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Pflege
Ohne die Frauen würde nichts mehr gehen in der Pflege von Angehö­ri­genBild: © Nitsuki | Dreamstime.com

Viele Menschen, die Angehö­rige, Nachbarn oder Freunde pflegen und zugleich erwerbs­tä­tig sind, mussten während der Pande­mie ihren Alltag zum Teil stark umorga­ni­sie­ren. Beispiels­weise fiel die Unter­stüt­zung im Haushalt durch externe Dienst­leis­ten­den bei vulnerablen Gruppen oft kurzfris­tig weg und musste von Angehö­ri­gen dann selbst übernom­men werden.

Pflegende Angehö­rige wurden durch tempo­räre Schlie­ßun­gen ambulan­ter Pflege­dienste zusätz­lich beansprucht. Mit dem Deutschen Alters­sur­vey lässt sich nachzeich­nen, wie sich der Umfang der Unter­stüt­zung während der Pande­mie verän­dert hat und wer den größten Teil davon übernom­men hat.

Die erhobe­nen Daten stammen aus dem Sommer 2020, dem ersten Sommer der Pande­mie, sowie aus dem Winter 2020/21, der durch den zweiten Lockdown, aber auch durch den Beginn der Impfun­gen für vulnerable Gruppen bestimmt war. Zum Vergleich wurde die Befra­gung aus dem Jahr 2017 heran­ge­zo­gen. Die ausge­wer­te­ten Angaben stammen von Perso­nen im erwerbs­fä­hi­gen Alter von 46 bis 65 Jahren.

Es zeigt sich, dass insbe­son­dere zu Beginn der Pande­mie im Sommer 2020 mehr Menschen im erwerbs­fä­hi­gen Alter Unter­stüt­zung und Pflege für andere übernah­men als 2017. Im Winter 2020/21 sank die Betei­li­gung an Unter­stüt­zung und Pflege wieder auf ein ähnli­ches Niveau wie vor der Pandemie.

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Anteile der Perso­nen im Alter von 46 bis 65 Jahren, die gesund­heit­lich einge­schränkte Perso­nen pflegen oder unter­stüt­zenBild: Deutsches Zentrum für Altersfragen

Deutlich wird aber auch, dass es vor allem die Frauen sind, die diesen Mehrauf­wand an Unter­stüt­zung schul­tern. Sie unter­stüt­zen und pflegen nicht nur häufi­ger als Männer, sondern auch mit größe­rem Zeitauf­wand: Im Winter 2020/21 mit insge­samt 11,5 Stunden pro Woche im Vergleich zu 7,5 Stunden bei den Männern.

Pflege und Erwerbs­tä­tig­keit kaum vereinbar

Gerade beim zeitli­chen Umfang zeigt sich insge­samt, dass Erwerbs­tä­tig­keit kaum mit zeitin­ten­si­ver Pflege kombi­nier­bar ist: Während Nicht-Erwerbs­tä­tige im Schnitt 17,2 Stunden pro Woche aufbrin­gen, sind es bei Erwerbs­tä­ti­gen nur 7,6 Stunden pro Woche.

Die höhere und inten­si­vere Betei­li­gung an Zuwen­dung und Hilfe insbe­son­dere durch Frauen und die Schwie­rig­keit bei der Verein­bar­keit von Pflege und Erwerbs­tä­tig­keit könnten wiederum Auswir­kun­gen auf die finan­zi­elle Situa­tion haben – sowohl in der Phase der Unter­stüt­zung, aber auch darüber hinaus mit Blick auf die Höhe der künfti­gen Rentenansprüche.

Erschwert wird diese Verein­bar­keit auch durch die erfah­rene Diskri­mi­nie­rung am Arbeits­platz. Davon berich­ten immer­hin 27 Prozent der pflegen­den Angehö­ri­gen laut einer Studie der Antidis­kri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes.

Koali­ti­ons­ve­trag sieht Verbes­se­run­gen vor

Es bleibt zu hoffen, dass die im Koali­ti­ons­ver­trag angekün­digte Einfüh­rung einer Lohner­satz­leis­tung dazu führt, dass sich Pflege und Beruf künftig besser verein­ba­ren lassen. Auch der Ausbau der ambulan­ten Betreu­ungs­in­fra­struk­tur würde pflegende Angehö­rige deutlich entlas­ten und der Diskri­mi­nie­rungs­schutz von fürsor­gen­den Erwerbs­tä­ti­gen sollte gesetz­lich gestärkt werden.

Der Deutsche Alters­sur­vey (DEAS) ist eine reprä­sen­ta­tive Quer- und Längs­schnitt­be­fra­gung von Perso­nen in der zweiten Lebens­hälfte. Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehn­ten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regel­mä­ßig befragt.

Seit Beginn der Corona-Pande­mie fanden zwei Erhebun­gen des Deutschen Alters­sur­veys statt, bei denen jeweils Perso­nen befragt wurden, die zuvor schon mindes­tens einmal an der Studie teilge­nom­men hatten. An der Befra­gung im Sommer 2020 (8. Juni bis 22. Juli 2020) haben 4.823 Perso­nen ab einem Alter von 46 Jahren teilge­nom­men, bei der Befra­gung im Winter 2020/21 (04. Novem­ber 2020 bis 1. März 2021) waren es 5.402 Perso­nen.

Der Deutsche Alters­sur­vey wird geför­dert vom Bundes­mi­nis­te­rium für Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Quelle: DZA