Einsele und Knop
Prof. Her­mann Ein­se­le (rechts) und PD Dr. Ste­fan Knop zäh­len zu den Spe­zia­lis­ten für Mul­ti­ples Myelom am Uni­kli­ni­kum Würz­burg.UKW

Am 2. Juni die­ses Jah­res ver­öf­fent­lich­te die hoch­re­nom­mier­te, US-ame­ri­ka­ni­sche Fach­zeit­schrift „The New Eng­land Jour­nal of Medi­ci­ne“ einen Bei­trag über die Erkennt­nis­se aus der inter­na­tio­na­len Pha­se III-Stu­die „Eloquent‑2“. Im Fokus der Unter­su­chun­gen stan­den Pati­en­ten mit Mul­ti­plem Myelom (MM), einer bös­ar­ti­gen Krebs­er­kran­kung der Plas­ma­zel­len. Mehr als 600 Men­schen, bei denen sons­ti­ge The­ra­pien nicht ange­spro­chen hat­ten oder bei denen die Krank­heit wie­der­ge­kehrt war, hat­ten sich dar­an betei­ligt. Erprobt wur­de die Effek­ti­vi­tät des mono­k­lo­na­len Anti­kör­pers Elo­tu­zumab.

Maßgefertigter Antikörper aus dem Labor

Anti­kör­per sind Eiweiß­mo­le­kü­le, die in der Immun­ab­wehr eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Sie erken­nen kör­per­frem­de und geschä­dig­te kör­per­ei­ge­ne Struk­tu­ren als soge­nann­te Anti­ge­ne. Sie hef­ten sich an ihnen fest und mar­kie­ren sie, sodass ande­re Bestand­tei­le der Immun­ab­wehr die mar­kier­ten Struk­tu­ren abbau­en kön­nen. „Bei Krebs­zel­len funk­tio­niert die­se kör­per­ei­ge­ne Abwehr durch Anti­kör­per meist nur sehr schlecht, da die Tumor­zel­len so struk­tu­riert sind, dass sie das Immun­sys­tem nicht als fremd oder ver­än­dert erken­nen kann und sie so vor dem Angriff der Immun­zel­len geschützt sind“, erläu­tert Prof. Her­mann Ein­se­le, Direk­tor der Medi­zi­ni­sche Kli­nik und Poli­kli­nik II des Uni­kli­ni­kums Würz­burg (UKW). Der inter­na­tio­nal aner­kann­te MM-Exper­te und Co-Autor der Stu­die fährt fort: „Des­halb grei­fen wir auf künst­li­che, im Labor her­ge­stell­te Anti­kör­per zurück. Sie kön­nen gezielt auf die Erken­nung eines Merk­mals hin pro­du­ziert wer­den.“ Anti­kör­per, die von einem bestimm­ten Zell­klon her­ge­stellt wer­den, sind prak­tisch voll­kom­men bau­gleich. Man bezeich­net sie als mono­k­lo­na­le Anti­kör­per.

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Elotuzumab wirkt zweifach

Der für Myelom­zel­len maß­ge­fer­tig­te Anti­kör­per Elo­tu­zumab setzt sich auf der Ober­flä­che der Krebs­zel­len fest und bekämpft die­se auf zwei­fa­che Wei­se: Zum einen schä­digt er sie direkt selbst, zum ande­ren sti­mu­liert er natür­li­che Kil­ler­zel­len und lockt sie zu den Myelom­zel­len, damit sie die­se zer­stö­ren. Mit durch­schla­gen­dem Ergeb­nis: Laut der aktu­el­len Stu­die kann mit Elo­tu­zumab das Risi­ko für ein wei­te­res Fort­schrei­ten der Krank­heit und das Ster­be­ri­si­ko um 30 Pro­zent ver­rin­gert wer­den – und das bei äußerst gerin­gen Neben­wir­kun­gen.

UKW maßgeblich beteiligt

„Die Behand­lung mit spe­zi­ell kon­stru­ier­ten Anti­kör­pern ist bei ande­ren Krebs­er­kran­kun­gen bereits eta­bliert. Unse­re Myelom-Pati­en­ten hin­ge­gen war­ten schon lan­ge dar­auf, dass eine ent­spre­chen­de Chan­ce auch für sie end­lich ver­füg­bar wird“, berich­tet Prof. Ein­se­le. Er und sein Team arbei­ten seit mehr als fünf Jah­ren maß­geb­lich an der the­ra­peu­ti­schen Umset­zung des in den USA ent­wi­ckel­ten Wirk­stoffs Elo­tu­zumab mit. Prof. Ein­se­le war der Lei­ter die­ser kli­ni­schen Stu­die in Deutsch­land.

Weitere Patienten zur schon vorgesehen

Pha­se III-Stu­di­en sind kli­ni­sche Stu­di­en, bei denen das Arz­nei­mit­tel an einem grö­ße­ren Pati­en­ten­kol­lek­tiv erprobt wird, um zu sehen, ob sich die Wirk­sam­keit und die Unbe­denk­lich­keit auch bei vie­len unter­schied­li­chen Pati­en­ten bestä­ti­gen lässt. Nach posi­ti­vem Abschluss der Pha­se III kann das Medi­ka­ment nach Antrag­stel­lung die Zulas­sung erlan­gen. „An die­sem Punkt ste­hen wir jetzt und hof­fen auf eine bal­di­ge all­ge­mei­ne Zulas­sung durch die Behör­den in den USA und Euro­pa“, sagt der Krebs­ex­per­te Ein­se­le. Doch bis es soweit ist, kön­nen wei­te­re Myelom­kran­ke auch jetzt schon von Elo­tu­zumab pro­fi­tie­ren. Prof. Ein­se­le: „In der Über­gangs­pha­se zwi­schen der erfolg­rei­chen Stu­die und der Zulas­sung stellt die Her­stel­ler­fir­ma das Medi­ka­ment den betei­lig­ten Kran­ken­häu­sern schon für ein­zel­ne Pati­en­ten zur Ver­fü­gung. So rech­nen wir damit, dass wir noch in die­sem Som­mer wei­te­re Myelom­pa­ti­en­ten mit dem so viel ver­spre­chen­den Anti­kör­per am Uni­kli­ni­kum Würz­burg the­ra­pie­ren kön­nen.“