemand möch­te sich tag­ein, tag­aus von Kame­ras beob­ach­ten las­sen, auch wenn es nur die lie­ben Ver­wand­ten sind, die per Kame­ra sicher­ge­hen wol­len, dass es dem Allein­le­ben­den gut geht. Was also tun, wenn man aus den eige­nen vier Wän­de nicht aus­zie­hen will, ande­rer­seits aber sicher­stel­len möch­te, dass im Not­fall schnells­tens Hil­fe her­bei­eilt?

For­schen­de des Fraun­ho­fer IESE des Deut­schen Insti­tuts für ange­wand­te Pfle­ge­for­schung e.V. (dip) sowie der CIBEK tech­no­lo­gy + tra­ding GmbH haben nun das Sys­tem SUSI TD ent­wi­ckelt, das und Pri­vat­sphä­re mit­ein­an­der kom­bi­niert. Kame­ras und Co. sucht man in den aus­ge­stat­te­ten Woh­nun­gen ver­geb­lich. „Unser Sys­tem basiert auf nicht-inva­si­ven Sen­so­ren, vor allem auf Bewe­gungs­mel­dern, wie man sie auch von Lam­pen oder Alarm­an­la­gen kennt, sowie auf Berüh­rungs­sen­so­ren an oft benutz­ten Schub­la­den oder am Kühl­schrank“, erläu­tert Rolf van Len­gen, Abtei­lungs­lei­ter am IESE. Anhand der Sen­sor­da­ten lernt das Sys­tem, die wie­der­keh­ren­den Hand­lun­gen der Per­son zu iden­ti­fi­zie­ren und erkennt, wenn Hil­fe nötig ist.

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Direkter Draht zu Angeboten der Pflegestützpunkte

Ein wei­te­rer Plus­punkt in punc­to Pri­vat­sphä­re: Die gesam­mel­ten Daten ver­blei­ben in der Woh­nung und wer­den auch dort aus­ge­wer­tet. Erst wenn das Ver­hal­ten des Men­schen von sei­nem übli­chen abweicht, schickt das Sys­tem eine ver­schlüs­sel­te Mel­dung an die Pfle­ge­dienst­stel­le oder den Pfle­ge­stütz­punkt.

Eben­so wich­tig wie die Sicher­heit ist es, die selbst­stän­di­ge Lebens­füh­rung sowie die sozia­le Inte­gra­ti­on zu för­dern – sprich die Bera­tung der älte­ren Men­schen. Was kann man für die Gesund­heit und einen gelun­ge­nen All­tag tun? Wel­cher Ansprech­part­ner steht bei Pro­ble­men in die­sem Bereich zur Ver­fü­gung? Die­ser Aspekt ist es, der Anne Gebert vom Deut­schen Insti­tut für ange­wand­te Pfle­ge­for­schung e.V. beson­ders am Her­zen liegt: „Über ein Video-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tool kön­nen die Per­so­nen via Touch­screen direkt mit den Bera­tern der Pfle­ge­stütz­punk­te spre­chen. Die Bera­ter kön­nen die Men­schen somit noch bes­ser beglei­ten, als dies allei­ne durch gele­gent­li­che Haus­be­su­che mög­lich ist.“

Enge Rückkopplung mit Testpersonen

Über das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tool kön­nen sie auch Freun­de und Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge kon­tak­tie­ren, Spie­le mit­ein­an­der spie­len oder Fotos aus­tau­schen. Ein zen­tra­ler Leit­ge­dan­ke bei der Ent­wick­lung des Kon­zepts lag dar­in, kei­ne neu­en Struk­tu­ren oder Dop­pel­struk­tu­ren zu schaf­fen. Das Kon­zept wur­de daher mit jenen Akteu­ren, die bereits vor Ort tätig sind, ent­wi­ckelt und erprobt – also mit den Pfle­ge­stütz­punk­ten und ambu­lan­ten Dienst­leis­tern.

Essen­zi­ell für die Ent­wick­lung eines sol­chen Sys­tems ist es, die Bedürf­nis­se der Nut­zer im Blick zu haben. Die For­schen­den stat­te­ten daher zunächst 18 Woh­nun­gen im Raum Trier mit den Sen­so­ren aus, gin­gen immer wie­der in die Haus­hal­te und erleb­ten die Men­schen mit ihren Geschich­ten, ihren Wün­schen und ihren Bedürf­nis­sen. Im Fol­ge­pro­jekt Stu­DI wol­len die For­schen­den ein adap­tier­tes Sys­tem nun test­wei­se in 100 Woh­nun­gen inte­grie­ren.