Als nos­o­ko­mi­al (von Nos­o­ko­m­ei­on, den Räu­men zur Kran­ken­be­hand­lung im anti­ken Grie­chen­land) bezeich­net man die­je­ni­gen Infek­tio­nen, die in einem Zusam­men­hang mit einer sta­tio­nä­ren oder ambu­lan­ten Maß­nah­me ste­hen. Zur Ori­en­tie­rung: Im Zeit­raum 2013/2014 wur­den dem Robert Koch-Insti­tut (RKI) allein nur für die Berei­che Inten­siv­sta­ti­on und OP rund 3.177 nos­o­ko­mia­le Sta­phy­lo­kok­ken-Infek­tio­nen – dar­un­ter auch das beson­ders gefürch­te­te MRSA – gemel­det.

Der recht­li­che Rah­men zur Ver­hü­tung und Bekämp­fung von der­ar­ti­gen Infek­ti­ons­krank­hei­ten beim Men­schen bestimmt sich im Wesent­li­chen durch das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz (IfSG). Von beson­de­rer Bedeu­tung ist dabei § 23 IfSG. Hier­nach haben Lei­ter von Gesund­heits­ein­rich­tun­gen sicher­zu­stel­len, dass sie die nach dem Stand der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten erfor­der­li­chen Maß­nah­men zur Ver­hü­tung und Wei­ter­ver­brei­tung von nos­o­ko­mia­len Infek­tio­nen getrof­fen haben (vgl. § 23 Abs. 3 IfSG). Doch wo nach rich­tet sich der „Stand der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten“?

Anzei­ge
PWG-Seminare

Juristischer Sprengstoff inklusive

Die­sel­be Rechts­vor­schrift lie­fert hier­zu gleich die pas­sen­de Ant­wort. So heißt es zum Ende des drit­ten Absat­zes:

Die Ein­hal­tung des Stan­des der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft auf die­sem Gebiet wird ver­mu­tet, wenn jeweils die ver­öf­fent­lich­ten Emp­feh­lun­gen der Kom­mis­si­on für Kran­ken­haus­hy­gie­ne und Infek­ti­ons­prä­ven­ti­on beim Robert Koch-Insti­tut und der Kom­mis­si­on Anti­in­fek­ti­va, Resis­tenz und The­ra­pie beim Robert Koch-Insti­tut beach­tet wor­den sind.

Das, was auf den ers­ten Blick wie ein harm­lo­ser, gut gemein­ter Rat­schlag klingt, ent­puppt sich auf den zwei­ten Blick als juris­ti­scher Spreng­stoff: Denn zum einen wer­den die oben genann­ten Emp­feh­lun­gen de fac­to zum Stan­dard (der Begriff „Emp­feh­lung“ ist inso­fern nicht mehr ganz pas­send). Zum ande­ren wür­de das Auf­tre­ten einer nos­o­ko­mia­len Infek­ti­on auto­ma­tisch zunächst eine gegen­tei­li­ge Ver­mu­tung in den Raum stel­len, näm­lich dass der Stand der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten nicht ein­ge­hal­ten wor­den ist. Ein schwe­rer Vor­wurf, den dann der Lei­ter der Gesund­heits­ein­rich­tung begeg­nen müss­te.

Nosokomiale Infektion vermeiden
Die ord­nungs­ge­mä­ße Tex­ti­lauf­be­rei­tung ist ein wesent­li­cher Bau­stein bei der Ver­mei­dung von nos­o­ko­mia­len Infek­tio­nen.LEO Sys­tem GmbH

Textilversorgung als Hygienemanagement

Einen wich­ti­gen Bau­stein im Hygie­nema­nage­ment von Kran­ken­häu­sern, Alten- und Pfle­ge­hei­men und ambu­lan­ten Ein­rich­tun­gen stellt die Tex­til­ver­sor­gung dar. Da die gelie­fer­ten Tex­ti­li­en in hygie­nisch anspruchs­vol­len Berei­chen ein­ge­setzt wer­den, müs­sen sie über eine aus­rei­chen­de mikro­bio­lo­gi­sche Qua­li­tät ver­fü­gen. Sicher­ge­stellt wird dies durch sog. des­in­fi­zie­ren­de Auf­be­rei­tungs­ver­fah­ren, in denen poten­zi­ell infek­tiö­se als auch defi­ni­tiv infek­tiö­se Erre­ger sicher abge­tö­tet wer­den.

Schon des­halb soll­ten sich – und um damit ihrer Sorg­falts­pflich­ten nach­zu­ge­hen sowie um juris­ti­schen Fall­stri­cken begeg­nen zu kön­nen – Lei­ter von Gesund­heits­ein­rich­tun­gen sich ein Bild über die zur Anwen­dung gebrach­ten Auf­bei­tungs­ver­fah­ren ver­schaf­fen. Denn nur so ist es mög­lich ein hohes Funk­ti­ons- und Sicher­heits­ni­veau zu gewähr­leis­ten und Infek­ti­ons­ket­ten früh­zei­tig zu durch­bre­chen.