Coronavirus-Test.
-Test. © Paul Carr | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Ange­sichts der stark gestie­ge­nen Zahl der Coro­na-Fäl­le und der sich fül­len­den Inten­siv­sta­tio­nen wächst auch hier­zu­lan­de der Druck auf Pfle­ge­kräf­te, trotz Coro­na-Infek­ti­on – oder aku­tem Ver­dacht dar­auf – wei­ter­zu­ar­bei­ten. Als Reak­ti­on dar­auf hat sich der Deut­sche Berufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) in einer Pres­se­er­klä­rung dage­gen aus­ge­spro­chen, die Schutz­maß­nah­men auf­zu­wei­chen, etwa die Qua­ran­tä­ne­zeit zu ver­kür­zen. „Die Gesund­heit der Pfle­gen­den in der Lang­zeit­pfle­ge und in den Kran­ken­häu­sern muss mit glei­cher Prio­ri­tät geschützt wer­den, wie die aller ande­ren Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auch“, for­dert Prof. Chris­tel Bien­stein, Prä­si­den­tin des DBfK. Denn nie­mand kön­ne bis­her ein­schät­zen, wie hoch das Risi­ko für Spät­fol­gen sei, wenn jemand eine Infek­ti­on nicht ernst neh­me – sie gewis­ser­ma­ßen ver­schlep­pe. Bereits infi­zier­te Beschäf­tig­te in der Ver­sor­gung von Covid-19-Pati­en­ten ein­zu­set­zen, sei wegen der Zusatz­be­las­tung nicht zu rechtfertigen.

RKI: Bei Personalmangel kürzere Quarantäne-Dauer

Das Robert-Koch-Insti­tut hat­te bereits im Früh­jahr einen Leit­fa­den ver­öf­fent­licht, in wel­chem Umfang und auf wel­chen Sta­tio­nen bei aku­tem Per­so­nal­man­gel aus­nahms­wei­se auch Coro­na-posi­tiv getes­te­te Beschäf­tig­te, oder sol­che mit min­des­tens 15-minü­ti­gem nahen Kon­takt zu einer nach­weis­lich infi­zier­ten Per­son oder zu deren Sekre­ten und Kör­per­flüs­sig­kei­ten, ein­ge­setzt wer­den kön­nen. So gilt in dem Fall eine ver­kürz­te Qua­ran­tä­ne­zeit von 7 statt 14 Tagen. Wenn sie seit min­des­tens 48 Stun­den sym­ptom­frei sind und der Sym­ptom­be­ginn min­des­tens zehn Tage zurück­liegt, kön­nen sie zur Arbeit zurück­keh­ren. Sie dür­fen aber kei­ne Bewoh­ner oder Pati­en­ten direkt betreu­en und müs­sen wäh­rend der Arbeit FFP2-Mas­ken tra­gen. In abso­lu­ten Aus­nah­me­fäl­len, so das RKI, sei es denk­bar, dass infi­zier­te Kran­ken­pfle­ger aus­schließ­lich Pati­en­ten betreu­en, die bereits selbst Covid-posi­tiv getes­tet wor­den sind.

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Laut DBfK habe man jedoch aus Pfle­ge­hei­men gehört, dass dort posi­tiv getes­te­te Beschäf­tig­te eben­falls bereits infi­zier­te Bewoh­ner ver­sorg­ten. Dar­über hin­aus hät­ten Pfle­gen­de geschil­dert, dass ihre Ein­rich­tun­gen auf Tests ihrer Beschäf­tig­ten ver­zich­te­ten, um kei­ne Covid-Neu­dia­gno­sen und damit ver­bun­de­ne Per­so­nal-Aus­fäl­le her­bei­zu­füh­ren. Doch der Pfle­ge­ver­band sieht die Dis­kus­si­on von der fal­schen Sei­te her betrach­tet. Der Coro­na-Schutz dür­fe auch bei Per­so­nal­knapp­heit nicht auf Kos­ten der Beschäf­tig­ten gehen, so Bien­stein. „Soll­te die Anzahl von Pfle­gen­den einer Ein­rich­tung in Qua­ran­tä­ne oder mit nach­ge­wie­se­ner Infek­ti­on so hoch wer­den, dass eine siche­re Ver­sor­gung nicht mehr mög­lich ist, müs­sen sich Trä­ger, Gesund­heits­äm­ter, Kom­mu­nen und gege­be­nen­falls die Heim­auf­sicht zusam­men­set­zen, um Lösun­gen zu fin­den.“ Das müs­se man bereits jetzt vorbereiten.

Zahl der belegten Betten in Deutschland steigt – In Belgien droht Zusammenbruch der Versorgung

Zum Redak­ti­ons­schluss die­ses Arti­kels am 9. Novem­ber waren in Deutsch­land rund 3.000 Inten­siv­bet­ten, knapp jedes zehn­te in Deutsch­land, mit Covid-19-Pati­en­ten belegt. Bin­nen zwei Wochen hat sich damit die Zahl der Coro­na-Fäl­le auf den Inten­siv­sta­tio­nen ver­dop­pelt. Knapp 8.400 Bet­ten, was 29 % der Gesamt-Kapa­zi­tät ent­spricht, waren als frei gemel­det. Die rest­li­chen 61 Pro­zent der Inten­siv­bet­ten, knapp 18.000, waren mit Pati­en­ten ohne Coro­na-Bezug belegt. Ein war­nen­des Bei­spiel für eine Inten­siv­ver­sor­gung an ihren Gren­zen gibt es aus dem Nach­bar­land Bel­gi­en. Dort wur­den in den ver­gan­ge­nen Tagen durch­weg fünf­stel­li­ge Infek­ti­ons­zah­len gemel­det, in abso­lu­ten Zah­len fast auf dem Niveau von Deutsch­land – bei einer gleich­zei­tig knapp acht­mal klei­ne­ren Bevöl­ke­rungs­zahl. Ins­be­son­de­re in der hart getrof­fe­nen Pro­vinz Lüt­tich (Liè­ge) sei es laut Berichts des ARD-Stu­di­os Brüs­sel gang und gäbe, dass Covid-posi­ti­ve Pfle­ge­kräf­te wei­ter arbei­te­ten, weil ansons­ten über­haupt kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung mehr sicher­zu­stel­len sei.