Bri­an Guz­mann fragt: Wel­che Fol­gen kann es haben, wenn in einem Kran­ken­haus ein Pati­ent mit einer -Infek­ti­on nicht iso­liert wird und auch sonst kei­ne beson­de­ren Schutz­maß­nah­men ergrif­fen wer­den?

Ant­wort der Redak­ti­on: Das Bak­te­ri­um Sta­phy­lo­coc­cus aure­us ist ein bei vie­len Men­schen anzu­tref­fen­der Erre­ger ohne Krank­heits­be­deu­tung. Beim Ein­drin­gen in den Kör­per immun­ge­schwäch­ter Pati­en­ten kann es hin­ge­gen Aus­lö­ser für Wund­in­fek­tio­nen, Lun­gen­ent­zün­dun­gen und Sep­sis sein. Beson­de­re Gefahr geht dabei von dem soge­nann­ten mul­ti­re­sis­ten­ten Sta­phy­lo­coc­cus aure­us () aus, das heißt von Erre­ger­stäm­men mit einer Unemp­find­lich­keit gegen­über ver­schie­de­nen Sub­stan­zen meh­re­rer Anti­bio­ti­ka-Klas­sen. Hier sind die The­ra­pie­mög­lich­kei­ten bei einer Infek­ti­on erheb­lich ein­ge­schränkt.

In medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen ist die häu­figs­te Ver­brei­tungs­ur­sa­che neben der Atem­luft der Trans­port über Hän­de und unbe­leb­te Gegen­stän­de (Pfle­ge­ar­ti­kel, Tex­ti­li­en etc.).

Zur Prä­ven­ti­on von MRSA-Über­tra­gun­gen hat das Robert Koch-Insti­tut bereits 1999 eine Emp­feh­lung ver­öf­fent­licht (Bun­des­ge­sund­heits­blatt 12/99, S. 954–958), die unter ande­rem fol­gen­de Punk­te umfasst:

  • Ein­zel­zim­mer­un­ter­brin­gung des Pati­en­ten (Iso­la­ti­on),
  • sorg­fäl­ti­ge Händehygiene,Tragen von Schutz­hand­schu­hen und Schutz­kit­tel,
  • Tra­gen einer OP-Gesichts­mas­ke.

Auch die Emp­feh­lung der Deut­schen Gesell­schaft für Kran­ken­haus­hy­gie­ne (DGKH) und die Leit­li­nie der AWMF (Nr. 029/019) sehen ent­spre­chen­de Maß­nah­men vor.

Der­ar­ti­ge Emp­feh­lun­gen spie­len ins­be­son­de­re in der gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung über Scha­dens­er­satz­an­sprü­che auf­grund „nos­o­ko­mia­ler Infek­tio­nen“ – also Infek­tio­nen, die im zeit­li­chen Zusam­men­hang mit einer sta­tio­nä­ren oder ambu­lan­ten medi­zi­ni­schen Maß­nah­me ste­hen, soweit sie nicht bereits vor­her bestan­den (vgl. § 2 Nr. 8 IfSG – eine wich­ti­ge Rol­le.

In zuneh­men­dem Maße wer­den die Emp­feh­lun­gen von Sach­ver­stän­di­gen zur Klä­rung der Fra­ge her­an­ge­zo­gen, ob von der Behand­ler­sei­te der im Ein­zel­fall not­wen­di­ge Sorg­falts­maß­stab ein­ge­hal­ten wur­de (vgl. auch das Schwer­punkt­the­ma in der [archiv­link jahr=„2005“ heft=„03“ seite=„50“]RDG 2005, Heft 3[/archivlink]).

Eine Nicht­be­ach­tung der ent­spre­chen­den Hygie­ne­grund­sät­ze kann dabei als „gro­ber Behand­lungs­feh­ler“ gewer­tet wer­den, was wie­der­um zu einer Beweis­erleich­te­rung bis hin zur Beweis­last­um­kehr für die Klä­ger­sei­te füh­ren kann. In einem sol­chen Fall obliegt es dann dem Beklag­ten zu bewei­sen, dass die Ursa­che für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den nicht auf die Hygie­never­säum­nis­se der Ein­rich­tung zurück­zu­füh­ren ist.