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Protein
High-Protein-Produkte liegen im TrendBild: Foto: Alexan­der Meyer-Köring

„Aus ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­scher Sicht sind diese Produkte überflüs­sig. Wer die Vielfalt herkömm­li­cher Lebens­mit­tel nutzt, bekommt genug Eiweiß und spart sich das Geld für die meist teure­ren Produkte“, sagt Antje Gahl, Presse­spre­che­rin der Deutschen Gesell­schaft für Ernäh­rung e. V. (DGE).

„Ledig­lich einzelne Innova­tio­nen können sinnvoll sein, etwa Nudeln aus Linsen oder Erbsen für Menschen mit Zölia­kie“, ergänzt Gahl. Protein (Eiweiß) ist lebens­wich­tig für Muskeln, Knochen, Binde­ge­webe, Immun­sys­tem und Blutge­rin­nung. Eine gesund­heits­för­dernde, nachhal­tige Ernäh­rung liefert eine ausrei­chende Menge an Nährstof­fen mit weitge­hend natur­be­las­se­nen oder wenig verar­bei­te­ten und abwechs­lungs­reich ausge­wähl­ten Lebens­mit­teln. Hochver­ar­bei­tete Produkte wie Chips und Schoko­rie­gel sind kein „gesun­der Genuss“, nur weil viel Eiweiß zugesetzt wurde.

Zusätze in Müsli, Chips und Pudding

Mit „Protein“ bewor­bene Lebens­mit­tel reichen von Müsli über Pudding und Eis bis hin zu Linsen­chips. Lebens­mit­tel dürfen die Angabe „Prote­in­quelle“ tragen, wenn mindes­tens 12 Prozent des Energie­ge­halts daraus stammen. Bei Angaben wie „High Protein“ müssen mindes­tens 20 Prozent des Energie­ge­halts daraus sein. Das ist zum Beispiel bei Pudding der Fall, der 80 Kiloka­lo­rien (kcal) und 10 Gramm enthält. Mit 4 kcal pro Gramm liegt der Anteil (40 kcal) bei 50 Prozent des Energiegehalts.

Herstel­ler nutzen diesen Trend und loben Lebens­mit­tel mit natür­li­cher­weise hohem Eiweiß­ge­halt wie zum Beispiel Quark als Prote­in­quelle aus. Weitere Lebens­mit­tel dieser Art sind zum Beispiel Skyr, Nudeln aus Linsen und Produkte aus Insek­ten und Algen. Daneben kreieren Herstel­ler spezi­elle Produkte wie Fertig­ge­richte durch Kombi­na­tion prote­in­rei­cher Zutaten.

Und es gibt mit Eiweiß angerei­cherte Produkte: An sich kohlen­hy­dratrei­che Lebens­mit­tel wie Brot werden mit Eiweiß­kon­zen­tra­ten zum Beispiel aus Weizen, Soja oder Lupinen versetzt. Auch bereits prote­in­rei­che Lebens­mit­tel wie Milch wird zum Beispiel mit Milch­ei­weiß angerei­chert, um entspre­chende Label zu tragen.

Überge­wicht und Krank­hei­ten drohen

Viele High-Protein-Produkte sind hochver­ar­bei­tete Lebens­mit­tel. Das sind aus kosten­güns­ti­gen Zutaten – überwie­gend aus indus­tri­el­len Energie- und Nährstoff­quel­len und Zusatz­stof­fen – zusam­men­ge­setzte Produkte. Sie sind meist anspre­chend verpackt, inten­siv vermark­tet, lange haltbar, verzehr­fer­tig und schmack­haft. Wenn häufig zu diesen Produk­ten gegrif­fen wird und sie Lebens­mit­tel wie Gemüse, Obst und Nüsse verdrän­gen, kann das langfris­tig kritisch für die Zufuhr von sekun­dä­ren Pflan­zen­stof­fen, Nähr- und Ballast­stof­fen sein und mit Überge­wicht sowie ernäh­rungs­be­ding­ten Krank­hei­ten einhergehen.

Herstel­ler vermark­ten diese Produkte in diesen Tagen massiv. Der Großteil der Bevöl­ke­rung hat aber gar kein Problem mit der Versor­gung und ein gesund­heit­li­cher Nutzen durch die Extra­por­tion ist auch nicht zu erwar­ten. Muskel­auf­bau oder Schlank­sein passiert nicht allein durch mehr Eiweiße bei unver­än­der­ter Ernäh­rung und Bewegung.

Bedarf durch herkömm­li­che Lebens­mit­tel decken

Selbst Menschen, die aufgrund ihres Alters oder bei Leistungs­sport einen höheren Bedarf haben, können ihn über herkömm­li­che Lebens­mit­tel decken. Dazu zählen neben Fleisch, Fisch, Milch­pro­duk­ten und Eiern vor allem Hülsen­früchte wie Soja, Linsen und Erbsen. Auch Vegane­rin­nen und Veganer sind mit pflanz­li­chen Prote­inen aus geziel­ter Kombi­na­tion von Getreide, Hülsen­früch­ten und Kartof­feln gut versorgt. Voraus­set­zung ist eine ausrei­chende Energiezufuhr.

Protein
Die gute, alte Kartof­fel: so reich­hal­tig und nahrhaft

Für Erwach­sene gilt ein Referenz­wert von 0,8 Gramm pro Kilo Körper­ge­wicht pro Tag. Bei einem Menschen, der 68 Kilogramm wiegt, sind das 54 Gramm Protein pro Tag. Diese Menge steckt in zwei Schei­ben Vollkorn­brot mit Erdnuss­mus (15 Gramm), 250 Gramm Ofenkar­tof­feln mit 150 Gramm Quark (25 Gramm) und 150 Gramm gegar­ten Linsen (14 Gramm).

Produkte liefern mehr Protein als nötig

High-Protein-Produkte liefern meist mehr, als nötig ist. Bei gesun­den Erwach­se­nen schadet dies zwar nicht. Überflüs­si­ges Eiweiß baut der Körper ab, dabei entsteht Harnstoff, der mit dem Urin ausge­schie­den werden muss. Deshalb ist ausrei­chen­des Trinken bei hoher Zufuhr wichtig. Bei Menschen mit einge­schränk­ter Nieren­funk­tion kann viel Protein aller­dings proble­ma­tisch sein und zu einer Verschlech­te­rung führen.

Also alles nur eine Marke­ting-Idee, um den Absatz dieser „frisier­ten“ Lebens­mit­tel anzukurbeln?

Beispiele: Die Extra­do­sis geht oft mit Extra­kos­ten für die Verbrau­che­rin­nen und Verbrau­cher einher. So kostet ein Porridge mit 28 Gramm Protein 1,40 Euro pro 100 Gramm. Bio-Hafer­flo­cken mit 13 Gramm sind ab ca. 0,20 Euro pro 100 Gramm zu haben.

Quelle: Deutsche Gesell­schaft für Ernäh­rung e.V.