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Lebenskrisen beeinflussen den Berufsalltag.
Auch private Lebenskrisen können sich negativ auf die berufliche Leistungsfähigkeit auswirken.AOK

Gestern wurde der Fehlzeitenreport 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und des AOK-Bundesverbandes veröffentlicht. Demnach scheinen Lebenskrisen deutlichen Einfluss auf den Berufsalltag zu haben. So berichteten von den 2000 Befragten 37,6 Prozent der unter Dreißig-Jährigen von kritischen Lebensereignissen, während bei den 50-bis 65-Jährigen sogar 64,7 Prozent, also rund zwei Drittel der Befragten, eine solche Angabe machten. Über die Hälfte (58,7 Prozent) gab an, durch kritische Lebensereignisse körperliche Probleme zu haben, 79 Prozent gab psychische Probleme als Folge an.

Dass diese Lebenskrisen zu Beeinträchtigungen im Beruf führen, berichteten 53,4 Prozent der Befragten. Im Speziellen wurden am häufigsten Konflikte im privaten Umfeld angegeben (16 Prozent) sowie schwere Erkrankungen von Angehörigen (12 Prozent) und finanzielle Probleme (elf Prozent). Insbesondere bei den jüngeren Beschäftigten überwiegen diese Probleme, während bei älteren Erwerbstätigen das Altern, Krankheiten oder der Tod des Partners Gründe für die Lebenskrise sind.

Was bedeutet das für die Unternehmen und ihre Unternehmensführung?

Aus den Ergebnissen der Befragung geht deutlich hervor, dass die Führungskräfte eine wichtige Rolle bei Krisen der Mitarbeiter spielen. Die positive Bewertung einer Führungskraft korrelierte mit einer positiven Bewertung in Bezug auf Unterstützungsmaßnahmen im Betrieb. „Kritische Lebensereignisse bei Beschäftigten können ein ‚Stresstest‘ für die Stabilität der beiderseitigen Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter sein“, so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. „Wenn Krisen sowohl aus Sicht des Betriebes als auch des betroffenen Beschäftigten gut gemeistert werden, können beide Seiten gestärkt aus ihr hervorgehen“, erklärt er weiter.

Viele Unternehmen bieten bereits derartige Angebote an, aber gerade kleinere Betriebe scheinen laut der Umfrage noch hinterher zu hinken in puncto ihrer betrieblichen Unterstützungsmaßnahmen. Doch nicht nur im Unternehmen sollte darauf Rücksicht genommen werden, findet Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch: „Prävention findet nicht nur am Arbeitsplatz statt, sondern geht alle an. Das muss auch im Präventionsgesetz noch klarer definiert werden. Vor allem die Kommunen müssen stärker in die Pflicht genommen werden.“

Fehltage im Jahr 2016

Die durchschnittliche Anzahl der Fehltage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Jahr 2016 liegt bei 19,4 Tagen und ist damit gegenüber dem Vorjahr mit 5,3 Prozent gleich geblieben. Deutlich häufiger kamen jedoch in den letzten 10 Jahren Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen vor. Diese haben um 79,3 Prozent zugenommen. Umso deutlicher wird die Notwendigkeit im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Maßnahmen für Beschäftigte mit krisenhaften Problemen zu ergreifen, so das Résumé des AOK-Reports.