Pflegepersonal
Der for­dert für das ver­bind­li­che Min­dest­stan­dards. Spot­ma­tik | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wäh­rend in Deutsch­land die Poli­tik wenig tut, haben ande­re Län­der längst Fak­ten geschaf­fen. Denn dass Pati­en­ten­si­cher­heit und eine gute, risi­ko­ar­me Ver­sor­gung im Kran­ken­haus unmit­tel­bar mit der Pfle­ge­per­so­nal­be­mes­sung kor­re­lie­ren, bestrei­tet inter­na­tio­nal nie­mand, die Stu­di­en­la­ge ist ein­deu­tig.

„Des­halb ist es ver­ant­wor­tungs­los, die Per­so­nal­be­mes­sung in der Pfle­ge dem frei­en Spiel der öko­no­mi­schen Kräf­te zu über­las­sen. Wohin das führt, lässt sich an der Pfle­ge­si­tua­ti­on in deut­schen Kli­ni­ken able­sen: Pfle­gen im Lauf­schritt, Ver­sor­gungs- und Hygie­ne­män­gel, Medi­ka­ti­ons­feh­ler, gra­vie­ren­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­fi­zi­te. Das Spa­ren an hat auch für die Beschäf­tig­ten gra­vie­ren­de Fol­gen. Das muss end­lich auf­hö­ren!“, for­dert -Spre­che­rin Johan­na Knüp­pel.

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Auch der Ethikrat fordert Pflegepersonalschlüssel

Seit Jah­ren weist der DBfK auf die­se Pro­ble­me hin, die sich seit Aus­set­zen der Pfle­ge-Per­so­nal­re­ge­lung (PPR) 1996 und vor allem mit Ein­füh­rung des DRG-Sys­tems kon­ti­nu­ier­lich ver­schärft haben. Für die Pfle­ge im Kran­ken­haus for­dert der DBfK:

  • Bemes­sung und Qua­li­fi­ka­ti­on des ein­zu­set­zen­den Pfle­ge­per­so­nals müs­sen sich am tat­säch­li­chen Ver­sor­gungs- und Pfle­ge­be­darf der Pati­en­tIn­nen und nicht an öko­no­mi­schen Inter­es­sen ori­en­tie­ren.
  • Der Gesetz­ge­ber muss gesetz­li­che Per­so­nal­be­mes­sungs- inkl. vor­ge­ge­be­ner, nach oben jus­tier­ba­rer Min­dest­stan­dards ver­pflich­tend ein­füh­ren. Die Ein­hal­tung muss kon­trol­liert und Ver­stö­ße mit Sank­tio­nen belegt wer­den. Das gilt für Kran­ken­häu­ser wie für Pfle­ge­hei­me.
  • Der Staat hat sei­ne Auf­sichts­pflich­ten in Bezug auf die Ein­hal­tung gel­ten­den Arbeits­rechts wahr­zu­neh­men.

Mit die­sen For­de­run­gen befin­det sich der DBfK im Übri­gen in pro­mi­nen­ter Gesell­schaft. In sei­ner jüngst ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me „Pati­en­ten­wohl als ethi­scher Maß­stab für das Kran­ken­haus“ emp­fiehlt auch der Deut­sche Ethik­rat drin­gend die Ein­füh­rung von gesetz­li­chen Pfle­ge­per­so­nal­schlüs­seln ein­schließ­lich Min­dest­quo­ten. Die Emp­feh­lung wird sehr schlüs­sig begrün­det.

Abstruse Empfehlungen und Gedankenspiele

Dem­ge­gen­über tre­ten im aktu­el­len poli­ti­schen Gestal­tungs­va­ku­um ver­mehrt „Kran­ken­haus­ex­per­ten“ auf den Plan, die den Pfle­ge­not­stand auf den Sta­tio­nen baga­tel­li­sie­ren oder sogar negie­ren. Sie for­dern statt Inves­ti­tio­nen in mehr Pfle­ge­per­so­nal eine wei­te­re ‚Opti­mie­rung der Pro­duk­ti­vi­tät‘ und mehr Geld für Digi­ta­li­sie­rung, denn vor allem damit sei Qua­li­täts­ver­bes­se­rung zu erzie­len.

„Es ist wirk­lich erstaun­lich, wer sich momen­tan alles beru­fen fühlt, die Arbeits­si­tua­ti­on der Pfle­gen­den im Kran­ken­haus zu beur­tei­len. Die Betrof­fe­nen sel­ber – Pfle­ge­fach­per­so­nen und ihre Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten – hat man aber offen­sicht­lich zuvor nicht gefragt. Anders sind die abstru­sen Emp­feh­lun­gen und Gedan­ken­spie­le näm­lich nicht zu erklä­ren, die in die Welt gesetzt wer­den“, erklär­te dazu der DBfK am 22. Juli in Ber­lin.