Pflegekammer
Die Pfle­ge­kam­mer Schles­wig-Hol­stein wird auf­ge­löstPho­to 113844010 © Kost­yan­ti­ne Pan­kin – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF/Editorial]

Ende Mai brach­te die Regie­rungs­ko­ali­ti­on ein Gesetz zur Umset­zung der Auf­lö­sung der Lan­des­pfle­ge­kam­mer Schles­wig-Hol­stein durch den Land­tag. Dies acht Wochen nach der Abstim­mung wo die Auf­lö­sung der Kam­mer zunächst fest­ge­legt wur­de. Nach der Ver­ab­schie­dung des Geset­zes blei­ben ins­ge­samt noch sechs Mona­te zur Abwick­lung der Kam­mer, die dem­entspre­chend bis zum Jah­res­en­de kom­plett abge­wi­ckelt wer­den soll.

Was wurde bisher beschlossen hinsichtlich der Auflösung?

Ent­schie­den wur­de unter anderem:

  • Für die Abwick­lung der Pfle­ge­kam­mer wer­den höchs­tens 5 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt. Die Kam­mer muss für die übri­gen Kos­ten aufkommen.
  • Bei­trä­ge für das Jahr 2020 müs­sen noch gezahlt wer­den, für das Jahr 2021 hin­ge­gen aber nicht. Rück­erstat­tun­gen von Bei­trä­gen wer­den nicht gegeben.
  • Die Lan­des­pfle­ge­kam­mer tritt aus diver­sen Gre­mi­en zurück.
  • Laut dem Geset­zes­ent­wurf, darf das Land Schles­wig-Hol­stein die Daten der dann ehe­ma­li­gen Mit­glie­der behal­ten bzw. für sta­tis­ti­sche Zwe­cke verarbeiten.

Die Pfle­ge­kam­mer Schles­wig-Hol­stein bemerk­te jedoch, dass nach der Ver­ab­schie­dung des Geset­zes noch vie­le Pro­ble­me ver­blei­ben. Bedau­ert wur­de unter ande­rem, dass durch den Rück­tritt der Pfle­ge­kam­mer aus zahl­rei­chen Gre­mi­en des Gesund­heits­we­sens die Betei­li­gung des Pfle­ge­be­ru­fes nun unter das Niveau von 2015 zurückfällt.

Des Wei­te­ren erklär­te die Kam­mer, dass noch eini­ges unab­ge­schlos­sen bleibt wie zum Bei­spiel Arbei­ten an einer Berufs­ord­nung und Ent­schei­dun­gen für die Fort- und Wei­ter­bil­dung. Was mit der Ethik­kom­mis­si­on der Pfle­ge­kam­mer oder mit Pro­jek­ten zur Wei­ter­ent­wick­lung des Pfle­ge­be­rufs gesche­hen soll, bleibt eben­falls unklar.

Kritik am Abwicklungsverlauf

Wir berich­te­ten bereits im April, über die dama­li­ge Kri­tik an der ursprüng­li­chen Auf­lö­sungs­ab­stim­mung. Zum Bei­spiel sprach der Prä­si­dent des Deut­schen Pfle­gerats (DPR), Franz Wag­ner, von einem “schwarze[n] Tag für die Pro­fes­si­on Pfle­ge”. Zudem gab er zu beden­ken: „Es ist rela­tiv ein­fach gegen etwas zu sein. Was wir aber brau­chen sind Lösungen.“

Spre­chen­de der Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer Schles­wig-Hol­stein, des Deut­schen Berufs­ver­ban­des für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) und der Bun­des­pfle­ge­kam­mer (BPK) kri­ti­sier­ten letz­tens die Vor­ge­hens­wei­se der Regie­rung. Dabei wur­den unter ande­rem die Schnel­lig­keit des Auf­lö­sungs­ver­laufs und die feh­len­den Dis­kus­si­ons­mög­lich­kei­ten betont.

Patri­cia Dru­be, Prä­si­den­tin der Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer Schles­wig-Hol­stein, erklär­te hier­zu: “Wir sind erstaunt, mit wel­cher Geschwin­dig­keit die Regie­rungs­ko­ali­ti­on jetzt den Erwar­tun­gen der Pfle­gen­den ent­spricht. Der Gesetz­ent­wurf wird ohne Dis­kus­si­on und Anhö­rung im Sozi­al­aus­schuss durch Land­tag und Aus­schuss gebracht. Fach­leu­te im Gesund­heits­we­sen und Ver­tre­tun­gen der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den nicht gehört.”

Dr. Mar­kus Mai, Mit­glied im Prä­si­di­um der Bun­des­pfle­ge­kam­mer und Prä­si­dent der Lan­des­pfle­ge­kam­mer Rhein­land-Pfalz, stell­te außer­dem fest: “Die Auf­lö­sung der Pfle­ge­kam­mer ohne Mög­lich­keit zur Aus­spra­che und Anhö­rung durch­zu­peit­schen, zeigt ganz klar, dass die Regie­rungs­par­tei­en einer inhalt­li­chen Debat­te aus dem Weg gehen wol­len.” Hin­zu­fü­gend sag­te er, es sei “demo­kra­tisch frag­wür­dig, die betrof­fe­nen Grup­pen wie Pati­en­ten, Ver­brauch­ver­tre­ter und ande­re Gesund­heits­be­ru­fe, nicht zu hören”.

Auch Swant­je Seis­mann-Peter­sen, stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des DBfK Nord­west, war gegen­über der Lan­des­re­gie­rung kri­tisch. “Die Lan­des­re­gie­rung und ins­be­son­de­re CDU und FDP machen in ihren Pres­se­mit­tei­lun­gen deut­lich, dass es ihnen nie um die Inhal­te der Kam­mer­ar­beit, nicht um die best­mög­li­che pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung und schon gar nicht um die Auf­wer­tung oder Wei­ter­ent­wick­lung des Pfle­ge­be­rufs gegan­gen ist,” so Seismann-Petersen.

“Was gute Pflege ist und braucht bestimmen wieder berufsfremde Akteure im Gesundheitssystem”

Zusätz­lich wur­de klar­ge­macht, dass Pfle­gen­de gera­de jetzt, wo die Pfle­ge mit zahl­rei­chen Pro­ble­men kon­fron­tiert ist, zu Wort kom­men müs­sen. Der Ver­lust der Kam­mer ist daher umso stär­ker zu spüren.

Frank Vils­mei­er, Vize­prä­si­dent der Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer Schles­wig-Hol­stein, beton­te: “Das Ende der Kam­mer bedeu­tet nicht das Ende der Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen in der Pfle­ge. Im Gegen­teil: Mit Blick auf einen dro­hen­den Pfle­xit, eine rie­si­ge Beren­tungs­wel­le in den nächs­ten Jah­ren und den schon aku­ten Man­gel an Pfle­ge­fach­per­so­nen ist Tem­po geboten.”

“Mit dem Ende ihrer Heil­be­ru­fe­kam­mer ver­lie­ren Pfle­ge­fach­per­so­nen erheb­lich an Ein­fluss. Was gute Pfle­ge ist und braucht bestim­men wie­der berufs­frem­de Akteu­re im Gesund­heits­sys­tem,” füg­te er hinzu.

Auch Dr Mar­kus Mai zeig­te sich besorgt: “Das schlim­me ist, dass die poli­ti­schen Akteu­re kei­nen Plan haben, wie die pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in Schles­wig-Hol­stein jetzt und in Zukunft gesi­chert wer­den soll.“

„Die Pro­ble­me in der Pfle­ge las­sen sich nur gemein­sam mit der größ­ten Berufs­grup­pe im Gesund­heits­we­sen lösen. Die Regie­rungs­par­tei­en blei­ben in Schles­wig-Hol­stein jede Ant­wort schul­dig, wie die beruf­lich Pfle­gen­den gestärkt und auf Augen­hö­he in poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen ein­be­zo­gen wer­den sol­len,“ so Dr. Mai.

Was bedeutet die Kammerauflösung für die Zukunft der Pflege in Schleswig-Holstein?

Seis­mann-Peter­sen warn­te, dass die Auf­lö­sung der Lan­des­pfle­ge­kam­mer nega­ti­ve Kon­se­quen­zen für die Pfle­ge in Schles­wig-Hol­stein haben könn­te. Sie wies auf die Schwie­rig­kei­ten hin­sicht­lich der gegen­wär­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen für die Pfle­ge hin.

Hier­zu erklär­te sie: “Was uns als Berufs­ver­band wirk­lich bedrückt […] ist die Tat­sa­che, dass so vie­le beruf­lich Pfle­gen­de, aber auch die Ver­ant­wort­li­chen in der Poli­tik nicht ver­stan­den haben, dass sie am Ende nur Ver­lie­rer aus die­sem Polit­ge­scha­cher her­aus­ge­hen kön­nen. Wir ste­hen vor der her­ku­li­schen Auf­ga­be, die pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung Schles­wig-Hol­steins für die Zukunft zu sichern, und wir sehen nach dem Kam­mer-Aus nie­man­den, der die­ser Auf­ga­be gerecht wer­den kann.”

“Wir als Ver­band wer­den jeden­falls alles tun, was wir kön­nen, um die dro­hen­de berufs­po­li­ti­sche Leer­stel­le in Schles­wig-Hol­stein zu fül­len,” ergänz­te sie.

Patri­cia Dru­be, ihrer­seits, unter­strich die Wich­tig­keit wirk­sa­men poli­ti­schen Han­delns. “Wir wür­den uns wün­schen, dass Poli­tik bei der Lösung der wirk­lich drän­gen­den Pro­ble­me in der Pfle­ge die­ses Tem­po bei­be­hält,” stell­te sie hier­zu fest.

Quel­le: DBfK, Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mer Schles­wig-Hol­stein, DPR, BPK