Wundversorgung
Pop-up-Impf­zen­trum beim Wund­Con­gress: 300 Dosen waren in kur­zer Zeit ver­impftFoto: Bernd Schöneck

Beim ganz­tä­gi­gen Kon­gress-Haupt­pro­gramm, plus fünf beglei­ten­den Satel­li­ten­sym­po­si­en im benach­bar­ten, räum­lich ver­bun­de­nen Hotel Mer­cu­re, ging es um medi­zi­ni­sche, pfle­ge­ri­sche und recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen der Wund­ver­sor­gung, immer vor dem Hin­ter­grund der Coro­na-Pan­de­mie. Für das Online-For­mat hat­te das Team kei­ne Mühen gescheut: Neben dem Ser­vice für die online zuge­schal­te­ten Gäs­te, alle Vor­trä­ge ein­schließ­lich der Satel­li­ten­sym­po­si­en live ver­fol­gen zu kön­nen, gibt es einen schö­nen Neben­ef­fekt: Alle Pro­gramm­punk­te sind bis zwei Mona­te nach dem Kon­gress auf der IWC-Web­site abrufbar.

Somit kön­nen auch die Live-Gäs­te des Tages die­je­ni­gen Ver­an­stal­tun­gen noch ein­mal nach­ver­fol­gen, in denen sie wegen zeit­glei­cher Ter­mi­nie­rung nicht prä­sent sein konnten.

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Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf: „Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier…„Foto: Bernd Schöneck

„Als wir damals das Mot­to ent­wor­fen hat­ten, hat­ten wir gehofft, Coro­na zu die­ser Zeit weit­ge­hend hin­ter uns zu haben“, blick­te Kon­gress-Initia­tor und Gast­ge­ber Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf zurück, nach­dem Rechts­de­pe­sche-Chef­re­dak­teur Micha­el Schanz die Gäs­te im Saal begrüßt, und ihnen Respekt für ihre Belas­tun­gen durch die Pan­de­mie gezollt hat­te. Groß­kopf brach­te ein star­kes State­ment pro Impf­pflicht: „Ich bin über­zeugt: Ohne eine Impf­pflicht wer­den wir die­se Dau­er­schlei­fe, die­ses ‚Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier‘, nicht ver­las­sen kön­nen.“ Hier­für ern­te­te er stür­mi­schen Applaus. Auch Co-Gast­ge­be­rin Mari­na Fili­po­vic, Pfle­ge­di­rek­to­rin und Mit­glied im Vor­stand der Uni­kli­nik Köln (UKK), brach­te vor dem Hin­ter­grund ihrer eige­nen Ein­drü­cke aus dem medi­zi­ni­schen All­tag einen flam­men­den Appell für eine Impfung.

„Ich bin ver­zwei­felt, wenn ich sehe, wie vie­le Men­schen in Deutsch­land und der Welt sich nicht imp­fen las­sen, obwohl sie die Gele­gen­heit gehabt hät­ten. Wir leis­ten uns her­vor­ra­gen­de Wis­sen­schaft­ler, die gezeigt haben, dass die Imp­fung uns aus die­ser Pan­de­mie her­aus­führt. Es ist trau­rig, dass sie die­je­ni­gen nicht Glau­ben schen­ken, und sich in ihren Bla­sen verschanzen.“

PD Dr. Gun­nar Rie­pe, Chef­arzt im Gefäß- und Wund­zen­trum Mit­tel­rhein (GWZM) am Gemein­schafts­kli­ni­kum Mit­tel­rhein Hei­lig Geist Bop­pard sowie Mit­ent­wick­ler der „Wund-Uhr“, zeig­te in sei­nem Vor­trag „Hil­fe zur Selbst­hil­fe – Wund­hei­lung beginnt bereits im Kopf“ ein­drucks­vol­le Fotos aus sei­nen Behand­lungs­fäl­len, und mahn­te gera­de beim Dia­be­ti­schen Fuß­syn­drom zur Vor­sicht. „Frei­tag­nach­mit­tag, dia­be­ti­scher Fuß? Dabe­hal­ten! Auch Klei­nig­kei­ten wer­den bei Dia­be­ti­kern irgend­wann groß.“

Die Pfle­ge­rin und Hygie­ne­fach­kraft Regi­na Nöbel brach­te ein­drück­lich den Wert der Hygie­ne für den Schutz der Pati­en­ten vor Wund­in­fek­tio­nen zur Spra­che. „Tra­gen Sie Schutz­kit­tel! Sonst holen Sie sich die Kei­me auf die Klei­dung und es ist mög­lich, sie bis ans ande­re Ende der Stadt zu trans­por­tie­ren“, riet sie. Dr. jur. Frank Wen­zel, Rechts­an­walt und Seni­or­part­ner der Kanz­lei Halm & Col­le­gen, Köln, ging auf die emi­nent wich­ti­ge Rol­le der Doku­men­ta­ti­on ein, um eine Beweis­last­um­kehr für Behand­ler zu vermeiden.

Aller­dings: „Bei Risi­ko­pa­ti­en­ten lässt sich das Ent­ste­hen eines Deku­bi­tus auch bei bes­ter Pro­phy­la­xe nicht sicher ver­mei­den. Der Mensch ist eben kei­ne Maschi­ne. Man­che Fäl­le sind eben, wie man sagt, schicksalhaft.“

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Gut besucht: der Wund­Con­gress 2021 im Köl­ner Sar­to­ry SaalFoto: Alex­an­der Meyer-Köring

Dr. Alex­an­der Ris­se, pen­sio­nier­te eins­ti­ger lei­ten­der Arzt des Dia­be­tes­zen­trums an der Kli­ni­kum Dort­mund gGmbH, brach­te eine kri­ti­sche Bestands­auf­nah­me der Situa­ti­on für die Pfle­ge nach den Coro­na-Wel­len, und mahn­te zu mehr Enga­ge­ment der Berufs­an­ge­hö­ri­gen, um ihre eige­ne Lage zu ver­bes­sern. „Die neu­en Pfle­ge­ver­trä­ge, etwa bei der Cha­ri­té, gibt es nicht, weil so viel geklatscht wur­de, oder die Pfle­ge so sys­tem­re­le­vant ist. Die ent­stan­den durch poli­ti­schen Druck, durch Streiks.“ Nötig hält er auch Pfle­ge­kam­mern, um die Pfle­ge als Berufs­stand zu stärken.

Covid hat an der Situa­ti­on über­haupt nichts geän­dert. Wir brau­chen eine Pfle­ge­kam­mer, die mit den Bei­trä­gen von Pfle­gen­den eine Struk­tur und Macht auf­bau­en, und auf die Poli­tik ein­wir­ken kann.“ Bei Dr. med. Tobi­as Hirsch, Fach­arzt für Inne­re Medi­zin und Angio­lo­gie und Mit­glied im Vor­stand des Berufs­ver­ban­des der Phle­bo­lo­gen (BdP), ging es ums The­ma Kom­pres­si­on, und in wel­chen Fäl­len die­se nicht indi­ziert sei.

Wundversorgung bekommt eigenes Lied

Jedoch: „Die tra­di­tio­nell über­lie­fer­ten Kon­ta­in­di­ka­tio­nen hal­ten einer wis­sen­schaft­li­chen Über­prü­fung nicht stand“, so sein Fazit am Bei­spiel von Herz­in­suf­fi­zi­en­zen. Wich­tig sei eine sorg­fäl­ti­ge Ana­mne­se und Eva­lu­ie­rung, mit Ein­bin­dung des Pati­en­ten. Wund­ma­na­ge­rin Ani­ta Mys­or sorg­te am Kon­gress-Ende für ein High­light: Die aus­ge­bil­de­te Sän­ge­rin hat­te eigens für den IWC ein eige­nes Lied über die Wund­be­hand­lung geschrie­ben, das sie unter gro­ßem Applaus live vortrug.

Auf sehr gro­ße Reso­nanz und sehr viel Zuspruch ist die spon­tan ein­ge­rich­te­te Boos­ter-Impf­ak­ti­on gesto­ßen, für die sich PD Dr. Gun­nar Rie­pe als Arzt in der Pau­se für Bera­tung und Auf­klä­rung der Impf­wil­li­gen zur Ver­fü­gung stell­te. Alle Kon­gress­gäs­te hat­ten hier die Mög­lich­keit, sich im Foy­er des Sar­to­ry kos­ten­los eine Bio­n­tech-Dritt­imp­fung ver­ab­rei­chen zu lassen.

Die 15. Auf­la­ge des Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress (IWC) ist am Don­ners­tag, 24. Novem­ber 2022 geplant.