Eine bessere Notfallversorgung durch ein komplexes Rechenverfahren.
Ein kom­ple­xes Rechen­ver­fah­ren soll die im länd­li­chen Raum ver­bes­sern.TechLine/Pixabay.com [CC0 1.0]

Wie ist es um die not­ärzt­li­che Ver­sor­gung auf dem Land bestellt? Ste­hen in Zukunft genü­gend Not­ärz­te zur Ver­fü­gung? Wie wird eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung, auch in ent­le­ge­nen Orten, garan­tiert? Wo feh­len not­ärzt­li­che Dienst­stel­len? Mit die­sen Fra­gen beschäf­ti­gen sich Mathe­ma­ti­ker um Pro­fes­sor Dr. Sven O. Krum­ke von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Kai­sers­lau­tern (TUK) und des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Tech­no- und Wirt­schafts­ma­the­ma­tik ITWM im Rah­men des Pro­jek­tes „Health­FaCT“.

Für Ret­tungs­diens­te gibt es in jedem Bun­des­land gesetz­li­che Vor­ga­ben, wie schnell sie an einem Ein­satz­ort ein­tref­fen müs­sen. In Rhein­land-Pfalz sind dies für Ret­tungs­wa­gen zum Bei­spiel 15 Minu­ten. Auf­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels und den damit ver­bun­de­nen erhöh­ten Ein­satz­zah­len wird es im länd­li­chen Raum in Zukunft aber immer schwe­rer sein, eine sol­che Ver­sor­gung sicher­zu­stel­len.

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Genau dar­an arbei­ten Mathe­ma­ti­ker der TUK. Sie ent­wi­ckeln ein kom­ple­xes Rechen­ver­fah­ren, um die Not­arzt­ver­sor­gung im länd­li­chen Raum zu ver­bes­sern. „Um eine opti­ma­le Not­arzt-Ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten, sind für unse­re Berech­nun­gen zwei Fak­to­ren wich­tig“, sagt Pro­fes­sor Krum­ke von der Arbeits­grup­pe Opti­mie­rung an der TUK. „Zum einen eine schnel­le Erreich­bar­keit der Not­fäl­le, zum ande­ren eine aus­rei­chen­de Abde­ckung aller Fäl­le durch die Not­ärz­te.“

Auch einsetzbar in Extremsituationen

In ihr mathe­ma­ti­sches Modell las­sen die Kai­sers­lau­te­rer For­scher vie­le Daten ein­flie­ßen, die für die Ver­sor­gung von Not­fäl­len rele­vant sind. Dazu zäh­len etwa die zunächst unbe­kann­te Anzahl der ein­tre­ten­den Not­fäl­le, aber auch die Anfahrts­zei­ten zu den Not­fäl­len und die räum­li­che Ver­tei­lung der Ret­tungs­wa­chen. „Wir unter­tei­len hier­bei ein betrach­te­tes Gebiet in meh­re­re Regio­nen und legen auf Basis his­to­ri­scher Daten für jede Regi­on ein Mini­mum und ein Maxi­mum an Not­fäl­len fest“, sagt Manu­el Strei­cher, der im Rah­men sei­ner Dok­tor­ar­beit an dem Pro­jekt forscht. Dabei kann in jeder ein­zel­nen Regi­on der schlimms­te Fall ein­tre­ten, jedoch wird ver­hin­dert, dass die­ser in allen Regio­nen gleich­zei­tig auf­tritt. In die­sem Zusam­men­hang spre­chen die Mathe­ma­ti­ker auch von „robus­ten Model­len“, die eben­falls Extrem­si­tua­tio­nen berück­sich­ti­gen, wie Krum­ke erläu­tert: „Das Beson­de­re an unse­rem Modell ist, dass die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung auch für Sze­na­ri­en sicher­ge­stellt ist, in denen in vie­len Regio­nen das Maxi­mum an Not­fäl­len ein­tritt.“

Die Mathe­ma­ti­ker der TUK arbei­ten dabei eng mit Kol­le­gen um Dr. Nee­le Leit­häu­ser vom Fraun­ho­fer ITWM zusam­men, mit denen sie die­se kom­ple­xen Pro­zes­se in Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen durch­spie­len. Dabei tes­ten sie unter ande­rem, wie sie Not­ärz­te auf schwach besetz­te Gebie­te am bes­ten umver­tei­len oder wie die Ver­tei­lung der Ein­sät­ze in der Zukunft aus­se­hen könn­te.

Neben Krum­ke und Strei­cher ist auch Eva Schmidt in der Arbeits­grup­pe betei­ligt. Die Dok­to­ran­din arbei­tet dar­an, sol­che Ein­sät­ze sys­te­ma­ti­scher zu pla­nen und kla­rer zu struk­tu­rie­ren, wel­cher Arzt wann zu wel­chem Not­fall fährt.

Das Pro­jekt berück­sich­tigt auch den Ärz­te­man­gel in vie­len Regio­nen, der sich in den nächs­ten Jah­ren nicht bes­sern dürf­te: Soll­ten sich die Ein­satz­zah­len in den kom­men­den zehn Jah­ren ver­dop­peln, wür­de nicht die dop­pel­te Anzahl an Medi­zi­nern gebraucht: „Mit­hil­fe der mathe­ma­ti­schen Ver­fah­ren und Simu­la­ti­on kann die Ver­tei­lung der Ärz­te auf die Ret­tungs­wa­chen so opti­miert wer­den, dass auch stei­gen­de Not­fall­auf­kom­men abge­deckt wer­den kön­nen“, sagt Krum­ke.