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Europa
Wie können Fachkräfte aus dem europäi­schen Ausland besser integriert werden?Bild: Vignes81/Dreamstime.com

Die Pflege­kräfte sollten während des Auswahl­pro­zes­ses in Deutsch­land auf jeden Fall bereits denje­ni­gen kennen lernen, der sie bei der Integra­tion in die deutsche Arbeits­welt beglei­tet. Außer­dem infor­miert ein seriö­ses Unter­neh­men im Vorfeld über seine Leistun­gen in Deutschland.

Konkret bedeu­tet dies: Die Fachkräfte aus dem europäi­schen Ausland haben in den aller­meis­ten Fällen bisher keine oder nur wenige Möglich­kei­ten gehabt, ihre Arbeit auszu­üben und Geld zu verdie­nen. Daher bringen sie gar keine oder ledig­lich geringe finan­zi­elle Reser­ven mit. Sie können bis zur erfolg­rei­chen Anerken­nung, die je nach Bundes­land zwischen zwei Wochen und bis zu sieben Monate dauern kann, nicht als Fachkraft arbei­ten und vergü­tet werden. So bedeu­tet der Schritt nach Deutsch­land für viele eine enorme finan­zi­elle Belastung.

Viele Klini­ken und Unter­neh­men folgen mittler­weile dem Beispiel der avanti GmbH und bieten u.a. aus diesem Grund kosten­freien Wohnraum für die ersten vier bis sechs Monate für diese Fachkräfte an.

Erste Integra­ti­ons­schritte in den ersten Wochen vor Ort

Die Anreise nach Deutsch­land hat geklappt, die Wohnung ist bezogen, die Fachkräfte bringen etwas Deutsch mit – ist nun alles gut? Nein, denn jetzt beginnt für die Integra­ti­ons­be­auf­trag­ten die inten­sive Detail­ar­beit vor Ort: Die Fachkräfte müssen betreut und angemel­det werden, sie brauchen ein deutsches Bankkonto, die Kranken­ver­si­che­rung muss ausge­sucht und abgeschlos­sen werden. Ein Perso­nal­fra­ge­bo­gen ist auszu­fül­len, der Weg und Trans­port zur Arbeits­stelle sind noch nicht geklärt.

Dies alles können auslän­di­sche Fachkräfte noch nicht allein, da ihr Deutsch für diese Verwal­tungs­vor­gänge meist noch nicht gut genug ist. Ab dem Moment der Anreise wäre es optimal, wenn die Integra­ti­ons­kräfte für diese inten­sive Betreu­ung vom Unter­neh­mern freige­stellt wären.

Ein Stadt­be­such mit Hinweis auf die nächst­ge­le­ge­nen Super­märkte, eine deutsche Telefon-SIM-Karte, ggf. ein Inter­net­an­schluss, Auswahl und Beglei­tung zu geeig­ne­ten Freizeit­ak­ti­vi­tä­ten wie Sport­ver­eine gehören ebenso dazu wie die wöchent­li­chen Kaffee-Runden, in denen, wie man in Köln sagen würde, nicht nur „geklönt“ wird, sondern in denen wichtige Fragen bespro­chen werden bezgl. der Arbeit auf Station, Probleme mit Kolle­gen etc.

Der deutsche Alltag bringt am Anfang noch viele Fragen mit sich: Was ist eine Sozial­ver­si­che­rungs­num­mer? Wie lese ich meine Abrech­nung? Welche Versi­che­run­gen brauche ich in Deutsch­land? Dies ist nur ein kleiner Auszug von Fragen, die der Erklä­rung bedürfen.

Zudem ist es die Aufgabe der Integra­ti­ons­fach­kraft, den Deutsch­sprach­kurs zu beglei­ten. Im Vorfeld ist zu klären, welche Sprach­schu­len besucht werden und ob als Inten­siv­kurs oder nur zwei- oder dreimal pro Woche? Das Konzept sollte mit dem Sprach­in­sti­tut abgestimmt sein. Wichtig ist zum Beispiel, wie die Erfolgs­kon­trolle erfol­gen soll, ob wöchent­li­che oder monat­li­che Tests gewünscht werden.

Nachdem die Fachkräfte zumeist nach knapp vier Monaten den Sprach­kurs B1 und B2 mit TELC-Examen oder Goethe-Prüfung abgeschlos­sen haben, fehlt dann noch die Anerkennung.

Anerken­nungs­pro­zess ist der wesent­li­che bürokra­ti­sche Schritt

Hier lauern die nächs­ten Fallstri­cke. Je nachdem, welches Bundes­land bzw. Regie­rungs­prä­si­dent zustän­dig ist, dauert das Anerken­nungs­ver­fah­ren unter­schied­lich lang. Es gibt Regio­nen, in denen man die übersetz­ten Diplom­un­ter­la­gen für die Anerken­nung gemein­sam mit dem TELC-Zerti­fi­kat an das Regie­rungs­prä­si­dium schickt und die Pflege­kraft inner­halb von drei Wochen die Anerken­nungs­ur­kunde per Post erhält. Hinge­gen gibt es auch Regio­nen, in denen die Unter­la­gen sofort nach der Anreise der Fachkräfte an das Regie­rungs­prä­si­dium geschickt werden sollten, da dieses bis zu vier Monaten benötigt, um einen Gleich­stel­lungs­be­scheid zu erstel­len. Mit diesem Bescheid erfolgt dann nach abgeschlos­se­ner TELC-B2-Prüfung eine Einla­dung zum Gesund­heits­amt. Dort wird die Medizin-Fachspra­che abgeprüft und erst danach erhält die Fachkraft die Anerkennungsurkunde.

Aufgabe des Integra­ti­ons­be­auf­trag­ten ist es, sich vor Beginn eines solchen Projekts über die jewei­li­gen Bedin­gun­gen zu infor­mie­ren, um die Anerken­nung so zügig wie möglich zu erreichen.

Abschluss der Integrationsphase

Nach erfolg­ter Anerken­nung sind zumeist mindes­tens vier Monate vergan­gen. Die Fachkräfte sollten immer weniger alltäg­li­che Hilfe­stel­lun­gen benöti­gen und sich weitest­ge­hend selbst weiter in die deutsche Arbeits- und Lebens­welt integrie­ren. Nach sechs Monaten ist der grund­le­gende Integra­ti­ons­pro­zess erfah­rungs­ge­mäß abgeschlos­sen. Es erfolgt ein Auswer­tungs­ge­spräch mit der Perso­nal­lei­tung und der Integra­ti­ons­fach­kraft. Das Projekt wird evalu­iert, um es weiter­zu­ent­wi­ckeln. Sollten in Zukunft Fragen oder Probleme auftau­chen, erfolgt die Betreu­ung durch den zustän­di­gen HR-Bereich.

Fazit: Auslands­re­crui­t­ing ist erfolg­reich, wenn die Integra­ti­ons­ar­beit als unabding­ba­rer Teil des Prozes­ses begrif­fen wird.

Auslands­re­cru­ting ist keine Sache für neben­bei, für zwischen­durch, für „eben mal schnell“ bei akuten Vakan­zen. Wie gezeigt, ist eine inten­sive Integra­ti­ons­ar­beit vom Recrui­t­ing-Unter­neh­men für einen nachhal­ti­gen Erfolg essen­ti­ell. Vakan­zen, die in den Perso­nal­be­rech­nun­gen in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten abzuse­hen sind, kann Auslands­re­cru­ting helfen, erfolg­reich und langfris­tig zu beset­zen. Das Projekt Auslands­re­cru­ting sollte vor dem Start umfas­send durch­dacht und konzep­tio­nell gestal­tet werden. Sowohl Perso­nal- als auch finan­zi­elle Ressour­cen sind dafür zwingend nötig. Nur so sichert es einen langfris­ti­gen Mitar­bei­ter­ge­winn. Siehe auch: Ausland­re­crui­t­ing – Wie funktio­niert es gut für beide Seiten?

Quelle: avanti GmbH – Nina Baumann, Uta Kannengießer